Tag für Tag. Corona-Epidemie in Polen. 16. Januar bis 18.Januar 2021

image_pdfimage_print

Auf vielseitig geäußerten Wunsch unserer Zuhörer und Leser, setzen wir die laufende Chronik des Corona-Geschehens in Polen fort. Wir wollen turnusmäßig das Wichtigste zusammenfassen und Ihnen so ein Bild der medizinischen, gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Lage im Land vermitteln, ohne dabei den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben. Ihr RdP.

Den ersten Teil der Corona-Chronik in Polen, vom 20. März bis 20. April 2020, finden Sie hier (bitte klicken)

Den zweiten Teil der Corona-Chronik in Polen, vom 21. April bis 17. Juli 2020, finden Sie hier (bitte klicken) 

Den dritten Teil der Corona-Chronik in Polen, vom 18.Juli bis 03.November 2020, finden Sie hier (bitte klicken)

Den vierten Teil der Corona-Chronik in Polen, vom 04.November 2020 bis 08.Januar 2021, finden Sie hier (bitte klicken)

Die Berichte erscheinen zweimal wöchentlich, jeweils am Dienstag und Freitag.

Samstag, 16. Januar bis Dienstag, 19.Januar 2021

Zahl der Neuinfizierten zwischen dem 13.12.2020 und dem 19.01.2021 Bitte ggf. vergrößern.

Gesamtzahlen per 19.01.2021 seit Beginn der Epidemie: Infizierte: 1.444.804     Gestorben: 33.689

Am Morgen des 19.01.2021 gab das Gesundheitsministerium bekannt: In Polen werden wegen des Verdachts auf Infektion mit dem Coronavirus 15.667 Personen in Krankenhäusern behandelt. 182.631 Personen befinden sich in häuslicher Quarantäne. Genesene: 1.197.034. Am Vortag durchgeführte Tests: ca. 48.400. Neuinfizierte: 4.835.

Seit dem 10.10.2020 gibt das Gesundheitsministerium im Zusammenhang mit der Epidemie nur noch die tägliche Zahl der Verstorbenen bekannt, unterteilt nach Personen, die an Corona, bzw. neben Corona an Vorerkrankungen litten. Nicht länger veröffentlicht werden die Angaben des Geschlechts, des Alters und des Sterbeortes.

Am Samstag, dem 16.01.2021 starben 369 Personen, davon 69 an Corona und 300 an Corona mit Vorerkrankungen. R.I.P.

Am Sonntag, dem 17.01.2021 wurden 142 Corona-Tote gemeldet, davon 37 mit Corona und 105 mit Corona und Vorerkrankungen. R.I.P.

Am Montag, dem 18.01.2021 starben 52 Personen, davon 11 an Corona und 41 an Corona mit Vorerkrankungen. R.I.P.

Am Dienstag, dem 19.01.2021 sind 291 Menschen gestorben, davon 60 an Corona und 231 an Corona mit Vorerkrankungen. R.I.P.

Aktuelle Lage: Leichter Rückgang aller Kennziffern.

Die siebente Woche in Folge bewegt sich die Zahl der Neuinfizierten im gleichmäßigen Wellengang von Sechs- bzw. Sieben-Tage-Intervallen zwischen etwas mehr als 13.000 und gut 3.000 Personen (siehe Grafik oben). Nur einmal, am 06.01.2021, hat in diesem Zeitabschnitt die Zahl der Neuansteckungen geringfügig die 14.000er-Marke überschritten.

Die letzte Welle auf dem Diagramm, die am 11.01. ihren Anfang nahm und am 18.01. endete, fiel deutlich flacher aus. Ob das der Beginn eines Abwärtstrends ist, bleibt abzuwarten.

In dem in der heutigen „Corona-Chronik in Polen“ besprochenen Zeitraum betrugen die Neuansteckungen: am 16.01.2021 – 7.412 Fälle, am 17.01.2021 – 6.055, am 18.01.2021 – 3.241 und am 19.01.2021 – 4.835 Fälle.

● Langzeit-Wochenstatistik der Neuansteckungen, angefangen mit der Woche 31.08. – 06.09.2020 bis zur Woche 11.01.- 17.01.2021. Bitte ggf. vergrößern.

Die Zahl der in Krankenhäusern behandelten Corona-Patienten pendelt seit dem 23.12. um die 17.000, hat aber diese Marke seit dem 06.01.2021 nicht mehr überschritten. Mittelweile tendiert sie eher leicht in Richtung 15.000. Am 16.01.2021 waren es 15.887 Fälle, am 17.01.2021 – 15.588, am 18.01.2021 – 15.716 und am 15.01.2021 – 15.667 Fälle. Am 19.01.2021 gab es im ganzen Land 15.027 freie Corona-Krankenhausbetten.

Die Zahl der belegten Beatmungsgeräte sinkt seit dem Hoch vom 13.11.2020 (2.149) langsam aber dauerhaft. Seit Mitte Dezember 2020 schwankt sie permanent um die 1.600. So war es auch in dem in der heutigen „Corona-Chronik in Polen“ besprochenen Zeitraum. Am 16.01.2021 – 1.608, am 17.01.2021 – 1.651, am 18.01.2021 – 1.616 und am 19.01.2021 – 1.582. Am 19.01.2021 gab es im ganzen Land in Corona-Krankenhäusern 1.305 freie Beatmungsgeräte.

Die Zahl der freien Corona-Krankenhausbetten und Beatmungsgeräte übersteigt im Landesdurchschnitt den laufenden Bedarf konstant um etwa ein Drittel. Es treten inzwischen auch regional keine Engpässe mehr auf.

Weiterhin besorgniserregend bleibt die hohe Sterblichkeit. Der traurige Epidemie-Tagesrekord fiel am 25.11.2020 mit 674 Verstorbenen. Nur drei Mal wurde seitdem die 600er-Marke überschritten: am 02.12. – 609, am 03.12. – 620, und am 16.12. – 605. Mittlerweile sind zwischen 200 und 400 Tote die Norm.

Die Ursache der hohen Sterblichkeit bleibt unverändert. Ein Teil der Erkrankten will sich nicht testen lassen, tut die ersten Symptome als Erkältung ab, versucht sich mit Hausmitteln zu kurieren. Erst wenn akute Corona-Symptome auftreten wird der Notdienst gerufen. Für viele ist es dann schon zu spät.

Langzeit-Wochenstatistik der Corona-Todesfälle, angefangen mit der Woche 31.08. – 06.09.2020 bis zur Woche 11.01. – 17.01.2021. Bitte ggf. vergrößern.

Noch geht das Impfen gegen Corona erfreulich gut voran, aber eine zeitweilige Verlangsamung zeichnet sich deutlich ab, seit der Ankündigung der Firma Pfizer vom 15.01. 2021, sie werde, wegen notwendiger Umstellungen in ihrem Werk im belgischen Puurs, bis Mitte Februar ihre Impfstofflieferungen in die EU-Länder um bis zu 40 Prozent drosseln.

In der Woche vom 17.01. bis 23.01.2021 wird Polen, anstatt der ursprünglich vereinbarten 360.000, nur 176.000 Dosen Pfizer-Impfstoff bekommen. Die meisten EU-Staaten, darunter Polen, beurteilen dieses plötzliche Manöver eines, so könnte man meinen, seriösen Weltkonzerns, sehr kritisch, so der Chef der Kanzlei des Ministerpräsidenten Michał Dworczyk vor den Medien.

Nichtsdestotrotz, wird jeder der bereits geimpft wurde, zeitgerecht die zweite Impfdosis bekommen. Entsprechende Impfstoffreserven stehen zur Verfügung.

Seit dem Beginn der Impfungen am 27.12.2020 sind bis zum Abend des 19.01.2021 knapp 500.000 Personen geimpft worden. Ausgeliefert wurden in demselben Zeitraum knapp 710.000 Dosen Impfstoff. Entsorgt wurden (vor allem wegen unsachgemäßer Handhabung) knapp 1.700 Dosen. Bei 164 Personen traten Nebenwirkungen auf, die jedoch in keinem der Fälle lebensgefährlich waren.

Geimpft werden weiterhin nur das medizinische Personal, das Hilfspersonal und Mitarbeiter der medizinischen Verwaltung. Am 19.01. haben Impfungen der ca. 70.000 Bewohner und Patienten von Alters- und Pflegeheimen begonnen. Sie sollen bis zum 22.01.2021 beendet sein.

Deutschland legt eine sonderbare Auslegung der europäischen Solidarität an den Tag“, so Michał Dworczyk, Chef der Kanzlei des Ministerpräsidenten vor den Medien.

„Eigentlich gilt weiterhin die Vereinbarung aller EU-Staaten über das gemeinsame Einkaufen und eine geordnete Verteilung von Corona-Impfstoffen innerhalb der EU. Jetzt erfahren wir, dass Deutschland im Sommer 2020 mit zwei deutschen Biotechnologie-Firmen, BioNTech und CureVac, hinter dem Rücken der EU, einen Vertrag über die Lieferung von 50 Millionen Dosen Corona-Impfstpff abgeschlossen hat.

Michał Dworczyk.

Wir sind davon ausgegangen, dass alle EU-Staaten, diese Vereinbarung, entsprechend ihrer Verpflichtung, solidarisch  umsetzen werden, um so ein Wettbewerbschaos zu vermeiden. Heute stellen wir fest, dass einer der Staaten, Deutschland, sich an die Vereinbarungen von vornherein nicht gehalten hat“, so Dworczyk.

Nach knapp zweieinhalb Monaten Corona-Unterbrechung gibt es seit dem 18.01. wieder normalen Unterricht für die Grundschulklassen 1 bis 3.

Es ist die einzige Lockerung der strengen Corona-Maßnahmen, die seit dem 04.11.2020 gelten. Voraussetzung war, dass sich die betroffenen Lehrer, das schulische Hilfspersonal und die Verwaltungsangestellten auf freiwilliger Basis auf Corona testen lassen. Endresultat: bei 2 Prozent von 134.000 Getesteten war das Ergebnis positiv.

Die Grundschulklassen 1 bis 3 mussten als letzte am 09.11.2020 den Unterricht ins Internet verlegen. Zwei Wochen früher, am 25.10.2020, traf dasselbe Schicksal die Klassen 4 bis 12. Die Hochschulen haben ihren Betrieb, der eigentlich am 01.10.2020 beginnen sollte, erst gar nicht wieder aufgenommen.

Die in den letzten Tagen vielbeschworene landesweite Rebellion der Betreiber von Gaststätten, Hotels und Freizeiteinrichtungen hält sich sehr in Grenzen. Der Unmut brach aus als die ursprünglich für den 17.01.2021 in Aussicht gestellten Lockerungen der Corona-Verbote bis zum 01.02.2021 verlängert wurden. Besonders brenzlich schien die Lage in der Hohen Tatra zu sein, wo die spontan ins Leben gerufene Protestbewegung „Goralen Veto“ damit drohte, in großem Stil Pensionen, Skilifte, Loipen, Restaurants, Andenkenläden, unter Bruch der Corona-Verbote, wieder zu öffnen.

Indes kam es nur vereinzelt zu solchen Handlungen in Zakopane, Lodz, Gdańsk u. e. m. Der Polizei und der staatlichen Gesundheitskontrolle (Sanepid) gelang es, ohne Zwischenfälle, die Schließung der Lokale durchzusetzen. Es wurden Strafgelder verhängt.

Offensichtlich ist die Taktik der Behörden aufgegangen. Sie stellten weitere Unterstützungsmaßnahmen in Aussicht, drohten jedoch zugleich, dass bei Verstößen und Zuwiderhandlungen betroffene Firmen aus den laufenden und künftigen staatlichen Hilfsprogrammen ausgeschlossen werden. Wie lange diese Taktik besänftigend wirkt, bleibt abzuwarten.

Etwa 200 polnische Ärzte und Sanitäter werden an diesem Wochenende (22.-24.01.2021) bei der Durchführung des landesweiten Corona-Screeningtests in der Slowakei helfen.

Die slowakische Regierung hat die allgemeine Ausgangssperre bis zum 07.02.2021 verlängert. Gleichzeitig soll vom 18.01. bis 27.01.2021 die gesamte Bevölkerung (5,5 Millionen Personen) auf Corona getestet werden. Wer sich dem Test nicht unterzieht, wird nicht arbeiten gehen und das Haus nur zu den notwendigsten Gängen (Lebensmitteleinkauf, Arzt, Apotheke, Hund ausführen) verlassen dürfen. Tanken, der Gang zur Post, Spaziergänge, Verreisen sind Test-Verweigerern nicht erlaubt.

Das slowakische Gesundheitswesen arbeitet inzwischen hart am Rand seiner Möglichkeiten. An Corona sind gut 250.000 Menschen (fast jeder zwanzigste Bürger des Landes) erkrankt. Knapp 4.000 sind gestorben.

Am prekärsten ist die Lage im Norden des Landes, entlang der 541 Kilometer langen slowakisch-polnischen Grenze. Dort sollen die polnischen Helfer zum Einsatz kommen.

Prominent und an Corona erkrankt.

Włodzimierz Czarzasty.

Włodzimierz Czarzasty (fonetisch Tschaschasty, 60 Jahre). Seit 2016 Vorsitzender der postkommunistischen Allianz der Demokratischen Linken (SLD). Seit 2019 Sejm-Abgeordneter der SLD (insgesamt 48 Abgeordnete) und einer von fünf stellv. Sejm-Präsidenten.

Der politische Werdegang Czarzastys bestand in seiner Jugend aus dem Erklimmen von Sprossen auf der Karriereleiter des kommunistischen Studentenverbandes und der kommunistischen Parteiorganisation an der Warschauer Universität. Nach dem Ende des Kommunismus 1989 verhalfen ihm postkommunistische Seilschaften zu Posten und Pöstchen, in den von ihnen beherrschten Verlagen und Medien-Unternehmen.

Vor vier Jahren schaffte Czarzasty den Sprung auf den Posten des Vorsitzenden der inzwischen von inneren Konflikten und politischem Bedeutungsverlust schwer angeschlagenen SLD. Einer postkommunistischen Partei, die mittlerweile alle Merkmale einer großstädtischen, abgehobenen Kaviar-Linken aufweist, die sich von den Problemen der sozial benachteiligten Niederungen der Gesellschaft abgewandt und sich ganz und gar dem Feminismus und dem LGBT-Milieu verschrieben hat.

Neben Czarzasty sind weitere drei postkommunistische Sejm-Abgeordnete an Corona erkrankt.

Mittwoch, 13.Januar bis Freitag, 15.Januar 2021 

Zahl der Neuinfizierten zwischen dem 13.12.2020 und dem 15.01.2021. Bitte ggf. vergrößern.

Gesamtzahlen per 15.01.2021 seit Beginn der Epidemie: Infizierte: 1.422.320      Gestorben: 32.844

Am Morgen des 15.01.2021 gab das Gesundheitsministerium bekannt: In Polen werden wegen des Verdachts auf Infektion mit dem Coronavirus 16.083 Personen in Krankenhäusern behandelt. 182.899 Personen befinden sich in häuslicher Quarantäne. Genesene: 1.164.650. Am Vortag durchgeführte Tests: ca. 73.100. Neuinfizierte: 7.795.

Seit dem 10.10.2020 gibt das Gesundheitsministerium im Zusammenhang mit der Epidemie nur noch die tägliche Zahl der Verstorbenen bekannt, unterteilt nach Personen, die an Corona, bzw. neben Corona an Vorerkrankungen litten. Nicht länger veröffentlicht werden die Angaben des Geschlechts, des Alters und des Sterbeortes.

Am Mittwoch, dem 13.01.2021 starben 481 Personen, davon 117 an Corona und 364 an Corona mit Vorerkrankungen. R.I.P.

Am Donnerstag, dem 14.01.2021 wurden 381 Corona-Tote gemeldet, davon 92 mit Corona und 289 mit Corona und Vorerkrankungen. R.I.P.

Am Freitag, dem 15.01.2021 starben 386 Personen, davon 88 an Corona und 298 an Corona mit Vorerkrankungen. R.I.P.

Aktuelle Lage: Hoffnungsschimmer am Horizont

Die siebente Woche in Folge bewegt sich die Zahl der Neuinfizierten im gleichmäßigen Wellengang von Sechs- bzw. Sieben-Tage-Intervallen zwischen etwas mehr als 13.000 und gut 3.000 Personen (siehe Grafik oben). Dass die Zahl der Neuansteckungen am 06.01.2021 zum ersten Mal seit dem 03.12.2020 geringfügig die 14.000er-Marke überschritt, blieb bisher ein einmaliger Ausreißer.

Auffällig ist, dass die letzte Welle auf dem Diagramm, die am 11.01. ihren Anfang nahm, etwas kleiner ist. Fachleute sprechen von einem „Hoffnungsschimmer am Horizont“.

Die zweite Epidemie-Welle hat sich also auf einem in diesen Zeiten verhältnismäßig niedrigen Niveau verstetigt, beginnt seit Neuestem sogar ein wenig abzuebben.

In dem in der heutigen „Corona-Chronik in Polen“ besprochenen Zeitraum betrugen die Neuansteckungen: am 13.01.2021 – 9.053 Fälle, am 14.01.2021 – 9.436 und am 15.01.2021 – 7.795 Fälle.

Die Zahl der in Krankenhäusern behandelten Corona-Patienten pendelt seit dem 23.12. um die 17.000, hat aber diese Marke seit dem 06.01.2021 nicht mehr überschritten. Am 13.01.2021 waren es 16.533 Fälle, am 14.01.2021 – 16.250 und am 15.01.2021 – 16.083 Fälle. Am 15.01.2021 gab es im ganzen Land 15.438 freie Corona-Krankenhausbetten.

Erfreulicherweise verringerte sich die Zahl der belegten Beatmungsgeräte seit dem Hoch vom 13.11. (2.149) langsam aber dauerhaft. Seit Mitte Dezember 2020 schwankt sie permanent um die 1.600. So war es auch in dem in der heutigen „Corona-Chronik in Polen“ besprochenen Zeitraum. Am 13.01.2021 – 1.606, am 14.01.2021 – 1.630 und am 15.01.2021 – 1.628. Am 15.01.2021 gab es im ganzen Land in Corona-Krankenhäusern 1.321 freie Beatmungsgeräte.

Die Zahl der freien Corona-Krankenhausbetten und Beatmungsgeräte übersteigt im Landesdurchschnitt den laufenden Bedarf konstant um etwa ein Drittel. Es treten inzwischen auch regional keine Engpässe mehr auf.

Weiterhin besorgniserregend bleibt die hohe Sterblichkeit. Der traurige Epidemie-Tagesrekord fiel am 25.11.2020 mit 674 Verstorbenen. Nur dreimal wurde seitdem die 600er-Marke überschritten: am 02.12. – 609, am 03.12. – 620, und am 16.12. – 605. Mittlerweile sind zwischen 300 und 500 Tote die Norm.

Die Ursache der hohen Sterblichkeit bleibt unverändert. Ein Teil der Erkrankten will sich nicht testen lassen, tut die ersten Symptome als Erkältung ab, versucht sich mit Hausmitteln zu kurieren. Erst wenn akute Corona-Symptome auftreten, wird der Notdienst gerufen. Für viele ist es dann schon zu spät.

Das Impfen gegen Corona geht erfreulich gut voran.

Seit dem Beginn der Impfungen am 27.12.2020 sind bis zum Abend des 15.01.2021 ca. 450.000 Personen geimpft worden. Die Ein-Prozent-Marke der Gesamtbevölkerung ist damit deutlich überschritten worden. Polen zählt 38.350.000 Einwohner Ausgeliefert wurden in demselben Zeitraum knapp 540.000 Dosen Impfstoff. Entsorgt wurden (vor allem wegen unsachgemäßer Handhabung) knapp 1.100 Dosen. Bei 98 Personen traten Nebenwirkungen auf, die jedoch in keinem der Fälle lebensgefährlich waren. Bis jetzt sind in Polen ca. 1.120.000 Dosen Impfstoff eingetroffen.

Geimpft werden weiterhin zuerst das medizinische Personal, das Hilfspersonal und Mitarbeiter der medizinischen Verwaltung.

Michał Dworczyk.

Die Ankündigung der Firma Pfizer, sie werde, wegen notwendiger Umstellungen in ihrem Werk im belgischen Puurs, zwischen dem 15.01. und dem 25.01.2021 ihre Impfstofflieferungen in die EU-Länder um bis zu 40 Prozent drosseln, kann zu einer zeitweiligen Verkleinerung der täglichen Corona-Impfzahlen in Polen führen, so der Chef der Kanzlei des Ministerpräsidenten Michał Dworczyk vor den Medien.

Nichtsdestotrotz wird jeder, der bereits geimpft wurde, zeitgerecht die zweite Impfdosis erhalten. Entsprechende Impfstoffreserven stehen zur Verfügung.

Seit Mitternacht vom 14.01. auf den 15.01. kann jeder, der 1941 und früher geboren wurde, sich selbst, oder mit Hilfe von Verwandten, einen Termin für die Corona-Impfung besorgen. Es reicht die Angabe der persönlichen Personenkennzahl (PESEL) und der Handy-Nummer. Es gibt drei Möglichkeiten:

1. Die landesweit geltende Telefonnummer 989, unter der man den Termin in der am nächsten gelegenen Impfstelle vereinbaren kann.

2. Online über das eigene Patienten-Internetkonto, das sich inzwischen, seit seiner Einrichtung im Jahr 2018, gut 3,5 Millionen Polen zugelegt haben.

3. Unmittelbar in der nächstgelegenen Impfstelle.

Gleichzeitig können sich seit dem 15.01. alle 18- bis 69-Jährigen für die Impfung anmelden. Dazu muss man lediglich ein einfaches Formular auf der staatlichen Internetseite www.gov.pl/szczepimysie (wir lassen uns impfen) ausfüllen. Sobald die entsprechende Altersgruppe an der Reihe ist, bekommt der Betroffene per E-Mail eine Überweisung, mit der er einen konkreten Impftermin ausmachen kann. Wer jünger ist als 60 Jahre, der wird sich wahrscheinlich bis Sommeranfang in Geduld üben müssen.

Wie lange wird das Impfen der Senioren dauern? In Polen leben 1,7 Millionen Menschen, die älter als 80 Jahre sind , rechnete einer der führenden polnischen Virologen, Prof. Andrzej Horban, den Medien vor. Bei den jetzigen Impfstofflieferungen, die ja auch noch für zwei Wochen erheblich gedrosselt werden sollen, wird das Impfen dieser Personengruppe maximal bis Mitte März dauern.

Andrzej Horban .

Die Gruppe derjenigen, die älter als 60 Jahre sind, beträgt etwa 10 Millionen. „Haben wir pro Monat, was im Augenblick nicht realistisch ist, eine Million Dosen Impfstoff zur Verfügung, dann dauert es zehn Monate. Bekommen wir zwei Millionen Dosen Impfstoff im Monat, dann sind wir mit dem Impfen der Senioren etwa bis Ende Juni durch“, so Horban.

Adam Niedzielski.

Ein Fonds für Geschädigte aufgrund von Nebenwirkungen des Corona-Impfstoffes wird eingerichtet, so Gesundheitsminister Adam Niedzielski vor den Medien.

Wer wegen der Impfung erkrankt und länger als 14 Tage im Krankenhaus behandelt werden muss, hat Anspruch auf eine Entschädigung zwischen 10.000 (gut 2.200 Euro) und 100.000 Zloty (ca. 22.000 Euro). Die genaue Summe soll nach einer detaillierten Tabelle festgelegt werden.

Die neueste Corona-Bilanz der polnischen Polizei stellte Inspektor Mariusz Ciarka, Sprecher des Hauptkommandanten der Polizei, vor.

Ciarkas Thesen:

Mariusz Ciarka.

Im Augenblick sind 603 Polizeibeamte an Corona erkrankt. Anfang Dezember 2020 waren es noch etwa 2.000. Etwa 700 Beamte befinden sich in Quarantäne. Anfang Dezember 2020 waren es 1.460.

Die hohen Dezemberzahlen sind eindeutig auf die Proteste gegen das Verfassungsgerichtsurteil vom 22.10.2020 zurückzuführen, das den Lebensschutz auf kranke ungeborene Kinder ausgeweitet hat, so Ciarka. Viele Demonstranten trugen keinen Mund-und Nasenschutz. Es gab leider viele unmittelbaren Kontakte mit Protestierenden bei der Auflösung von Straßenblockaden und deeren Versuche, Polizeiketten zu durchbrechen.

Seit Beginn der Epidemie sind 12 Beamte und 4 Zivilangestellte der Polizei an Corona gestorben. Etwa 27.000 Polizisten waren in Quarantäne, das ist ein Viertel aller Polizeibeamten in Polen.

Jeden Tag sind um die 20.000 Beamte mehr oder weniger mit der Corona-Epidemie und ihren Auswirkungen beschäftigt. Sie haben insgesamt 43 Millionen Personen auf die Einhaltung der häuslichen Quarantäneregeln überprüft. 384.000 Mal wurden öffentliche Verkehrsmittel kontrolliert, des Weiteren eine Million Geschãfte, 4.600 Diskotheken und andere Tanzveranstaltungen sowie 11.700 Hochzeitsfeiern.

Prominent und an Corona erkrankt.

Edward Dajczak.

Bischof Edward Dajczak (71 Jahre) steht seit 2007 der Diözese Koszalin-Kołobrzeg (Kösslin-Kolberg) mit 221 Pfarreien vor. Es handelt sich bereits um die zweite Corona-Erkrankung des Bischofs. Die erste war im Oktober 2020.

Diözese Koszalin-Kołobrzeg .

Tadeusz Ferenc (80 Jahre), Stadtpräsident/Oberbürgermeister von Rzeszów (200.000 Einwohner). Bekleidet das Amt seit 2002 und ist, gemeinsam mit dem Oberbürgermeister von Kraków, Jacek Majchrowski, das am längsten amtierende Stadtoberhaupt Polens.

Tadeusz Ferenc.

Ferenc ist auch der älteste Oberbürgermeister des Landes. Zwischen 1964 und 1990 Mitglied und kleiner Funktionär der kommunistischen Partei. Bis 2019 Mitglied der postkommunistischen Allianz der Demokratischen Linken, die er nach einem Zerwürfnis verlassen hat. Ferenc gilt als das Paradebeispiel eines gewieften, raubeinigen Kommunalpolitikers, der dank eines feingesponnenen Netzwerks von Abhängigkeiten, Einflussnahmen, Begünstigungen und Patronagen, das er aufgebaut hat, praktisch nicht mehr abwählbar ist.

Jacek Sasin.

Jacek Sasin (51 Jahre) ist stellv. Ministerpräsident, bekleidet zugleich seit November 2019 das Amt des Ministers für Staatliches Eigentum und gehört im Augenblick zu den gewichtigsten Politikern des Landes. Sasin unterstehen u.a. der gesamte staatliche Energiesektor (Bergwerke, Kraftwerke, Leitungsnetzte) und Staatsfirmen wie der Kraftstoffkonzern Orlen, der Kupfergigant KGHM, der Rüstungskonzern Polnische Rüstungsgruppe (PGZ) usw. Fleißig, umgänglich, stur, lern- und durchsetzungsfähig gehört er seit zwanzig Jahren zur engsten politischen Umgebung Jaroslaw Kaczyńskis.

Samstag, 9. Januar bis Dienstag, 12.Januar 2021

 

Zahl der Neuinfizierten zwischen dem 01.12.2020 und dem 12.01.2021 Bitte ggf. vergrößern.

Gesamtzahlen per 12.01.2021 seit Beginn der Epidemie: Infizierte: 1.395.799        Gestorben: 31.593

Am Morgen des 12.01.2021 gab das Gesundheitsministerium bekannt: In Polen werden wegen des Verdachts auf Infektion mit dem Coronavirus 16.859 Personen in Krankenhäusern behandelt. 169.588 Personen befinden sich in häuslicher Quarantäne. Genesene: 1.138.126. Am Vortag durchgeführte Tests: ca. 50.100. Neuinfizierte: 5.569.

Seit dem 10.10.2020 gibt das Gesundheitsministerium im Zusammenhang mit der Epidemie nur noch die tägliche Zahl der Verstorbenen bekannt, unterteilt nach Personen, die an Corona, bzw. neben Corona an Vorerkrankungen litten. Nicht länger veröffentlicht werden die Angaben des Geschlechts, des Alters und des Sterbeortes.

Am Samstag, dem 09.01.2021 starben 438 Personen, davon 100 an Corona und 338 an Corona mit Vorerkrankungen. R.I.P.

Am Sonntag, dem 10.01.2021 wurden 177 Corona-Tote gemeldet, davon 41 mit Corona und 136 mit Corona und Vorerkrankungen. R.I.P.

Am Montag, dem 11.01.2021 starben 75 Personen, davon 10 an Corona und 65 an Corona mit Vorerkrankungen. R.I.P.

Am Dienstag, dem 12.01.2021 sind 326 Menschen gestorben, davon 93 an Corona und 233 an Corona mit Vorerkrankungen. R.I.P.

Aktuelle Lage: unverändert stabil

Die sechste Woche in Folge bewegt sich die Zahl der Neuinfizierten im gleichmãßigen Wellengang von Sechs- bzw. Sieben-Tage-Intervallen zwischen etwas mehr als 13.000 und gut 3.000 Personen (siehe Grafik oben). Dabei hat die Zahl der Neuansteckungen am 06.01.2021 zum ersten Mal seit dem 03.12.2020 geringfügig die 14.000er-Marke überschritten, was jedoch an dem Gesamtbild nichts ändert.

Die zweite Epidemie-Welle hat sich also auf einem in diesen Zeiten verhältnismäßig niedrigen Niveau verstetigt, ebbt aber nicht mehr ab.

In dem in der heutigen „Corona-Chronik in Polen“ besprochenen Zeitraum betrugen die Neuansteckungen: am 09.01.2020 – 10.548 Fälle, am 10.01.2021 – 9.410, am 11.01.2021 – 9.410 und am 12.01.2021 – 5.569 Fälle.

Die Zahl der in Krankenhäusern behandelten Corona-Patienten pendelt seit dem 23.12. um die 17.000. Am 09.01.2021 waren es 16.543 Fälle, am 10.01.2021 – 16.364, am 11.01.2021 – 16.681 und am 12.01.2021 – 16.859 Fälle. Am 12.01.2021 gab es im ganzen Land 15.219 freie Corona-Krankenhausbetten.

Erfreulicherweise verringerte sich die Zahl der belegten Beatmungsgeräte seit dem Hoch vom 13.11. (2.149) langsam aber dauerhaft. Seit Mitte Dezember 2020 schwankt sie permanent um die 1.600. So war es auch in dem in der heutigen „Corona-Chronik in Polen“ besprochenen Zeitraum. Am 09.01.2021 – 1.569, am 10.01.2021 – 1.602, am 11.01.2021 – 1.605 und am 12.01.2021 – 1.637 Am 12.01.2021 gab es im ganzen Land in Corona-Krankenhäusern 1.311 freie Beatmungsgeräte.

Die Zahl der freien Corona-Krankenhausbetten und Beatmungsgeräte übersteigt im Landesdurchschnitt den laufenden Bedarf konstant um etwa ein Drittel. Es treten inzwischen auch regional keine Engpässe mehr auf.

Besorgniserregend bleibt die hohe Sterblichkeit. Der traurige Epidemie-Tagesrekord vom 25.11. mit 674 Verstorbenen wurde bis Mitte Dezember 2020 einige Male knapp unterboten: 02.12. – 609, 03.12. – 620, 16.12. – 605. Mittlerweile sind zwischen 300 und 500 Tote die Norm.

Die Ursache der hohen Sterblichkeit bleibt unverändert. Ein Teil der Erkrankten will sich nicht testen lassen, tut die ersten Symptome als Erkältung ab, versucht sich mit Hausmitteln zu kurieren. Erst wenn akute Corona-Symptome auftreten, wird der Notdienst gerufen. Für viele ist es dann schon zu spät.

Alle am 04.11.2020 verkündeten Corona-Einschränkungen, die schon einmal, am 29.11.2020 bis zum 17.01.2021 verlängert worden sind, bleiben nun bis zum 01.02.2021 in Kraft.

Schulwesen. Grundschulklassen 4 bis 8, sowie alle Mittel- und Hochschulen haben weiterhin nur E-Unterricht. Kindergärten und Kinderkrippen bleiben nach wie vor geöffnet.

Kultur. Theater, Kinos, Philharmonien, Museen, Kunstgalerien, Kulturhäuser bleiben geschlossen.

Sport und Fitness. Alle Sporteinrichtungen sind nur für Leistungssportler und organisierte Trainings von Amateure nzugänglich. Fitness-Center bleiben geschlossen.

Glaube. Bei Messen ist eine Person pro 15 Quadratmeter erlaubt.

Wirtschaft. In den Einkaufszentren und- passagen werden alle Geschäfte und Lokale mit Ausnahme von Lebensmittelläden, Apotheken, Drogerien und Zeitungskiosken geschlossen. Baumärkte bleiben geöffnet.

Tourismus. Hotels, Pensionen, Gästezimmer, Pisten und Loipen sind weiterhin geschlossen. Einzige Ausnahme sind Sammelunterkünfte für Betriebsangehörige und medizinisches Personal.

Das „Goralen-Veto“, eine Initiative der Tourismus-Betreiber in der Hohen Tatra, droht mit offener Rebellion.

Sie wollen nach dem 17.01., für den ursprünglich Lockerungen der Corona-Verbote in Aussicht gestellt wurden, ihre Pensionen, Skilifte, Loipen, Restaurants, Andenkenläden, unter Bruch der bis zum 01.02.2021 verlängerten Schließungen, wieder öffnen. Geschähe das nicht, drohe vielen kleinen und mittelständischen Fremdenverkehrs-Betrieben das Aus, so die Protestierenden.

Ob die eiligst verkündeten staatlichen Hilfsmaßnahmen für die Fremdenverkehrsbranche in der Hohen Tatra im Wert von 1 Milliarde Zloty (knapp 250 Millionen Euro) die aufgebrachte Stimmung dämpfen werden, bleibt abzuwarten.

Der normale Unterricht in den Grundschulklassen 1 bis 3 soll am 18.01. wieder aufgenommen werden.

Es ist die einzige Lockerung der strengen Corona-Maßnahmen, die seit dem 04.11.2020 gelten. Inzwischen werden betroffene Lehrer, das schulische Hilfspersonal und Verwaltungsangestellte an 930 Stellen im ganzen Land, auf freiwilliger Basis, auf Corona getestet. Angemeldet haben sich ca. 165.000 Personen.

Das Screening wird bis zum 15.01. dauern. Am 16. und 17.01. soll die endgültige Auswertung durch staatliche Schulämter vor Ort stattfinden. Bis jetzt, so heißt es, war nur bei 3,5 Prozent der Getesteten das Ergebnis positiv.

Das Impfen gegen Corona macht weiterhin gute Fortschritte.

Seit dem Beginn der Impfungen am 27.12.2020 sind bis zum Abend des 12.01.2021 ca. 301.000 Personen geimpft worden. Damit belegt Polen den vierten Platz unter den EU-Ländern Ausgeliefert wurden in demselben Zeitraum knapp 460.000 Dosen Impfstoff. Entsorgt wurden (vor allem wegen unsachgemäßer Handhabung) knapp 700 Dosen. Bei 40 Personen traten Nebenwirkungen auf, die jedoch in keinem der Fälle lebensgefährlich waren. Bis jetzt sind in Polen ca. 1.101.000 Dosen Impfstoff eingetroffen.

Die Regierung hat ihre Impfstrategie korrigiert. Bis zum 18.01. wird, wie geplant, ausschließlich das medizinische Personal geimpft. Ab dem 18.01. sollten alle über 60-Jährigen an die Reihe kommen. Diese Gruppe wird jetzt aufgeteilt.

18. bis 22.01. Impfung aller Alten- und Pflegeheimbewohner sowie von Personen, die älter als 80 Jahre sind.

Ab dem 22.01. können sich alle über 70-Jährigen anschließen.

Wann die 60 bis 69-Jährigen an der Reihe sein werden, wird bis Ende Januar bekanntgegeben.

Das Impfen alter Menschen mit Behinderungen ist geregelt. In mehreren Auftritten vor den Medien konkretisierte der Chef der Kanzlei des Ministerpräsidenten Michał Dworczyk in diesen Tagen die Verfahrensweise.

Michał Dworczyk.

Ältere Personen, die eine Impfstelle nicht selbständig oder mit Hilfe von Verwandten bzw. Pflegepersonal erreichen können, haben Anspruch auf Beförderung.

Den Zubringerdienst organisieren die Kommunen. Der Staat bezuschusst die Kosten zu 80 Prozent. Die vereinbarten Kostensätze pro Person betragen: 75 Zloty (knapp 17 Euro) in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern. In Stadt-Land-Gemeinden 65 Zloty (knapp 15 Euro). Auf dem Land 30 Zloty (knapp 7 Euro). Bettlägrige, genauso wie Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, werden von mobilen Impf-Teams versorgt.

Der handfeste Skandal um Promis, die sich im Stillen und außerhalb der festgelegten Reihenfolge bei der Corona-Impfung vordrängten, zieht weitere Kreise.

Leszek Miller

Der Skandal wurde publik, als der ehemalige postkommunistische Ministerpräsident (2001-2004) Leszek Miller am 31.12.2020 auf Twitter mit seiner Impfbescheinigung prahlte.

Die von Gesundheitsminister Adam Niedzielski eingesetzte Kontrolle stellte fest:

Adam Niedzielski.

Etwa 200 Prominente aus Politik, Wirtschaft und Kultur haben sich, teilweise mit ihren Familienangehörigen, in der Klinik der Medizinischen Universität Warschau (MUW) zwischen Weihnachten und Neujahr, bevorzugt gegen Corona impfen lassen. Mediziner, denen eigentlich diese Impfungen zustanden und die bei der Klinikleitung nachfragten, wurden auf später vertröstet.

Irena Eris und Henryk Orfinger.

Unter den Auserwählten waren außer Leszek Miller, das Kosmetik-Großunternehmerehepaar Irena Eris und Henryk Orfinger, der polnische Eiscreme-Potentat Zbigniew Grycan mit Ehefrau Elżbieta, die gesamte Chefetage des privaten Fernsehsenders TVN, namhafte Schauspieler, Komiker, Sänger, teilweise mit Familien.

Zbigniew und Elżbieta Grycan.

Die Behauptung des Rektors der MUW Prof. Zbigniew Gaciong, er habe von alldem nichts gewusst, erwies sich als eine Lüge, nachdem ein Foto auf Facebook aufgetaucht war, auf dem der Rektor im Klinikgebäude einen der Impfkandidaten, einen namhaften Schauspieler, in tiefer Verbeugung per Handschlag begrüßt.

Zbigniew Gaciong.

Als Lüge erwies sich auch, die von Rektor Gaciong nachgeschobene Schutzbehauptung, man wollte durch das Impfen von bekannten Persönlichkeiten, die eher impfskeptischen Polen umstimmen. Es wurden keinerlei Unterlagen (Korrespondenz, Verträge u. ä) gefunden, die diese Behauptung bestätigten. Die unrechtmäßige Impfaktion verlief zudem vertraulich, die Öffentlichkeit wurde darüber von den MUW-Behörden nicht informiert.

Als unwahr stellte sich ebenfalls die von der MUW verbreitete Aussage heraus, man habe von der staatlichen Agentur für Materialreserven (ARM), die den Impfstoff aufbewahrt und ausliefert, eine Sonderzuteilung für „namhafte Persönlichkeiten“ erhalten. Die ARM dementierte das umgehend.

Als irreführend erwies sich auch die Mitteilung der MUW, man wollte kurz vor Silvester die noch vorhandenen und bereits aufgetauten Impfdosen nicht verderben lassen. Die staatlichen Impfvorgaben sind hierzu klar: Sind in solchn einer Situation nicht genügend Medizinier verfügbar, werden Familienmitglieder des gerade geimpften medizinischen Personals umgehend hinzugebeten.

In Anbetracht dieser Tatsachen hat Gesundheitsminister Adam Niedzielski der MUW, wegen Verstoßes gegen die Corona-Impfregeln, ein Strafgeld von 350.000 Zloty (ca. 77.000 Euro) auferlegt.

Trotz aller Aufrufe, Prof. Gaciong solle sein Rektoren-Amt niederlegen, hat der Betroffene am 12.01. verkündet, er sehe keinen Grund dazu.

Sitz der Medizinischen Universität Warschau.

Die Affäre wurde zu einem brisanten Politikum, weil ausnahmslos alle Nutznießer der Impfungen seit 2015 im In- und Ausland an vorderster Front der Proteste gegen Polens nationalkonservative Regierung stehen. Der Fernsehsender TVN ist geradezu das Flaggschiff dieser Bewegung. Prof. Zbigniew Gaciong, der in einem der TVN-Gremien Mitglied ist, ist aufs Engste mit diesem Umfeld vernetzt.

Sie dreschen Phrasen über Demokratie, Moral, Anstand, Gerechtigkeit und Europa, und stoßen in ihrer unverschämten Gerissenheit all jene brutal zur Seite, für die sie nur Verachtung empfinden: schwer arbeitende Mediziner, die ihr Leben riskieren, alte und bedürftige Menschen“, so die beileibe nicht regierungsfreundliche Tageszeitung „Rzeczpospolita“ in einem Kommentar.