Tag für Tag. Corona-Epidemie in Polen. 26. bis 27.Mai 2020

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Auf vielseitig geäußerten Wunsch unserer Zuhörer und Leser, setzen wir die laufende Chronik des Corona-Geschehens in Polen fort. Wir wollen jeweils am Abend das Wichtigste vom Tage zusammenfassen und Ihnen so ein Bild der medizinischen, gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Lage im Land vermitteln, ohne dabei den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben. Ihr RdP.

Den ersten Teil der Corona-Chronik in Polen, vom 20. März bis 20. April 2020, finden Sie hier (bitte klicken)

In Anbetracht einer fortschreitenden Normalisierung der Lage wird die Corona-Chronik in Polen künftig,  beginnend mit dem 18. Mai, jeweils am Montag, Mittwoch und Freitag erscheinen.

Aus technischen Gründen werden wir die nächste Folge der Corona-Chronik in Polen am Montag, dem  01.06. veröffentlichen. Wir bitten um Verständnis.

Dienstag, 26. Mai bis Mittwoch, 27. Mai 2020

Infizierte: 22.437 Gestorben: 1.028

Am Morgen des 27.05. gab das Gesundheitsministerium bekannt: In Polen werden wegen des Verdachts auf Infektion mit dem Coronavirus 2.320 Personen in Krankenhäusern behandelt. 79.007 Personen befinden sich in häuslicher Quarantäne. Genesene: 10.330. Am Vortag durchgeführte Tests: ca. 23.000. Neuinfizierte: 399.

rot:  Corona-infizierte       blau: Verstorbene

Am Dienstag, dem 26.05. starben siebzehn Personen.

In Zgierz bei Łódź/Lodsch: zwei Frauen – 95, 72 Jahre und ein Mann – 72 Jahre. In Racibórz/Ratibor – Oberschlesien: eine Frau – 81 Jahre und ein Mann – 66 Jahre. In Gdańsk/Danzig: zwei Frauen – 95, 81 Jahre. In Srarachowice – Mittelpolen: ein Mann – 76 Jahre. In Nysa/Neisse – Niederschlesien: eine Frau – 94 Jahre. In Kędzierzyn-Koźle/Kandrzin-Cosel bei Opole/Oppeln: ein Mann – 73 Jahre. In Bolesławiec/Bunzlau – Niederschlesien: eine Frau – 88 Jahre. In Poznań: eine Frau – 88 Jahre. In Wałbrzych/Waldenburg – Niederschlesien: ein Mann – 88 Jahre. In Radom – Mittelpolen: eine Frau – 60 Jahre. In Wrocław/Breslau: eine Frau – 79 Jahre. In Kozienice – Mittelpolen: eine Frau – 92 Jahre. In Warschau: eine Frau – 83 Jahre. R.I.P.

Am Mittwoch, dem 27. Mai wurden vier Corona-Tote gemeldet.

In Zgierz bei Łodź/Lodsch: eine Frau – 77 Jahre und ein Mann – 80 Jahre. In Gdańsk/Danzig: ein Mann – 75 Jahre. In Racibórz/Ratibor – Oberschlesien: eine Frau – 75 Jahre. R.I.P.

Weitere Lockerungen der Epidemie-Verbote haben heute Mittag Ministerpräsident Mateusz Morawiecki und Gesundheitsminister Łukasz Szumowski verkündet. Ihre Einführung dürfte eine weitgehende Normalisierung des Alltagslebens nach sich ziehen.

Ab dem 30.05.

Gilt die Schutzmaskenpflicht nur noch in öffentlichen Innenräumen: Bussen, Straßenbahnen, Geschäften, Kinos, Theatern, Kirchen, Ămtern.

Die Zahl der Kunden, Besucher und Gläubigen in Geschäften, auf Märkten, in Restaurants und Kirchen ist nicht mehr begrenzt.

Hotelrestaurants- und Bars dürfen wieder öffnen und den Gästen Speisen und Getränke servieren.

Ab dem 06.06.

Sindi öffentliche Versammlungen bis zu 150 Personen erlaubt.

Geöffnet werden Kinos, Theater, Opern, Ballettbühnen, Philharmonien, Schwimmhallen, Fitness-Center, Saunen, Sonnen-, Massage- und Tätowierungsstudios, Unterhaltungseinrichtungen.

Die Epidemie-Lage schilderte während derselben Pressekonferenz Gesundheitsminister Łukasz Szumowski.

Łukasz Szumowski.

Szumowskis Thesen:

Die Corona-Herde im oberschlesischen Bergbau und in Kępno bei Poznań, wo in einer Möbelfabrik gut 200 Corona-Infizierte ausgemacht wurden, sind unter Kontrolle gebracht. Alle, die mit den dortigen Infizierten in Berührung gekommen sind, befanden oder befinden sich noch in Quarantäne und wurden dem Corona-Test unterzogen. Beide Herde sind eng eingegrenzt.

Die meisten Neuinfizierungen werden immer noch innerhalb dieser beiden Ausbruchsherde festgestellt. Außerhalb davon ist die Zahl der Neuangesteckten minimal. Das heißt auch, minimal ist die Zahl der unmittelbaren Ansteckungen von Mensch zu Mensch im normalen Alltag, die wir am meisten befürchten.

Etwa 80 Prozent der Betten in den Corona-Krankenhäusern und auf Corona-Stationen stehen leer, 90 Prozent der Beatmungsgeräte werden nicht benutzt. Deswegen werden wir ab dem 30.05. einem Großteil der Corona-Spitäler wieder ihre ursprüngliche Funktion zurückgeben.

Das Gesundheitsministerium hat die neuesten vergleichenden Angaben über die Corona-Sterblichkeit pro 1 Million Einwohner in Europa veröffentlicht.

Spanien – 574, Großbritannien – 544, Italien – 544, Frankreich – 436, Schweden – 399, Deutschland – 101, Österreich – 71, Rumänien – 63, Ungarn – 51, Tschechien – 30, POLEN – 27, Kroatien – 24, Litauen – 23, Griechenland – 16.

Die Polizei hat eine Fußwallfahrt aufgelöst. Es war ein in Polen seit dem Ende des Kommunismus nicht dagewesenes Ereignis.

Pfarrer Wiesław Frelek und die Polizei.

Zum 365. Mal sind in der Stadt Łowicz (90 Kilometer westlich von Warschau) Pilger zu der traditionellen Wallfahrt nach Częstochowa/Tschenstochau, zum Gnadenbild der Schwarzen Madonna, dem wichtigsten Heiligtum der polnischen Katholiken, aufgebrochen. Pilger legen die etwa 180 Kilometer lange Strecke regelmäßig seit dem Jahr 1656 zurück.

Nach etwa 30 Kilometern wurde die Wallfahrt, die ca. 150 Gläubige zählte, von der Polizei gestoppt, mit der Begründung, es sei eine illegale Versammlung. Die Anti-Corona-Vorschriften verbieten alle öffentlichen Zusammenkünfte. Etwa 70 Personen wurden belehrt, ihre Personalien wurden aufgenommen. Pfarrer Wiesław Frelek, der die Wallfahrt leitete, bekam ein Bußgeld von 500 Zloty (aktuell ca. 110 Euro), das er, wie es heißt, „akzeptiert habe“.

Aufgeschnappt im polnischen Internet.

„Der Vorteil von Homeoffice ist, dass man auf der Arbeit saufen kann.“

Samstag, 23. Mai bis Montag, 25. Mai 2020

Infizierte: 21.631 Gestorben: 1.007

Am Morgen des 25.05. gab das Gesundheitsministerium bekannt: In Polen werden wegen des Verdachts auf Infektion mit dem Coronavirus 2.268 Personen in Krankenhäusern behandelt. 78.259 Personen befinden sich in häuslicher Quarantäne. Genesene: 9.267. Am Vortag durchgeführte Tests: ca. 12.100. Neuinfizierte: 341.

Zahl der Neuinfizierten zwischen dem 01.04. und dem 25.05. Bitte ggf. vergrößern. 

Am Samstag, dem 23.05. starben elf Personen.

In Zgierz bei Łódź/Lodsch: zwei Frauen – 82, 78 Jahre und zwei Männer – 64, 63 Jahre. In Racibórz/Ratibor – Oberschlesien: eine Frau – 87 Jahre und ein Mann – 74 Jahre. In Bełchatów bei Łódź/Lodsch: eine Frau – 87 Jahre und ein Mann – 74 Jahre. In Łańcut – Südostpolen: ein Mann – 84 Jahre. In Gdańsk/Danzig: ein Mann – 78 Jahre. In Łódź/Lodsch: eine Frau – 87 Jahre. R.I.P.

Am Sonntag, dem 24. Mai wurden drei Corona-Tote gemeldet.

In Tychy/Tichau – Oberschlesien: ein Mann – 82 Jahre. In Cieszyn/Teschen Südpolen: eine Frau – 49 Jahre. In Kędzierzyn-Koźle/Kandrzin-Cosel bei Opole/Oppeln: ein Mann – 78 Jahre. R.I.P.

Am Montag, dem 25. Mai hat Corona elf Menschen das Leben genommen.

In Warschau: vier Frauen – 99, 91, 85, 81 Jahre und ein Mann – 61 Jahre. In Bolesławiec/Bunzlau – Niederschlesien: eine Frau – 92 Jahre und ein Mann – 85 Jahre. In Bydgoszcz/Bromberg: ein Mann – 66 Jahre. In Siedlce – Ostpolen: ein Mann – 87 Jahre. In Gliwice/Gleiwitz – Oberschlesien: ein Mann – 65 Jahre. In Poznań: eine Frau – 94 Jahre. R.I.P. 

Die Schutzmaskenpflicht wird bald entfallen, das hat Gesundheitsminister Łukasz Szumowski heute früh den Polen in Aussicht gestellt. Im Gespräch mit dem privaten Fernsehsender Polsat sagte Szumowski, es gäbe drei Woiwodschaften/Provinzen, in denen der Ansteckungskoeffizient bei 1 oder leicht darüber liege. Hier könnte man über eine Verlängerung der Maßnahme nachdenken.

Łukasz Szumowski.

Die Schutzmaskenpflicht gilt an allen öffentlichen Orten in Polen seit dem 16.04. Nase und Mund müssen mit einer Maske, einem Schal oder mit einem Tuch bedeckt sein.

Es hagelte am Wochenende Kritik für Ministerpräsident Mateusz Morawiecki, weil er sich an die Distanz-Vorschriften nicht gehalten habe.

Am Freitag, dem 22.05. hielt sich der Regierungschef in Oberschlesien auf, wo es im Steinkohlebergbau einen erheblichen Anstieg von Infizierten gibt. In Gliwice/Gleiwitz besuchte Morawiecki zusammen mit dem Woiwoden/Regierungspräsidenten von Oberschlesien Jarosław Wieczorek (rechts i. B.) das Restaurant „Wanilia“, wo sich die beiden an einen Tisch mit dem Inhaberehepaar setzten und gemeinsam zu Mittag aßen. Die Eigentümer waren in den Genuss staatlicher Unterstützung für Corona-geschädigte Unternehmen gekommen.

„Dank dem staatlichen Anti-Corona-Schutzschirm können wir heute hier sitzen und gelassen in die Zukunft schauen, das sagten mir die Inhaber. Die Gastronomie ist ein wichtiger Bestandteil der Wirtschaft und eine soziale Infrastruktur, die zwischenmenschliche Bande stärkt. Nutzt also Eure lokalen Lieblingsrestaurants“, schrieb der Ministerpräsident auf Twitter und fügte Bilder von dem Besuch bei.

Seitdem ab 18.05. Restaurants, Bars und Cafés wieder geöffnet haben, dürfen an einem Tisch nur Personen sitzen, die gemeinsam in einem Haushalt leben. Ansonsten müssen die Abstände an einem Tisch zwischen den Gästen 1,5 Meter betragen und sie dürfen sich nicht gegenüber sitzen, was der Regierungschef und seine Begleitung offensichtlich nicht befolgt haben.

Piotr Müller..

Heute früh sagte Regierungssprecher Piotr Müller dem privaten Fernsehsender TVN24, man habe den Regierungschef, der sich ansonsten streng an alle Corona-Vorschriften hält, falsch informiert, die o. e. Vorgaben seien nur eine Empfehlung, während sie in Wirklichkeit bindend seien. „Wir bedauern das außerordentlich“, so Müller.

Am Samstag, dem 22.05. kam es in Warschau zu Auseinandersetzungen zwischen Gegnern der Anti-Corona-Vorschriften und der Polizei.

Etwa 800 Menschen nahmen Teil an einer nicht genehmigten Demonstration, zu der Paweł Tanajno (im Bild i. d. Mitte) aufgerufen hatte, ein Krawall-Politiker, der für das Amt des Staatspräsidenten kandidiert. Die Unterstützung für ihn liegt, laut allen bisherigen Umfragen, deutlich unter 1 Prozent.

Es sollte ein „Unternehmer-Protest“ sein gegen Epidemie-Vorschriften, die „die Wirtschaft fesseln“, vor allem jedoch, so die einhellige Meinung der Beobachter, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf den Kandidaten lenken sollte. Der Protest, an dem viele stadtbekannte Rowdys teilnahmen, war nicht angemeldet und verstieß zudem gegen das Versammlungsverbot, das wegen Corona im Land herrscht. Die meisten Teilnehmer trugen keinen Mundschutz, wahrten nicht den vorgeschriebenen Abstand von 2 Metern.

Nachdem die Polizei die Demonstranten wiederholt vergebens zum Auseinandergehen aufgerufen hatte, wurden 7 Personen festgenommen, 7 weitere bekamen Geldstrafen, gegen 80 wurde Strafanzeige erstattet und gegen 180 ein Antrag an die Sanitätsinspektion gerichtet, Geldstrafen wegen Verstoßes gegen die Epidemie-Vorschriften zu verhängen. Es kam zu leichten Zusammenstößen und Rempeleien.

Tanajno selbst verbrachte als einziger die Nacht im Arrest. Die Beschwerde seines Anwaltes gegen die Festnahme hat ein Gericht noch am Abend verworfen. Die Festnahme sei legal, begründet und ordnungsgemäß gewesen, weil Tanajno Beamte tätlich angegriffen habe, was aus dem Filmmaterial der Polizei zweifelsfrei hervorgehe. Tanajno müsse der Polizei zur Verfügung stehen, damit sie ihn eingehend vernehmen kann, um anschließend Anzeige erstatten zu können, so das Gericht.

Das ist inzwischen geschehen. Tanajno befindet sich seit Sonntag, dem 24.05. nachmittags wieder auf freiem Fuß.

Die Staatsanwaltschaft Warschau hat ein Untersuchungsverfahren wegen nicht gebrauchsfähiger Schutzmasken aus China eingeleitet.

Anzeige erstattet hat das Gesundheitsministerium, das im April 120.000 Schutzmasken von einem Unternehmer aus Zakopane kaufte, der, bevor er sich beruflich veränderte, vor einigen Jahren dem heutigen Gesundheitsminister Łukasz Szumowski und seinem Bruder Skiunterricht erteilt hatte.

Der Unternehmer frischte den Kontakt zum Bruder des Ministers, einem Pharmaunternehmer, auf und bat um Vermittlung. Er habe 120.000 chinesische Schutzmasken zu verkaufen. Im Gesundheitsministerium jedoch wurde er auf den ordnungsgemäßen Weg der Angebots-Einreichung verwiesen. Ein Eingreifen des Ministers in das Geschäft konnte nicht nachgewiesen werden. Die Masken haben sich als nutzlos erwiesen, obwohl der Anbieter chinesische Zertifikate vorlegte. Der Kauf erfolgte in einer Zeit, in der Masken Mangelware waren und ein heftiger Kampf um jede auf dem Weltmarkt angebotene Partie tobte.

Das Ministerium forderte den Unternehmer auf, das Geld, etwa 5 Millionen Zloty (aktuell ca. 1,1 Millionen Euro), zurückzuzahlen. Als das nicht geschah, erstattete das Gesundheitsministerium Strafanzeige. Wir haben darüber ausführlich am 13.05. berichtet.

Anzeige erstattet haben auch eine Wohltätigkeits-Organisation und eine staatliche Großfirma, die beim Kauf von einigen Millionen Masken auf dieselbe Art betrogen wurden. Dieselben falschen Zertifikate sind, wie man heute weiß, auch in Spanien aufgetaucht. Als nicht gebrauchsfähig haben sich ebenfalls 1,5 Millionen chinesische Schutzmasken erwiesen, die die EU-Kommission gekauft hat. 615.000 von ihnen gingen nach Polen.

Es geht darum festzustellen, ob und inwieweit die polnischen Anbieter in den Schwindel mit den falschen Zertifikaten eingeweiht waren. Auf Anweisung der Staatsanwaltschaft hin, hat die Polizei inzwischen in Zakopane und an anderen Orten Firmensitze durchsucht und eine erhebliche Zahl an Unterlagen sichergestellt.

Aufgeschnappt im polnischen Internet.

Donnerstag, 21. Mai bis Freitag, 22. Mai 2020

Infizierte: 20.619 Gestorben: 982

Am Morgen des 22.05. gab das Gesundheitsministerium bekannt: In Polen werden wegen des Verdachts auf Infektion mit dem Coronavirus 2.261 Personen in Krankenhäusern behandelt. 77.768 Personen befinden sich in häuslicher Quarantäne. Genesene: 8.731. Am Vortag durchgeführte Tests: ca. 22.300. Neuinfizierte: 476.

rot: Erkrankte     blau: Verstorbene

Am Donnerstag, dem 21.05. starben zehn Personen.

In Tychy/Tichau – Oberschlesien: eine Frau – 85 Jahre und ein Mann – 63 Jahre. In Radom – Mittelpolen: zwei Männer – 76, 70 Jahre. In Cieszyn/Teschen – Südpolen: zwei Männer – 78, 63 Jahre. In Puławy bei Warschau: eine Frau – 60 Jahre. In Wrocław/Breslau: eine Frau – 51 Jahre. In Warschau: eine Frau – 71 Jahre. In Ostrów Wielkopolski – Westpolen: ein Mann – 59 Jahre. R.I.P.

Am Freitag, dem 22. Mai wurden zehn Corona-Tote gemeldet.

In Warschau: zwei Männer – 81, 57 Jahre. In Wolica bei Kalisz – Mittelpolen: zwei Frauen – 92, 89 Jahre. In Tychy/Tichau – Oberschlesien: ein Mann – 85 Jahre. In Głuchołazy/Ziegenhals bei Opole/Oppeln: eine Frau – 83 Jahre. In Bolesławiec/Bunzlau – Niederschlesien: ein Mann – 78 Jahre. In Bydgoszcz/Bromberg: eine Frau – 50 Jahre. In Wrocław/Breslau: eine Frau – 92 Jahre. In Koszalin/Köslin: ein Mann – 71 Jahre. R.I.P. 

Die Situation im oberschlesischen Steinkohlebergbau hat sich stabilisiert, „auf einem hohen Niveau“ der Ansteckungen, so die Aussagen und Verlautbarungen von offizieller Seite.

Heute trat Artur Dyczko, stellv. Direktor und Chef des Krisenstabes in der Jastrzębie/Jastrzemb Kohlegesellschaft (JSW), vor die Medien. Die JSW ist die zweitgrößte von den 6 Staats-Holdings, in denen die 28 polnischen Steinkohlegruben zusammengefasst sind. Sie betreibt 7 Bergwerke mit knapp 29.000 Bergleuten und Angestellten. Die JSW ist im südlichsten Teil Oberschlesiens, direkt an der tschechischen Grenze, tätig und fördert hochwertige Kokskohle.

Dyczkos Thesen:

Zwischen dem 01.05. und heute früh wurden in der gesamten Belegschaft 1.296 Corona-Fälle festgestellt. Infiziert waren oder sind noch 1.171 Kumpel der Zeche „Pniówek“ in Pawłowice unweit von Jastrzębie. Heute sind knapp 1.500 Bergleute dort in die Grube eingefahren. Bei allen sind zweifache Tests negativ ausgefallen. Die Grube, in der 7.000 Leute arbeiten, hat ihren Betrieb nicht eingestellt.

In Betrieb ist auch die Grube „Zofiówka“ in Jastrzębie, wo es 114 Infizierte gab.

Mittlerweile haben sich alle knapp 29.000 JSW-Mitarbeiter dem Corona-Test unterzogen. Zuerst wurden sie auf Corona-Antikörper untersucht. Fiel dieser Test positiv aus, wurde das Ergebnis durch einen Gen-Test überprüft. Heute früh wartete man noch auf ca. 2.000 Endergebnisse.

Die JSW baut Kokskohle von 28 Flözen ab. Im ersten Quartal 2020 hat sie insgesamt 4,1 Millionen Tonnen Kokskohle gefördert (um 4,4 Prozent mehr als im letzten Quartal 2019) und 800.000 Tonnen Koks hergestellt (21 Prozent mehr als im letzten Quartal 2019). Der Preis pro Tonne Kokskohle war Anfang 2020 um 3,5 Prozent niedriger als im ersten Quartal 2019, der Koks-Preis fiel um 11 Prozent. Der Verlust der JSW im ersten Quartal 2020 belief sich auf 209 Millionen Zloty (aktuell ca. 46 Millionen Euro).

Das zweite Quartal 2020, so Dyczko, dürfte wegen der Corona-Epidemie und der, vor allem im April, zeitweilig zurückgegangenen Nachfrage um einiges schlechter ausfallen.

Seit Mitte März gelten im gesamten polnischen Steinkohlebergbau besondere Schutzmaßnahmen. An den Toren wird bei allen Ankommenden die Körpertemperatur gemessen. Die Arbeitszeiten wurden verkürzt, damit sich die Schichten nicht begegnen. Die Zahl der ein- und ausfahrenden Kumpel pro Förderkorb wurde stark eingeschränkt. Schutzmasken und Brillen sind über und unter Tage Pflicht. Alle Gemeinschaftsräume (Kaue, Lampenstuben, Waschräume, Hängebänke) werden nach jeder Schicht desinfiziert. Unter Tage sind es die Schienenzüge, mit denen die Kumpel zu den Abbaustellen gefahren werden.

Im April 2020, auf ihrem Höhepunkt, hat die Corona-Epidemie der Wirtschaft Polens schwer zugesetzt, so das Fazit der heutigen Verlautbarung des Statistischen Hauptamtes (GUS).

Die Industrieproduktion ist im Vergleich zum April 2019 um 24,6 Prozent zurückgegangen.

Die Zahl der fertiggestellten Wohnungen hat sich im Vergleich zum April 2019 um 22 Prozent verringert.

● Im Vergleich zum April 2019 stieg die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen um 55.400 auf eine Gesamtzahl von knapp 965.000. Entlassen wurden allerdings 163.500 Menschen (davon gut 40.000 Ausländer, zumeist Ukrainer), die von ihren Arbeitgebern im April 2020 bei der Sozialversicherungsanstalt als Beitragszahler abgemeldet wurden. Die meisten von ihnen werden sich wahrscheinlich erst im Mai und Juni arbeitslos melden. Bis zum Jahresende dürfte die Zahl der Arbeitslosen auf bis zu 1,4 Millionen ansteigen. Das entspräche einer Arbeitslosenquote von ca. 10,5 Prozent.

Um knapp 23 Prozent ist im April 2020, im Vergleich zum April 2019, die Binnennachfrage zurückgegangen. Es wurden 54 Prozent weniger Neuwagen verkauft, 33 Prozent weniger Treibstoffe, 15 Prozent weniger Lebensmittel, Getränke und Tabakwaren, 64 Prozent weniger Schuhe und Bekleidung, 17 Prozent weniger Möbel, Haushalts- sowie Rundfunk- und Fernsehgeräte, 23 Prozent weniger Bücher und Presseerzeugnisse.

Alle Beobachter, auch die EU-Kommission in ihrer Frühjahrsprognose, gehen davon aus, dass sich Polens Wirtschaft schnell erholen wird. Als sehr hilfreich wird dabei die Abwertung des Zloty um bis zu 7 Prozent seit Anfang März 2020 angesehen, die den Export beflügeln dürfte.

Aufgeschnappt im polnischen Internet.

„Maske von Mama. Maske von Papa. Maske von Opa.“

Dienstag, 19. Mai bis Mittwoch, 20. Mai 2020

Infizierte: 19.739  Gestorben: 962

Am Morgen gab das Gesundheitsministerium bekannt: In Polen werden wegen des Verdachts auf Infektion mit dem Coronavirus 2.414 Personen in Krankenhäusern behandelt. 76.957 Personen befinden sich in häuslicher Quarantäne. Genesene: 8.182. Am Vortag durchgeführte Tests: ca. 21.600. Neuinfizierte: 471.

rot: Erkrankte     blau: Verstorbene

Am Dienstag, dem 19.05. starben zwölf Personen.

In Warschau: eine Frau – 83 Jahre und ein Mann – 83 Jahre. In Bolesławiec/Bunzlau – Niederschlesien: eine Frau – 83 Jahre und ein Mann – 71 Jahre. In Zgierz bei Łódź/Lodsch: ein Mann – 68 Jahre. In Ozimek/Malapane bei Opole/Oppeln: eine Frau – 90 Jahre. In Starachowice – Mittelpolen: eine Frau – 87 Jahre. In Tychy/Tichau – Oberschlesien: ein Mann – 86 Jahre. In Kobiernice/Kobiernitz – Oberschlesien: eine Frau – 58 Jahre. In Gdańsk/Danzig: eine Frau – 82 Jahre. In Kędzierzyn-Koźle/Kandrzin-Cosel bei Opole/Oppeln: ein Mann – 68 Jahre. In Siedlce – Ostpolen: eine Frau – 59 Jahre. R.I.P.

Am Mittwoch, dem 20. Mai wurden vierzehn Corona-Tote gemeldet.

In Warschau: eine Frau – 90 Jahre und drei Männer – 87, 75, 72 Jahre. In Zgierz bei Łódź/Lodsch: eine Frau – 89 Jahre und ein Mann – 88 Jahre. In Kędzierzyn-Koźle/Kandrzin-Cosel bei Opole/Oppeln: eine Frau – 91 Jahre und ein Mann – 75 Jahre. In Racibórz/Ratibor – Oberschlesien: eine Frau – 86 Jahre. In Poznań: eine Frau – 77 Jahre. In Chorzów/Königshütte – Oberschlesien: ein Mann – 91 Jahre. In Radom – Mittelpolen: ein Mann – 80 Jahre. In Wrocław/Breslau: ein Mann – 69 Jahre. In Starachowice – Mittelpolen: ein Mann – 80 Jahre. R.I.P.

Polens Corona-Mediziner bekommen jetzt einen Ausgleich dafür, dass sie zur Krisenbewältigung ihre Zweit- und Drittstellen aufgegeben haben, so die Verlautbarung des Nationalen Gesundheitsfonds (NFZ). Der NFZ verwaltet alle Einnahmen (Gesundheitsbeiträge der Bevölkerung, staatliche Zuschüsse) und Ausgaben des polnischen staatlichen Gesundheitswesens.

Den Ausgleich erhalten sollen, 4.135 Ärzte, 9.334 Krankenschwestern, 424 Rettungssanitäter und 1.618 weitere Mitarbeiter, die an 94 Corona-Seuchenkrankenhäusern oder Stationen arbeiten. Sie alle sind vor der Krise, in verschiedenem Umfang, zusätzlichen Tätigkeiten im staatlichen oder privaten Gesundheitswesen nachgegangen, um ihre Einkommen aufzubessern. Mit Ausbruch der Corona-Epidemie wurden sie verpflichtet, sich ausschließlich auf ihre Corona-Arbeitsplätze zu beschränken, um die Patienten an den Orten ihrer zusätzlichen Tätigkeit keiner Ansteckungsgefahr auszusetzen. Dafür wurde ihnen ein Ausgleich versprochen.

Nach den gerade bekannt gewordenen Richtlinien, sollen die im März entgangenen Einnahmen zu 80 Prozent ausgeglichen werden, allerdings beschränkt auf einen Maximalbetrag von 10.000 Zloty (aktuell ca. 2.200 Euro).

Die Corona-Krankenhäuser und -Stationen erhalten eine Sonderfinanzierung. Ein solches Krankenhaus mit etwa 400 Betten bekommt für die Bereitstellung zusätzlich 1,5 Millionen Zloty (aktuell ca. 330.000 Euro) im Monat sowie 450 Zloty (aktuell ca. 100 Euro) pro Tag für jeden Corona-Patienten. Das sind bei Vollauslastung weitere 5,5 Millionen Zloty im Monat, vor allem für die Aufstockung der Gehälter. Das gesamte Personal dieser Krankenhäuser wurde zusätzlich unfallversichert.

Im Durchschnitt bekommen die Corona-Mediziner einen Aufschlag von etwa 30 Prozent auf ihre regulären Gehälter.

Die Zahl von reinen Corona-Krankenhäusern soll kleiner werden, so Gesundheitsminister Łukasz Szumowski heute vor den Medien. Zuerst werden die Häuser mit der geringsten Belegung wieder in normale Krankenhäuser umgewandelt, in denen Corona-Stationen eingerichtet werden sollen.

Łukasz Szumowski.

In den heute tätigen 21 Corona-Krankenhäusern sind 1.155 Betten und 72 Vollbeatamungsgeräte belegt. Die höchste Belegung gab es am 19.05. in Oberschlesien: 239 Kranke auf 592 verfügbare Betten. In der Woiwodschaft Leubus mit Zielona Góra/Grünberg dagegen waren lediglich 2 Betten von 200 belegt. In Ermland-Masuren: 17 Kranke auf 170 Betten. In der Woiwodschaft Białystok: 17 belegte Betten von 540.

„Wir wissen inzwischen, wie man ein Netzwerk von Seuchen-Krankenhäusern während einer Epidemie schafft. Sollte es notwendig sein, dieses Netzwerk zu reaktivieren, dann können wir das in kurzer Zeit tun“, so Szumowski.

Die polnische staatliche Fluggesellschaft LOT will am 01.06. den Inlandsverkehr wieder aufnehmen. Zuerst die Verbindungen von Warschau nach Gdańsk, Kraków, Rzeszów, Szczecin, Wrocław und Zielona Góra, sowie (einmal täglich) zwischen Kraków und Gdańsk.

Mitnehmen darf man vorerst nur ein Stück Handgepäck bis 10 Kilogramm. Die Maschinen sind mit HEPA (High Efficiency Particulate-Air)-Filtern ausgestattet, die 99,9 Prozent aller Bakterien und Viren, die sich in der Luft befinden, beseitigen. Für Passagiere gilt die Mundschutzpflicht. Das Bordpersonal trägt Schutzkleidung. Snacks und Getränke werden in geschlossenen Behältern serviert.

Allen Passagieren wird vor dem Betreten des Flughafens die Temperatur gemessen. Es gibt nur einen automatischen Check-in. Alle Geschäfte, Restaurants und Cafés in den Terminals bleiben geschlossen.

„So trostlos kann Fliegen sein“, lautete die Überschrift zu dieser Meldung auf mehreren Internetportalen.

Aufgeschnappt im polnischen Internet. Überall schlecht, aber zu Hause ist es am schlechtesten.“

Samstag, 16. Mai bis Montag, 18. Mai 2020

Infizierte: 18.885 Gestorben: 936

Am Morgen gab das Gesundheitsministerium bekannt: In Polen werden wegen des Verdachts auf Infektion mit dem Coronavirus 2.544 Personen in Krankenhäusern behandelt. 80.947 Personen befinden sich in häuslicher Quarantäne. Genesene: 7.628. Am Vortag durchgeführte Tests: ca. 15.700.

Am Sonnabend, dem 16.05. starben acht Personen.

In Kraków: zwei Männer – 68, 67 Jahre. In Wolica bei Kalisz – Mittelpolen: zwei Frauen – 85, 79 Jahre. In Zgierz bei Łódź/Lodsch: ein Mann – 92 Jahre. In Tychy/Tichau – Oberschlesien: ein Mann – 71 Jahre. In Kędzierzyn-Koźle/Kandrzin-Cosel bei Opole/Oppeln: ein Mann – 81 Jahre. In Warschau: ein Mann – 69 Jahre. R.I.P.

Am Sonntag, dem 17.05. hat Corona zehn Menschenleben ausgelöscht.

In Kraków: eine Frau – 90 Jahre und ein Mann – 66 Jahre. In Racibórz/Ratibor – Oberschlesien: zwei Männer – 80, 68 Jahre. In Poznań: eine Frau – 85 Jahre. In Zgierz bei Łódź/Lodsch: ein Mann – 78 Jahre. In Tychy/Tichau – Oberschlesien: ein Mann – 70 Jahre. In Piaseczno bei Warschau: ein Mann – 79 Jahre. In Łomża – Nordostpolen: ein Mann – 91 Jahre. In Grudziądz/Graudenz: eine Frau 87 Jahre. R.I.P.

Am Montag, dem 18. Mai wurden elf Corona-Tote gemeldet.

In Łańcut – Südostpolen: eine Frau – 91 Jahre und ein Mann – 88 Jahre. In Wrocław/Breslau: zwei Männer – 94, 86 Jahre. Starachowice – Mittelpolen: eine Frau – 53 Jahre. In Tychy/Tichau – Oberschlesien: eine Frau – 69 Jahre. In Grudziądz/Graudenz: ein Mann – 70 Jahre. In Wolica bei Kalisz – Mittelpolen: eine Frau – 94 Jahre. In Siedlce – Ostpolen: ein Mann – 69 Jahre. In Kozienice – Mittelpolen: eine Frau – 68 Jahre. R.I.P.

Teresa Wójcik.

Und sie hat Corona überlebt. Die 103-jährige Teresa Wójcik wurde heute als geheilt aus dem Krankenhaus in Kędzierzyn-Koźle/Kandrzin-Cosel bei Opole/Oppeln entlassen. Die Rentnerin hat 4 Enkel und 9 Urenkel, aber ihre beiden Söhne sind bereits gestorben. Sie war ihr ganzes Leben lang Hausfrau in Wędrynia/Wendrin, einem Dorf im Landkreis Kluczbork/Kreuzburg unweit von Opole. Seit 2019 lebt sie in einem Altersheim.

Das Anti-Epidemie-Vorgehen der Regierung beurteilen 44 Prozent der Polen mit „eindeutig“- oder „eher positiv“ (vor 2 Wochen waren es 45 Prozent). „Eindeutig“- oder „eher negativ“ sehen es 42 Prozent (unverändert). 13 Prozent haben keine Meinung.

Die Beurteilungen sind, wie immer, sehr stark parteipolitisch gefärbt. Von denjenigen, die sich als Wähler von Recht und Gerechtigkeit ausgeben, beurteilen 78 Prozent die Epidemie-Maßnahmen der Regierung als positiv, 22 Prozent als negativ (vor 2 Wochen waren es 86 und 14 Prozent). Unter den Wählern der oppositionellen Bürgerplattform betragen die „Negativ“-Urteile 82 Prozent, „Positiv“-Urteile machen 18 Prozent aus (vor zwei Wochen waren es 74 und 26 Prozent). Repräsentativ ausgewählt und befragt wurden für die Untersuchung zwischen dem 12. und dem 14. Mai 1.070 Personen.

Ein historischer Tag: Die Friseure haben wieder aufgemacht, nach gut 6 Wochen Corona-Pause. Ministerpräsident Mateusz Morawiecki ließ es sich nicht nehmen, die erste sich bietende Gelegenheit zum Haareschneiden zu ergreifen. Einen Kurzfilm, der dieses epochale Ereignis auf Facebook veranschaulicht, versah der Regierungschef mit folgendem Kommentar:

„Viele von uns haben auf diesen Tag sehnsüchtig gewartet. Das Klappern der Schere, das Summen des Haartrimmers sind freudige Klänge, die die Rückkehr zur (neuen) Normalität symbolisieren. Noch nie hat der Friseur-Besuch so viel Freude bereitet. Haben Sie den Unterschied bemerkt?“, schloss Morawiecki seine Notiz mit dem Hinweis auf sein Aussehen und versah sie mit einem Nachsatz: „Bitte, lasst uns daran denken, lokale Kleinunternehmen zu unterstützen.“

5,9 Millionen Quarantänekontrollen hat die Polizei seit dem Beginn der Epidemie am 13.03. durchgeführt, dies teilte die Hauptkommandantur der Polizei heute mit. Allein gestern gab es gut 82.000 Kontrollen, bei denen 360 Verstöße festgestellt wurden.

Zur Hälfte erfolgen diese Kontrollen inzwischen mittels einer Handy-App, die den Beamten auf der Wache veranschaulicht, ob der Betroffene zu Hause ist. Ansonsten sind Streifen unterwegs, die über die Gegensprechanlagen an der Haustür oder per Handy die Betroffenen auffordern, sich im Fenster zu zeigen. Um die Aufgabe zu bewältigen, werden Polizisten von Beamten der kommunalen Ordnungsdienste, Feldgendarmen und Soldaten der Territorialverteidigung unterstützt.

Die häusliche Quarantäne dauert 14 Tage. Ihr unterliegen in Polen Personen, die mit Corona-Infizierten in Berührung gekommen sind und auf den Corona-Test warten, der erst am 12. Tag nach Beginn der Quarantäne durchgeführt werden kann.

Das Landesweite Corona-Patienten-Register soll um einige  Angaben erweitert werden: Das Datum des Auftretens der ersten Symptome Der Zustand des Patienten bei der Aufnahme im Krankenhaus Seine Telefonnummer, um nach der Entlassung den Gesundheitszustand weiterhin zu überprüfen und eventuelle Spätfolgen zu untersuchen.

Das Register ist am 08.04. durch eine Verfügung des Gesundheitsministers für 12 Monate entstanden. Es enthielt bisher den Vornamen, Namen, das Geburtsdatum, die Staatsangehörigkeit und die Anschrift des Patienten sowie 20 weitere Angaben zum Verlauf der Erkrankung und den angewandten Therapien, die täglich ergänzt werden mussten. Das Register führt und verwaltet das Nationale Institut für Herzerkrankungen in Warschau, da es über das modernste Computer- und Rechenzentrum im polnischen Gesundheitswesen verfügt.

Die Oberste Ärztekammer, die Spitzenorganisation der ärztlichen Selbstverwaltung in Polen (entspricht der deutschen Bundesärztekammer), hatte bereits vor einem Monat das Gesundheitsministerium darauf hingewiesen, dass das tägliche Ergänzen des Registers die ohnehin überlasteten Ärzte überfordern werde. „Ohne den Sinn der Schaffung von solchen Registern in Frage zu stellen, weist die Oberste Ärztekammer darauf hin, dass die Ärzte schon jetzt über das Maß des Erträglichen mit bürokratischen Pflichten belastet sind und immer weniger Zeit für die Patienten haben.“

Aufgeschnappt im polnischen Internet.

„Homeoffice bedeutet soweit nüchtern zu bleiben, dass man in der Lage ist, eine E-Mail zu beantworten.“

Freitag, 15. Mai 2020

Infizierte: 18.016 Gestorben: 907

Am Morgen gab das Gesundheitsministerium bekannt: In Polen werden wegen des Verdachts auf Infektion mit dem Coronavirus 2.579 Personen in Krankenhäusern behandelt. 95.068 Personen befinden sich in häuslicher Quarantäne. Genesene: 6.918. Am Vortag durchgeführte Tests: ca. 21.900.

Vierundzwanzig Menschen hat Corona heute das Leben genommen.

In Tychy/Tichau – Oberschlesien: eine Frau – 74 Jahre und drei Männer – 82, 74, 67 Jahre. In Legnica/Liegnitz – Niederschlesien: zwei Frauen – 88, 80 Jahre und zwei Männer – 88, 60 Jahre. In Strarachowice – Mittelpolen: eine Frau – 69 Jahre und ein Mann – 69 Jahre. In Bolesławiec/Bunzlau – Niederschlesien: eine Frau – 73 Jahre und ein Mann – 87 Jahre. In Zawiercie – Oberschlesien: eine Frau – 67 Jahre. In Cieszyn/Teschen – Südpolen: eine Frau – 70 Jahre. In Grudziądz/Graudenz: eine Frau – 73 Jahre. In Łańcut – Südostpolen: eine Frau – 80 Jahre. In Zgierz bei Łódź/Lodsch: eine Frau – 88 Jahre. In Mikołów/Nikolai – Oberschlesien: ein Mann – 63 Jahre. In Koszalin/Köslin: ein Mann – 74 Jahre. In Bydgoszcz/Bromberg: eine Frau – 90 Jahre. In Kędzierzyn-Koźle/Kandrzin-Cosel bei Opole/Oppeln: eine Frau – 71 Jahre. In Wolica bei Kalisz – Mittelpolen: eine Frau – 94 Jahre. In Wrocław/Breslau: eine Frau – 48 Jahre. In Lublin: ein Mann – 57 Jahre. R.I.P.

Die Situation in Oberschlesien ist weiterhin besorgniserregend, aber wenigstens unter Kontrolle, so das Fazit offizieller Verlautbarungen sowie von Medienberichten bis heute Abend. Anhand von ihnen lässt sich ein folgendes Bild der Lage rekonstruieren:

Von den 29 polnischen Steinkohlegruben sind 28 staatlich und in 6 Holdings zusammengefasst.

Die grõßte von ihnen ist die Polska Grupa Górnicza (PGG – Polnische Bergbaugruppe). Sie vereinigt 16 Bergwerke, beschäftigt gut 41.000 Bergleute und Angestellte.

Mittlerweile ist die Zahl der Infizierten in den Belegschaften der PPG auf knapp 1.200 angestiegen. Fast alle befinden sich in Quarantäne. In Quarantäne sind zudem weitere etwa 1.000 Mitarbeiter (teilweise noch) ohne positiven Befund, die mit den Angesteckten in Berührung gekommen sind. 

In 3 PPG-Bergwerken ruht deswegen vorläufig die Arbeit: „Jankowce“ in Rybnik (574 Infizierte), „Murcki-Staszic“ in Katowice/Kattowitz (205 Infizierte) und „Sośnica“ in Gliwice/Gleiwitz (351 Infizierte).

Dennoch fahren jeden Tag bis zu einhundert Kumpel pro Schicht in jede der drei Gruben ein. Die Förderung muss auf einem Minimalniveau aufrechterhalten werden. Sonst erhitzt und entzündet sich die Kohle im Flöz, es kommt zu Methanexplosionen und der Vernichtung der Streben mit allen sich dort befindenden Maschinen.

Bei der gesamten Belegschaft der drei erwähnten Zechen (knapp 7.500 Kumpel und Angestellte)  sind mittlerweile Corona-Tests durchgeführt worden. Zu diesen Bergwerken hat man, beginnend  am 05.05., sogenannte Abstrich-Busse geschickt, um bei allen Mitarbeitern und den im Haushalt lebenden Familienangehörigen Corona-Tests vorzunehmen. Die Auswertung erfolgte und erfolgt teilweise noch in den Corona-Testlabors der Region sowie in den benachbarten Woiwodschaften.

Als eine vorrangige Aufgabe gilt weiterhin die Einrichtung von Isolierhäusern, damit Corona-Infizierte, die nicht ins Krankenhaus müssen, während der Quarantäne dort, und nicht zu Hause, untergebracht sein können.

In 5 weiteren Bergwerken und 2 Betrieben der PPG wurden vereinzelt Infizierte festgestellt.

Probleme mit Corona hat ebenfalls die zweitgrößte Holding, die Jastrzębie/Jastrzemb Kohlegesellschaft (JSW), die 7 Bergwerke betreibt, mit knapp 29.000 Bergleuten und Angestellten. Sie ist im südlichsten Teil Oberschlesiens, direkt an der tschechischen Grenze tätig, und fördert hochwertige Kokskohle.

Mittlerweile sind knapp 385 Kumpel der Zeche „Pniówek“ in Pawłowice unweit von Jastrzębie durch Corona infiziert. Gut 200 Bergleute befinden sich in Quarantäne. Die Grube, in der 7.000 Leute arbeiten, hat ihren Betrieb nicht eingestellt.

Weitere 14 Infizierte hat man in zwei anderen JSW-Zechen ausgemacht.

Etwa 360 Infizierte gibt es inzwischen unter den Bergleuten und Angestellten der Zeche „Bobrek“ in Piekary Śląskie/Deutsch Piekar, knapp 20 Kilometer nördlich von Katowice. Sie gehört zu der Misch-Holding Węglokoks (Stahlwerke, Kraftwerke und das besagte Bergwerk „Bobrek“) mit insgesamt knapp 6.000 Beschäftigten. Auch diese Zeche setzt die Arbeit fort.

Die Behörden werden nicht müde zu beteuern, dass Oberschlesien nicht zu einer gesperrten Seuchenzone erklärt wird.

Epidemiologisch gesehen ist die Lage ernst. Medizinisch gesehen ist sie, zum Glück, weniger schlimm, weil 97 Prozent der Infizierten keine Krankheitssymptome aufweisen. Es sind überwiegend junge Männer in körperlich guter Verfassung und mit einem starken Immunsystem. Das hat wiederum den Nachteil, dass, wer krank ist, sich jedoch gesund fühlt, leichter andere ungewollt anstecken kann.

Im Bergbau, vor allem unter Tage, fällt es besonders schwer, epidemiebedingte Hygieneauflagen einzuhalten.

Seit Mitte März gelten im gesamten polnischen Steinkohlebergbau besondere Schutzmaßnahmen. An den Toren wird bei allen Ankommenden die Körpertemperatur gemessen. Die Arbeitszeiten wurden verkürzt, damit sich die Schichten nicht begegnen. Die Zahl der ein- und ausfahrenden Kumpel pro Förderkorb wurde stark eingeschränkt. Schutzmasken und Brillen sind über und unter Tage Pflicht. Alle Gemeinschaftsräume (Kaue, Lampenstuben, Waschräume, Hängebänke) werden nach jeder Schicht desinfiziert. Unter Tage sind es die Schienenzüge, mit denen die Kumpel zu den Abbaustellen gefahren werden.

All das erwies sich offensichtlich als nicht ausreichend.

In allen Berichten wird die Sorge der Betroffenen um den Erhalt der Arbeitsplätze hervorgehoben. Nach einigen Höhenflügen im letzten Jahr ist der Kohlepreis wegen der Corona-Epidemie tief gefallen. Das Schicksal von gut 80.000 Familien hängt in Oberschlesien direkt vom Steinkohlebergbau ab. Zudem kommen etwa 240.000 Arbeitsplätze, die es in den unterschiedlichsten Dienstleistungen ohne die Steinkohleförderung nicht gäbe. Hygieneauflagen bei der Durchführung der Abitur- und Achtklässler-Prüfungen hat heute das Bildungsministerium bekanntgegeben.

Mundschutzpflicht besteht bis zur Einnahme der Plätze im Prüfungsraum.

Bänke im Prüfungsraum müssen im Abstand von mindestens 1,5 Metern in jede Richtung aufgestellt sein.

Die Schüler benutzen ausschließlich ihre eigenen Schreib- und Hilfsgeräte.

Gruppenbildung vor der Schule bzw. vor dem Prüfungsraum soll verhindert werden.

Die Prüfungsräume müssen vor jeder Prüfung desinfiziert werden.

Die Achtklässler-Zentralprüfung für Grundschulabgänger soll vom 16.06. bis 18.06. stattfinden. Ursprünglich waren sie vom 21.04. bis 23.04. geplant. Rund 350.000 Achtklässler werden sie in diesem Jahr ablegen. Die Ergebnisse sollen am 31.07. bekannt gegeben werden.

Das Zentralabitur wurde, epidemiebedingt, auf den 08.06. bis 29.06. verlegt. Ursprünglich sollte es vom 04.05. bis 21.05. stattfinden. Es gibt in diesem Jahr 270.000 Abiturienten. Außerdem wollen 100.000 Abiturienten aus vergangenen Jahren einzelne Prüfungen erneut ablegen, um eine bessere Note zu bekommen. Die Ergebnisse werden am 11.08. veröffentlicht.

Der erste Patho-Streamer wurde dingfest gemacht, so der heutige Polizeibericht aus Gdańsk/Danzig.

Der 13-Jährige drang in den laufenden Online-Unterricht ein, beschimpfte Lehrer und Schüler. Er glaubte anonym zu bleiben, wurde aber schnell ausfindig gemacht.

Auf das unerlaubte Eindringen in ein Computersystem stehen in Polen bis zu 2 Jahre Gefängnis. Beleidigung wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit einer Geldstrafe geahndet. Da der Täter jünger als 17 Jahre und damit nicht strafmündig ist, wird sich ein Jugendgericht seiner annehmen.

Seit einigen Wochen häufen sich Beschwerden von Lehrern und Eltern, dass es Hackern aus der sogenannten Patho-Streamingszene gelingt, in den laufenden Online-Unterricht einzudringen. Sie stören ihn, indem sie Lehrer und Schüler aufs Übelste beschimpfen und beleidigen oder Filme und andere Darstellungen von Obszönitäten und brutalster sadistischer Gewalt einspielen. Leider sind es manchmal Schüler, die ihnen solche „E-Learning-Rallyes“, wie sie sie nennen, erleichtern, indem sie Links oder Codes für die Teilnahme am E-Unterricht weitergeben.

Das für das Internet und die Computerisierung zuständige Digitalisierungsministerium (Ministerstwo Cyfryzacji) hat inzwischen zwei Internetplattformen dazu gebracht, zwei Patho-Streaminggruppen mit jeweils etwa 3.000 Nutzern aus dem Netz zu verbannen und die E-Konten von Webmastern, die die „Rallyes“ koordinierten, zu blockieren.

Das Justizministerium hat inzwischen angekündigt, Patho-Streaming solle von nun an mit aller Härte des Gesetzes bekämpft werden. 

Aufgeschnappt im polnischen Internet.

Untergrundfrisieren in Corona-Zeiten: „So lassen oder den Pony kürzer machen?“

Donnerstag, 14. Mai 2020

Infizierte: 17.615 Gestorben: 883

Am Morgen gab das Gesundheitsministerium bekannt: In Polen werden wegen des Verdachts auf Infektion mit dem Coronavirus 2.583 Personen in Krankenhäusern behandelt. 96.708 Personen befinden sich in häuslicher Quarantäne. Genesene: 6.696. Am Vortag durchgeführte Tests: ca. 26.200.

Zweiundzwanzig Menschen starben heute an Corona, darunter eine 18-Jährige.

In Tychy/Tichau – Oberschlesien: eine Frau – 75 Jahre und drei Männer – 93, 78, 66 Jahre. In Poznań: eine Frau – 89 Jahre und ein Mann – 75 Jahre. In Gliwice/Gleiwitz – Oberschlesien: eine Frau – 83 Jahre. In Cieszyn/Teschen – Südpolen: eine Frau – 62 Jahre. In Kędzierzyn-Koźle/Kandrzin-Cosel bei Opole/Oppeln: eine Frau – 90 Jahre. In Starachowice – Mittelpolen: eine Frau – 69 Jahre. In Grudziądz/Graudenz: ein Mann – 60 Jahre. In Łańcut – Südostpolen: eine Frau – 90 Jahre. In Wałbtrzych/Waldenburg – Niederschlesien: ein Mann – 68 Jahre. In Bielsk Podlaski – Ostpolen: ein Mann – 96 Jahre. In Wrocław/Breslau: ein Mann – 42 Jahre. In Strzelce Opolskie/Groß Strehlitz – Südpolen: ein Mann – 66 Jahre. In Oleśnica/Oels – Niederschlesien: ein Mann – 80 Jahre. In Szczecin/Stettin: eine Frau – 79 Jahre. In Zawiercie – Oberschlesien: ein Mann – 87 Jahre. In Warschau: eine Frau – 85 Jahre. In Radom – Mittelpolen: eine Frau – 18 Jahre. In Racibórz/Ratibor – Oberschlesien: ein Mann – 65 Jahre. R.I.P.

6 Milliarden Zloty hat der polnische Staat innerhalb von zwei Monaten für die Corona-Bekämpfung ausgegeben, so die heutige Verlautbarung aus dem Finanzministerium. Das sind im Augenblick umgerechnet knapp 1,3 Milliarden Euro für die Zeit vom 01.03. bis zum 30.04.2020. Es handelt sich um Ausgaben für Schutzausrüstung, Corona-Tests und Medikamente, Desinfektionsmaßnahmen, Heilungskosten einschlieβlich zusätzlicher Belohnung des Medizinischen- und des Hilfspersonals.

Der gesamte polnische Haushalt 2020 beläuft sich auf gut 453 Milliarden Zloty. Das entspricht 99,4 Milliarden Euro.

Die Schulen bleiben bis zum 26.06., dem Beginn der Sommerferien, geschlossen. Das hat heute Bildungsminister Dariusz Piontkowski bekanntgegeben. Wenn die Corona-Epidemie es nicht verhindert, werden Polens Schüler mit dem Anfang des neuen Schuljahres am 01.09. ihre Schulen wiedersehen.

Ab dem 25.05. werden die Grundschulen für freiwillige Konsultationen der Schüler der letzten, d. h. achten Klassen geöffnet. Dem Abschlussjahrgang stehen vom 16.06. bis 18.06. die Zentralprüfungen bevor. Ursprünglich waren sie vom 21.04. bis 23.04. geplant.

Am 16.06. ist die Polnisch-Prüfung vorgesehen. Am 17.06. – Mathematik. Am 18.06. – eine Fremdsprache. Es sind schriftliche Prüfungen. Rund 350.000 Achtklässler werden sie in diesem Jahr ablegen. Die Ergebnisse sollen am 31.07. bekannt gegeben werden.

Die Achtklässler-Zentralprüfung ist in Polen die Abschlussprüfung am Ende der Grundschule. Ihr Ergebnis entscheidet wesentlich mit darüber, welchen Bildungsweg der Schüler im Anschluss einschlagen kann. Ob er auf ein renommiertes Lyzeum in seiner Stadt kommt, was den Weg zu einem guten Studium eröffnet, oder auf ein weniger gutes Lyzeum mit schlechteren Studienchancen. Es kann ihn auch auf eine gute oder durchschnittliche technische Mittelschule führen, beziehungsweise auf eine Berufsschule mit sehr guten oder mäßigen Berufsaussichten. Ein gutes Achtklässler-Abschlusszeugnis ist in jedem Fall wichtig.

Ab dem 25.05. beginnen auch die freiwilligen Konsultationen für die diesjährigen Abiturienten. Das Zentralabitur wurde, epidemiebedingt, auf den 08.06. bis 29.06. verlegt. Ursprünglich sollte es vom 04.05. bis 21.05. stattfinden.

Es gibt in diesem Jahr 270.000 Abiturienten. Außerdem wollen 100.000 Abiturienten aus vergangenen Jahren einzelne Prüfungen erneut ablegen, um eine bessere Note zu bekommen. Die Ergebnisse werden am 11.08. veröffentlicht.

Der polnische Abiturient muss drei schriftliche Grundstufen-Prüfungen ablegen: in Polnisch, Mathematik und einer Fremdsprache. Hinzu kommen zwei mündliche Grundstufen-Pflichtexamen: Polnisch und eine Fremdsprache. Des Weiteren mindestens eine schriftliche und mündliche Leistungskurs-Prüfung in einem Wahlfach (maximal sind bis zu sechs Wahlfach-Prüfungen möglich). In diesem Jahr wird es ausnahmsweise keine mündlichen Prüfungen in den Wahlfächern geben.

Saisonpflücker aus der Ukraine dürfen kommen, das hat heute das Landwirtschaftsministerium zusammen mit den neuen, epidemiebedingten Auflagen bekanntgegeben.

Die Arbeitgeber müssen ihre Erntehelfer an der Grenze abholen, die Weiterfahrt in Pkws, Klein- bzw. Reisebussen epidemiegerecht organisieren und bezahlen.

Die Zeit vom Grenzübertritt bis zur Ankunft am Arbeitsort darf nicht mehr als 24 Stunden betragen.

Der Arbeitgeber muss umgehend eine Namensliste der Pflücker in der zuständigen Sanitätsinspektion des Landkreises hinterlegen. Ihm obliegt auch das Organisieren der Entnahme von Abstrichen für den Corona-Test, spätestens am Tag nach der Ankunft.

Während der ersten 14 Tage befinden sich Erntehelfer in Quarantäne. Sie dürfen in dieser Zeit nur zwischen dem Hof und dem Feld pendeln. Die Polizei überprüft die Einhaltung der Quarantäne. Bei Verstößen drohen Geldstrafen bis zu 30.000 Zloty (aktuell ca. 6.600 Euro).

In Polen arbeiteten in den letzten Jahren in der Landwirtschaft im Frühjahr bis zu 60.000 und im Herbst bis zu 130.000, überwiegend ukrainische, Hilfskräfte.

Polen ist mit der größte Produzent von Weichobst in der EU, teilweise in der Welt. Das betrifft die Apfelbeeren/Aronia (70 Prozent der Weltproduktion), Himbeeren (20 Prozent der Weltproduktion), Blaubeeren, insbesondere die Blaue Heckenkirsche (20 Prozent der Weltproduktion), Erdbeeren (15 Prozent der Weltproduktion).

Hinzu kommt die Verarbeitung von Obst und Gemüse zu Tiefkühlkost, von der letztes Jahr 1,2 Millionen Tonnen hergestellt wurden. Trotz aller Mechanisierung bleiben das Ernten und die Verarbeitung sehr arbeitsintensiv. Ohne die ukrainischen Hilfskräfte wäre all das nicht zu bewältigen.

Aufgeschnappt im polnischen Internet.

„Quarantäne? Es hätte schlimmer kommen können! Sie könnten das Internet abschalten.“

Mittwoch, 13. Mai 2020

Infizierte: 17.204 Gestorben: 861

Am Morgen gab das Gesundheitsministerium bekannt: In Polen werden wegen des Verdachts auf Infektion mit dem Coronavirus 2.648 Personen in Krankenhäusern behandelt. 96.062 Personen befinden sich in häuslicher Quarantäne. Genesene: 6.410 Am Vortag durchgeführte Tests: ca. 20.300.

♦Heute wurden zweiundzwanzig Corona-Tote gemeldet.

In Poznań: zwei Frauen – 93, 75 Jahre und zwei Männer – 82, 77 Jahre. In Wolica bei Kalisz – Mittelpolen: drei Frauen – 94, 90, 84 Jahre und ein Mann – 90 Jahre. In Wrocław/Breslau: zwei Frauen – 73, 62 Jahre und ein Mann – 73 Jahre. In Grudziądz/Graudenz: zwei Frauen – 94, 83 Jahre. In Warschau: eine Frau – 67 Jahre und ein Mann – 82 Jahre. In Bydgoszcz/Bromberg: zwei Frauen – 69, 58 Jahre. In Zgierz bei Łódź/Lodsch: eine Frau – 69 Jahre. In Toruń/Thorn: eine Frau – 76 Jahre. In Siedlce – Mittelpolen: ein Mann – 60 Jahre. In Racibórz/Ratibor – Oberschlesien: eine Frau – 70 Jahre. In Konin – Mittelpolen: eine Frau – 54 Jahre. R.I.P.

Die aktuelle Epidemie-Lage schilderte Gesundheitsminister Łukasz Szumowski heute kurz, am Rande der Pressekonferenz, die den bevorstehenden Lockerungen gewidmet war.

Łukasz Szumowski.

Szumowskis Thesen:

Der R-Faktor ist in Polen inzwischen kleiner als 1, d. h. ein Infizierter steckt weniger als eine weitere Person an. In der Woiwodschaft/Provinz Masowien mit Warschau, wo es die meisten Corona-Todesfälle und, nach Oberschlesien, die meisten Erkrankungen gibt, beträgt er 0,5.

Die Einhaltung der Hygieneauflagen hat oberste Priorität und soll von Staats wegen mit Nachdruck durchgesetzt werden.

Immer besser gelingt es, Corona-Infizierte auszumachen. Das Ziel, pro Tag 20.000 Tests durchzuführen, ist erreicht und wurde heute erneut überboten. Unter den Getesteten befanden sich 1.200 Personen, deren Quarantäne-Zeit endet.

Nur Oberschlesien bereite noch Sorgen, aber auch dort gelang es inzwischen, die Seuchen-Zentren auszumachen und einzukreisen.

Generell beginnt die Corona-Ansteckungskurve in Polen nach unten zu weisen.

Das Ereignis des Tages war die lange angekündigte Bekanntgabe der Lockerungen von Epidemie-Auflagen, die Ministerpräsident Mateusz Morawiecki und Gesundheitsminister Łukasz Szumowski am Mittag veröffentlichten.

KIRCHEN. Ab dem 17.05. wird bei Heiligen Messen und anderen religiösen Feierlichkeiten eine Person pro 10 Quadratmeter zugegen sein dürfen. Bis jetzt waren 15 Quadratmeter vorgesehen.

ÖFFENTLICHE VERKEHRSMITTEL. Ab dem 18.05. dürfen nicht mehr 15 Prozent, sondern 30 Prozent der normalerweise maximal genehmigten Passagierzahl in einem Bus, einem Straßenbahn- oder U-Bahn-Waggon erreicht werden, wobei die Hälfte der Sitzplätze frei bleiben muss.

SPORT. Ab dem 18.05. dürfen sich in einer Einrichtung unter freiem Himmel maximal 14 Personen (darunter 2 Trainer) aufhalten.

In Sport- und Turnhallen ● bis 300 Quadratmeter dürfen sich 12 Personen plus 1 Trainer aufhalten. ● 301 bis 800 Quadratmeter: 16 plus 2 Trainer. ● 801 bis 1.000 Quadratmeter: 24 plus 2 Trainer. ● Mehr als 1.000 Quadratmeter: 32 plus 3 Trainer. Duschen dürfen nicht benutzt werden, nur das WC. Nach jedem Training muss eine gründliche Desinfizierung erfolgen.

FRISEURE sollen ab dem 18.05. wieder öffnen. ● Kunden und Mitarbeiter müssen Schutzmasken tragen. ● Vorab muss Kunden die Temperatur gemessen werden. ● Das Servieren von Getränken ist nicht erlaubt.

KUNST UND KULTUR. Ab dem 18.05. ● dürfen Freiluft- und Autokinos nur für Pkw aufmachen. Zuschauer sollen während der Vorführungen ihre Plätze bzw. Autos nicht verlassen. Essen darf nur vom Personal gebracht werden. Schutzmasken außerhalb der Pkws sind vorgeschrieben.

Musikaufnahmen in Studios, ● Individualunterricht an Kunstschulen sind wieder erlaubt. Schutzmasken sind Pflicht. ● Filmaufnahmen am Set dürfen wieder stattfinden. ● Des Weiteren sind wieder Proben an allen Theatern, Opern, Philharmonien zugelassen. Desinfektion sowie Distanzwahrung und Schutzmaskengebrauch, soweit möglich, sind sicherzustellen.

EU-Schutzmasken sind leider unbrauchbar, so Gesundheitsminister Łukasz Szumowski auf der heutigen großen Pressekonferenz.

Am Freitag, dem 08.05. gab die EU-Kommission bekannt, dass 17 EU-Staaten und Großbritannien insgesamt 1,5 Millionen Schutzmasken für Mediziner bekommen haben. Die meisten davon, 616.000 Stück, gingen nach Polen.

Szumowski sagte vor den Medien, die Masken für Mediziner hätten  nicht das notwendige CE-Zertifikat gehabt und wurden deswegen zur Überprüfung an die zuständige Behörde geschickt. Leider erfüllen sie die Anforderungen der FFP1, FFP2 und FFP3 Schutzklassen nicht und können von Medizinern nicht benutzt werden.

Vertreter der EU-Kommission zeigten sich am Abend überrascht. Ähnliche Beanstandungen kamen auch aus den Niederlanden. Die Schutzmasken werden noch getestet. Die Hersteller haben vor dem Kauf entsprechende Zertifikate vorgelegt. Man erwarte Einzelheiten aus Warschau und werde, wenn alle Test-Ergebnisse und Informationen zur Verfügung stehen, Stellung nehmen.

Ist Gesundheitsminister Łukasz Szumowski korrupt? „Gazeta Wyborcza“ deutet das an und bewegt sich auf dünnem Eis.

Der Artikel erschien am Montag, dem 11.05. Gestern und heute haben Szumowski, sein Bruder Marcin und der verantwortliche Beamte im Gesundheitsministerium Janusz Cieszyński dazu ausführlich Stellung genommen.

Der Hergang der Affäre, wenn es denn eine war:

Das Ministerium habe für umgerechnet gut 1,1 Millionen Euro 100.000 Schutzmasken der Schutzklasse FFP2 (umgerechnet 10,50 Euro das Stück) und 20.000 chirurgische Schutzmasken (umgerechnet 1,70 Euro das Stück) gekauft.

Der Verkäufer war Łukasz G., ein Unternehmer aus Zakopane.

Unternehmer Łukasz G. hat den heutigen Gesundheitsminister Łukasz Szumowski und seinen Bruder Marcin Szumowski vor einigen Jahren in Zakopane kennengelernt. Die beiden Brüder haben bei Łukasz G. Ski-Unterricht genommen. Der Kontakt sei danach eingeschlafen.

Łukasz G. hat inzwischen die Branche gewechselt, ist Unternehmer geworden. Er rief Anfang März den Bruder des Gesundheitsministers an mit der Bitte, ihn ans Gesundheitsministerium zu vermitteln. Er möchte dem Staat die bereits erwähnte Schutzausrüstung verkaufen.

Der Bruder des Gesundheitsministers riet Łukasz G. ,Kontakt mit dem stellv. Gesundheitsminister Janusz Cieszyński aufzunehmen. Er sei für Einkäufe zuständig.

Łukasz G. traf den stellv. Gesundheitsminister Janusz Cieszyński in seinem Arbeitszimmer im Ministerium. Cieszyński überhörte die Andeutung des Unternehmers, er habe Kontakt zum Minister persönlich (was nicht stimmte), und verwies ihn nach einem kurzen Gespräch an die zuständige Beamtin Małgorzata Dębska, mit der Łukasz G. jedoch nur E-Mail-Kontakt hatte. Das sei die übliche Verhandlungsform, so Cieszyński heute.

Das Angebot von Łukasz G. war eine von etwa eintausend Offerten für Schutzausrüstung, die das Ministerium im März und April 2020 bekam. Die Verhandlungen verliefen ausschließlich auf elektronischem Wege. Dem Ministerium gelang es, bei Łukasz G. einen Preisnachlass zu erwirken.

● Die „Gazeta Wyborcza“ behauptet, die Preise, zu denen Łukasz G. seine Ware dem Ministerium verkauft habe, seien überhöht gewesen und das habe an der Bekanntschaft mit dem Minister und seinem Bruder gelegen. Von Schmiergeldern oder einem anderen Nutzen, den die beiden dadurch erzielt hätten, schreibt die „Gazeta Wyborcza“ nichts. Weshalb also hätten sie Łukasz G. begünstigen sollen?

Der stellv. Gesundheitsminister Janusz Cieszyński entgegnet: Der Markt war damals leergefegt und das gesamte Gesundheitswesen schrie geradezu nach Schutzausrüstung. Wir haben auf der ganzen Welt gekauft, was wir kriegen konnten. Es galt das Prinzip: „Du kaufst oder ein anderer nimmt es, und zwar mit Handkuss.“

Łukasz G. legte Herstellerzertifikate vor, die als glaubwürdig eingestuft wurden.

Als die Benutzer der von Łukasz G. gelieferten Schutzmasken Beanstandungen an das Ministerium richteten, wurden die Masken amtlich untersucht. Das Ergebnis: Sie seien nicht zu gebrauchen.

Łukasz G. wurde offiziell der kulante Vorschlag unterbreitet, das Geld zurückzuzahlen und die defekte Ware zurückzunehmen. Der Unternehmer lehnte den Vorschlag ab und bot seine Story der „Gazeta Wyborcza“ an.

Das Ministerium hat heute bei der Staatsanwaltschaft gegen Łukasz G. Anzeige wegen Betrugs erstattet.

Es stellt sich die Frage: Hat „Gazeta Wyborcza“ eine schwere Bombe oder nur einen Knallfrosch gezündet?

Aufgeschnappt im polnischen Internet.

Oben: „Die Promis: »Wir alle sitzen zu Hause. Wenn ich das kann, dann könnt ihr es auch.«“ Unten: „Ihre Häuser.“

Dienstag, 12. Mai 2020

Infizierte: 16.921 Gestorben: 839

Am Morgen gab das Gesundheitsministerium bekannt: In Polen werden wegen des Verdachts auf Infektion mit dem Coronavirus 2.571 Personen in Krankenhäusern behandelt. 96.211 Personen befinden sich in häuslicher Quarantäne. Genesene: 6.131 Am Vortag durchgeführte Tests: ca. 16.500.

An Corona starben heute achtundzwanzig Menschen.

In Wrocław/Breslau: eine Frau – 63 Jahre und drei Männer – 80, 78, 61 Jahre. In Zgierz bei Łódż/Lodsch: vier Frauen – 93, 89, 87, 79 Jahre. In Poznań: drei Frauen – 96, 93, 90 Jahre. In Wolica bei Kalisz – Mittelpolen: zwei Frauen – 92, 90 Jahre. In Racibórz/Ratibor – Oberschlesien: eine Frau – 82 Jahre und ein Mann – 50 Jahre. In Warschau: eine Frau – 53 Jahre und ein Mann – 83 Jahre. In Tychy/Tichau – Oberschlesien: eine Frau – 76 Jahre und ein Mann – 71 Jahre. In Grudziądz/Graudenz: zwei Frauen – 98, 51 Jahre. In Tarnowskie Góry/Tranowitz – Oberschlesien: eine Frau – 67 Jahre und ein Mann – 68 Jahre. In Radom – Mittelpolen: ein Mann – 83 Jahre. In Starachowice – Mittelpolen: eine Frau – 74 Jahre. In Nowogrodziec/Naumburg am Queis – Niederschlesien: eine Frau – 89 Jahre. In Gdańsk/Danzig: eine Frau – 81 Jahre. In Świdnica/Schweidnitz – Niederschlesien: eine Frau – 89 Jahre. R.I.P.

Der Schutzmaskenzwang wird noch lange bleiben, sagte heute früh im Gespräch mit dem privaten Rundfunksender Radio Zet Gesundheitsminister Łukasz Szumowski und enttäuschte so die Hoffnung auf eine baldige Befreiung von dem lästigen, schnell feucht werdenden Atemhemmer.

Łukasz Szumowski.

Je wärmer es wird, umso mehr Menschen sieht man auf den Straßen, die zwar den Mund bedeckt halten, aber die Nase nicht mehr, so die Feststellung der Moderatorin.

Das sei sehr unvernünftig, und jeder, der das tut, setzt sich der Gefahr aus, von der Polizei einen Strafzettel zu bekommen. Durch die Maske schützen wir weniger uns, als vielmehr andere vor der Gefahr der Ansteckung, die von uns ausgeht. Wir haben im Land gut 16.000 Infizierte und wahrscheinlich noch einmal so viele Menschen, die angesteckt sind, keine Erkrankungssymptome aufweisen, aber den Virus weitergeben können. Das kann jeder von uns sein, so der Minister.

Gefragt, wie lange der Schutzmaskenzwang gelten solle, antwortete Szumowski: „So lange die Epidemie andauert. In Tschechien wird er gerade aufgehoben. Dort jedoch beträgt der R-Faktor 0,3. Bei uns liegt er bei 1, das heißt: Ein Infizierter steckt durchschnittlich immer noch eine weitere Person an. Solange das so ist, sind die Schutzmasken notwendig. Es ist im Augenblick müßig zu spekulieren, ob sie es noch einen, zwei oder mehrere Monate lang sein werden.“

Die Remdesivir-Therapie hält langsam Einzug in polnische Corona-Seuchenkrankenhäuser. Gestern ist das Medikament in das Posener Seuchenkrankenhaus geliefert worden. Bereits seit einigen Tagen wird es in Wrocław/Breslau angewandt. Łódź/Lodsch und Warschau sollen folgen.

Die amerikanische Hersteller-Firma Gilead Sciences liefert das Medikament kostenlos zu klinischen Testzwecken an gezielt ausgewählte Krankenhäuser in aller Welt. Es handelt sich um einen noch nicht als Arzneimittel zugelassenen Wirkstoff, der sich jedoch während seiner Erprobung bereits als sehr wirksam u. a. gegen Ebolainfektionen erwiesen hat. Inzwischen soll Remdesivir etlichen Corona-Kranken in letalem Zustand das Leben gerettet haben.

Die Remdesivir-Therapie ist nur für solche Fälle vorgesehen. In Poznań bekommen inzwischen drei Patienten mit schwerster Atemnot den Wirkstoff verabreicht. Die Anwendung dauert 10 Tage. Der Hersteller wird laufend über die Wirkung informiert.

Patho-Streaming beeinträchtigt zunehmend den Online-Unterricht und soll von nun an mit aller Härte des Gesetzes bekämpft werden, so die heutige Verlautbarung des Justizministeriums. Alle Schulen und Hochschulen in Polen sind seit dem 12.03. geschlossen.

Seit einigen Wochen häufen sich Beschwerden von Lehrern und Eltern, dass es Hackern aus der sogenannten Patho-Streamingszene gelingt, in den laufenden Online-Unterricht einzudringen. Sie stören ihn, indem sie Lehrer und Schüler aufs Übelste beschimpfen und beleidigen oder Filme und andere Darstellungen von Obszönitäten und brutalster sadistischer Gewalt einspielen. Leider sind es manchmal Schüler, die ihnen solche „E-Learning-Rallyes“, wie sie sie nennen, erleichtern, indem sie Links oder Codes für die Teilnahme am E-Unterricht weitergeben.

Das für das Internet und die Computerisierung zuständige Digitalisierungsministerium (Ministerstwo Cyfryzacji) hat inzwischen zwei Internetplattformen dazu gebracht, zwei Patho-Streaminggruppen mit jeweils etwa 3.000 Nutzern aus dem Netz zu verbannen und die E-Konten von Webmastern, die die „Rallyes“ koordinierten, zu blockieren.

Bis jetzt kann das, was die Patho-Streamer tun, nur als eine Ordnungswidrigkeit mit einer Geldstrafe von maximal 1.500 Zloty (aktuell ca. 330 Euro) geahndet werden. Das Justizministerium hat inzwischen eine deutliche Verschärfung der Strafen angekündigt. Ein entsprechender Entwurf soll bereits kommende Woche im Parlament eingebracht werden. Konkretes wollte die Behörde vorerst nicht mitteilen.

Die US-Army in Polen unterstützt die polnischen Territorialtruppen bei ihren Einsätzen zur Behebung der Epidemie-Folgen. In der Umgebung ihrer Standorte helfen die Amerikaner mit Mannschaften und Transportmitteln, um  Krankenhäuser, Pflege- und Altersheime mit Lebensmitteln, Schutzartikeln und Medikamenten zu beliefern.

Die Territorialtruppen sind seit dem 06.03. an der Epidemie-Front im Einsatz, zwei Tage, nachdem der erste Corona-Fall in Polen festgestellt wurde. Die Soldaten patrouillieren gemeinsam mit Polizisten, überprüfen, ob sich Menschen in häuslicher Quarantäne an die Auflagen halten, unterstützen die Grenzpolizei bei der Grenzsicherung, transportieren Versorgungsgüter.

In Polen sind im Augenblick 5.500 US-Soldaten stationiert.

Aufgeschnappt im polnischen Internet.

„Wenn dein Eigentümer ein Friseur in Quarantäne ist.“

Samstag, 9. Mai bis Montag, 11. Mai 2020

 

Infizierte: 16.326 Gestorben: 811

Am Morgen gab das Gesundheitsministerium bekannt: In Polen werden wegen des Verdachts auf Infektion mit dem Coronavirus 2.598 Personen in Krankenhäusern behandelt. 97.002 Personen befinden sich in häuslicher Quarantäne. Genesene: 5.816. Am Vortag durchgeführte Tests: ca. 14.300.

Am Sonnabend, dem 09.05. starben neun Personen.

In Poznań: zwei Männer – 83, 78 Jahre. In Radom – Mittelpolen: zwei Männer – 82, 78 Jahre. In Bolesławiec/Bunzlau – Niederschlesien: eine Frau – 69 Jahre. In Kraków: ein Mann – 69 Jahre. In Gdańsk/Danzig: eine Frau – 93 Jahre. In Warschau: ein Mann – 65 Jahre. In Wolica bei Kalisz – Mittelpolen: eine Frau – 92 Jahre. R.I.P.

Am Sonntag, dem 10.05. hat Corona fünfzehn Menschenleben ausgelöscht.

In Poznań: zwei Frauen – 92, 86 Jahre und ein Mann – 56 Jahre. In Racibórz/Ratibor – Oberschlesien: zwei Frauen – 89, 73 Jahre und ein Mann – 93 Jahre. In Gdańsk/Danzig: zwei Frauen – 92, 87 Jahre. In Wolica bei Kalisz – Mittelpolen: 93, 76 Jahre. In Kraków: ein Mann – 71 Jahre. In Łańcut – Südostpolen: ein Mann – 65 Jahre. In Strarachowice – Mittelpolen: eine Frau – 58 Jahre. In Tychy/Tichau – Oberschlesien: eine Frau – 77 Jahre. In Kędzierzyn-Koźle/Kandrzin-Cosel bei Opole/Oppeln: ein Mann – 78 Jahre. R.I.P.

Am Montag, dem 11.05. wurden elf Corona-Tote gemeldet.

In Nowogrodziec/Naumburg am Queis – Niederschlesien: eine Frau – 87 Jahre und zwei Männer – 73, 72 Jahre. In Kędzierzyn-Koźle/Kandrzin-Cosel bei Opole/Oppeln: zwei Frauen – 89, 77 Jahre. In Poznań: zwei Frauen – 92, 87 Jahre. In Bolesławiec/Bunzlau – Niederschlesien: zwei Frauen – 93, 86 Jahre. In Łańcut – Südostpolen: eine Frau – 68 Jahre. In Gdańsk/Danzig: ein Mann – 65 Jahre. R.I.P.

Die aktuelle Epidemie-Lage schilderte Gesundheitsminister Łukasz Szumowski am Wochenende und am heutigen Montag in einigen Aussagen für die Medien.

Łukasz Szumowski.

Szumowskis Thesen:

Die Zahl der Corona-Tests steigt. Am letzten Freitag, dem 08.05. fiel der Rekord: ca. 23.400 Tests wurden gemacht. Das ist ein sehr großer Fortschritt.

Die Drive-Through-Aktion ist gut angelaufen. Wir haben in ganz Polen schon 120 Messstationen unter Zelten aufgebaut. Weitere sollen hinzukommen. Dort werden von Quarantäne-Patienten nach dem 12. Tag der häuslichen Isolation Abstriche genommen. Die Betroffenen bekommen eine SMS-Nachricht und suchen, unter Wahrung aller Sicherheitsauflagen, die nächstliegende Messstation auf. Das spart Kosten und beschleunigt die gesamte Vorgehensweise bis zur Feststellung des Endergebnisses: krank oder gesund.

Das Epidemie-Hoch liegt wahrscheinlich immer noch vor uns. Wir bewegen uns seit etwa 3 Wochen auf einem Plateau. Die tägliche Zahl der Neuinfizierten beträgt um die 200, die der Todesfälle um die 20. Ob wir noch einen Epidemie-Berg werden besteigen müssen? Viele Experten gehen davon aus. Wir tun alles, um ins Tal zu gelangen.

Die Situation in den Pflege- und Seniorenheimen ist unter Kontrolle. Nach all den durchgeführten Kontroll- und Unterstützungsmaßnahmen haben wir seit einer Woche keine neuen Infektionsherde in diesen Einrichtungen mehr festgestellt. Ich möchte noch einmal unterstreichen, dass die Heime sich in sehr unterschiedlicher Trägerschaft befinden: Kommunen, Kirchen, Stiftungen, private Firmen. Einige von ihnen waren überfordert, einige haben sogar die Hilfsbedürftigen sich selbst überlassen, was noch ein strafrechtliches Nachspiel haben wird. Wir haben alle diese Einrichtungen von Staats wegen einer rigorosen Krisen-Aufsicht unterzogen. Die Woiwoden/Regierungspräsidenten sind damit beauftragt. Das hat die Lage stabilisiert.

Die Epidemie-Lage in Oberschlesien und dem dortigen Steinkohlebergbau hat Gesundheitsminister Łukasz Szumowski am Wochenende und am heutigen Montag intensiv beleuchtet und kommentiert. Siehe dazu auch unseren ausführlichen Bericht vom 06.05.

Łukasz Szumowski.

Szumowskis Thesen:

Sperrzone. Oberschlesien wird nicht zu einer gesperrten Seuchenzone erklärt.

●Massives Testen. Um ein belastbares Bild vom Ausmaß der Erkrankungen zu bekommen, die Infizierten auszumachen und sie zu isolieren, wurden am Samstag, dem 09.05. mehr als 3.000 Tests durchgeführt. Am Sonntag, dem 10.05. waren es über 5.000. Am heutigen Montag sollen es wieder etwa 3.000 sein.

●Abstrich-Busse. Im Einsatz sind mittlerweile 60 sogenannte Abstrich-Busse, die bei allen Zechen-Mitarbeitern und den im Haushalt lebenden Familienangehörigen Corona-Tests vornehmen. Die Bergleute kommen mit ihren Pkws zu den Bussen. Der Abstrich wird ohne Aussteigen am geöffneten Autofenster genommen.

Alle Bergleute bis Mittwoch, dem 13.05. getestet. In den drei am stärksten betroffenen Bergwerken sind mittlerweile alle Angestellten und Bergleute getestet. Jetzt werden Tests in den verbliebenen knapp 20 Zechen Oberschlesiens duchgeführt. Bis Mittwoch, dem 13.05. hoffen wir fertig zu sein.

● Gute und schlechte Seiten. Epidemiologisch gesehen ist die Lage ernst. Medizinisch gesehen ist sie, zum Glück, weniger schlimm, weil 97 Prozent der Infizierten keine Krankheitssymptome aufweisen. Das hat wiederum den Nachteil, dass, wer krank ist, sich jedoch gesund fühlt, leichter andere ungewollt anstecken kann.

Krankenhäuser halbvoll. In den Seuchenkrankenhäusern Oberschlesiens ist gut die Hälfte der Betten nicht belegt.

Die Arbeit unter Tage geht weiter. Bergwerke kann man nicht einfach stilllegen. In drei von ihnen ist die Arbeit weitgehend eingeschränkt. Die restlichen knapp 20 arbeiten unter verschärften Hygienemaßnahmen weiter.

Ab dem 18.05. sollen weitere wichtige Lockerungen in Kraft treten, das hat heute die stellv. Ministerpräsidentin und Wirtschaftsministerin Jadwiga Emilewicz angekündigt.

Jadwiga Emilewicz.

Friseure und Kosmetiksalons werden wieder öffnen, aber mit einigen Auflagen. Kunden und Bedienung müssen Schutzmasken tragen. Vorab muss dem Kunden die Temperatur gemessen werden. Es dürfen keine Getränke serviert werden. Die Friseur- und Kosmetiksalons sind am 01.04. geschlossen worden. Ihre Geschäftslage ist inzwischen sehr kritisch. Laut einer brancheninternen Umfrage in Warschau, haben von den 215 angesprochenen Betrieben gut 30 Prozent keine finanziellen Reserven mehr. Weitere 40 Prozent geben an, spätestens Ende Mai Mitarbeiter entlassen oder das Geschäft ganz aufgeben zu müssen.

Restaurants, Bars und Cafés sollen beschränkt wieder zugänglich sein. Selbstbedienung soll es vorerst nicht geben Der Verzehr soll nur in den Sommergärten möglich sein. Der minimale Abstand zwischen den Tischen muss 2 Meter betragen.

In den öffentlichen Verkehrsmitteln sollen mehr Passagiere pro Bus, Straßen- und U-Bahnwaggon reisen dürfen. Siehe dazu ebenfalls unseren Bericht vom 07.05.

Ozon-Desinfektionen werden immer populärer, so Medienberichte vom Wochenende und von heute.

Die Methode ist nicht giftig, sehr sauber, sehr effektiv, wenig umweltbelastend, weil sie nur eine geringe Menge anderer Chemikalien (Brom, Chlor) benötigt, die zur Desinfizierung mit verwendet werden müssen. Auf diese Weise wird der Einsatz von weit stärker die Umwelt belastenden Desinfektionsmethoden drastisch verringert. Das einzige Abfallprodukt dabei ist Sauerstoff, welcher in die Luft abgelassen wird.

Normalerweise wird Ozon in der Spa-Branche und bei der Trinkwasseraufbereitung eingesetzt. In Corona-Zeiten werden Ozonerzeuger in geschlossenen Räumen aufgestellt, wo sie alle schädlichen Substanzen vernichten.

Kleinbetriebe, die eine solche Dienstleistung anbieten, haben viel zu tun. In Wrocław/Breslau z. B. kostet die Ozon-Desinfektion eines Pkws umgerechnet knapp 11 Euro, eines Lkws 15 Euro, eines Busses 20 Euro, einer 40-Quadratmeter-Wohnung 55 Euro. In Warschau werden die Preise nach der Zeit berechnet, die für eine nachhaltige Desinfektion benötigt wird. Die erste Stunde kostet meistens umgerechnet 22 Euro, jede weitere die Hälfte.

In Warschau werden Straßen, Haltestellen und Unterführungen abends und nachts mit ozonhaltigem Wasser desinfiziert. Das wird in den Warschauer Wasserwerken hergestellt.

Jede Nacht sind 40 Personen damit beschäftigt. Unterwegs sind Sprinklerwagen und Sprühkolonnen zu Fuß. Bis jetzt hat die Stadt dafür umgerechnet knapp 180.000 Euro ausgegeben.

Über den Nutzen der Desinfektion von Straßen, siehe unseren Bericht vom 27.04.

Aufgeschnappt im polnischen Internet.

„Nach der Quarantäne. Schon bald.“

Freitag, 8. Mai 2020

Infizierte: 15.366 Gestorben: 776

Am Morgen gab das Gesundheitsministerium bekannt: In Polen werden wegen des Verdachts auf Infektion mit dem Coronavirus 2.758 Personen in Krankenhäusern behandelt. 104.024 Personen befinden sich in häuslicher Quarantäne. Genesene: 5.184. Am Vortag durchgeführte Tests: ca. 17.500.

Einundzwanzig Corona-Kranke sind heute gestorben.

In Wrocław/Breslau: drei Frauen – 79, 78, 71 Jahre und drei Männer – 85, 74, 70 Jahre. In Racibórz/Ratibor – Oberschlesien: eine Frau – 87 Jahre und ein Mann – 57 Jahre. In Wolica bei Kalisz – Mittelpolen: zwei Frauen – 84, 81 Jahre. In Bytom/Beuthen – Oberschlesien: eine Frau – 86 Jahre und ein Mann – 90 Jahre. In Gdańsk/Danzig: ein Mann – 79 Jahre. In Łódź/Lodsch: ein Mann – 83 Jahre. In Kędzierzyn-Koźle/Kandrzin-Cosel bei Opole/Oppeln: ein Mann – 70 Jahre. In Poznań: eine Frau – 72 Jahre. In Warschau: ein Mann – 85 Jahre. In Łomża – Nordostpolen: eine Frau – 70 Jahre. In Grudziądz/Graudenz: eine Frau – 85 Jahre. In Bolesławiec/Bunzlau – Niederschlesien: eine Frau – 89 Jahre. In Starachowice – Mittelpolen: eine Frau – 82 Jahre. R.I.P.

♦  Offensichtlich gibt es mehr symptomlose Corona-Erkrankungen als gedacht. Das geht jedenfalls aus einer Untersuchung, die Wissenschaftler des Instituts für Molekularbiologie und Klinische Genetik der Jagiellonen-Universität in Kraków durchgeführt haben hervor. Darüber berichteten heute die Medien.

Untersucht wurden 1.000 Personen, die keine Corona-Tests gemacht haben und keine für die Krankheit typischen Beschwerden hatten. Bei 2 Prozent von ihnen wurden im Blut Antikörper des Typus IgG festgestellt, die spezifisch für das SARS-CoV-2-Virus sind. Diese Test-Personen müssen also an Corona erkrankt gewesen sein, ohne es gemerkt zu haben.

Die Ergebnisse, so die Wissenschaftler, deuten darauf hin, dass sich allmählich eine Herdenimmunität entwickeln wird. Corona ist nicht so hoch ansteckend wie Masern, gegen die inzwischen eine mehr als neunzigprozentige Herdenimmunität besteht. Die Herdenimmunität bei Corona müsste sich also theoretisch schneller entwickeln als bisher angenommen. Noch tappen wir im Dunkeln, so die Krakauer Wissenschaftler. Umso wichtiger ist es, dass Untersuchungen wie diese fortgesetzt und ausgeweitet werden.

Polnische medizinische Hilfe traf heute im Vatikan ein. Zwei Lkws brachten 705.000 Einweg-Schutzmasken, 30.000 wiederverwendbare Schutzmasken, 6.700 Fünf-Liter-Kanister mit Desinfektionsflüssigkeiten und 10.000 Overalls. Einen Teil davon sollen die vatikanische Gendarmerie, die Schweizer Garde und Angestellte des Vatikans bekommen. Das meiste jedoch soll Armen und Obdachlosen zugutekommen, die sich in der Obhut des päpstlichen Almosenmeisters und polnischen Kardinals Konrad Krajewski befinden.

Konrad Krajewski.

Die Spende hat der staatliche polnische Mineralölkonzern Orlen finanziert. Dass sie in den Vatikan gebracht werden soll, hat Staatspräsident Andrzej Duda Papst Franziskus während ihres Telefongespräches am 30.04. mitgeteilt.

Polnische Ärzte, Krankenschwestern und medizinische Hilfskräfte, die grenznah in Deutschland arbeiten, fühlen sich benachteiligt, weil, wenn sie nach Polen zurückkehren, sie für 14 Tage in Quarantäne müssen.

Diese Regelung gilt seit dem 27.03. für alle heimkehrenden Polen. Sie wurde jedoch am 04.05. für die in den benachbarten EU-Staaten Deutschland, Tschechien, Slowakei und Litauen arbeitenden polnischen Pendler aufgehoben. Die einzige Ausnahme bildet medizinisches Personal.

Polnische Ärzte, Krankenschwestern und Reinigungskräfte stellen u. a. einen erheblichen Teil der Belegschaft der Krankenhäuser in Frankfurt (Oder) und Schwedt. Seit Wochen leben die meisten von ihnen in Mitarbeiterwohnheimen auf der deutschen Seite und fahren nach Feierabend und an freien Tagen nicht nach Hause, um so der 14-tägigen Quarantäne zu entgehen.

Die Betroffenen empfinden das als eine berufsbedingte Diskriminierung. Außerdem entstehe der Eindruck, dass sie  infiziert seien, was nicht stimme. Den polnischen Behörden sei wohl entgangen, so der Vorwurf, dass das medizinische Personal in den Nachbarstaaten einen breiten Zugang zu Corona-Tests habe. Es hätte genügt, die heimkehrenden Mediziner  und sonstigen Mitarbeiter des Gesundheitswesens zu verpflichten, gültige Test-Ergebnisse an der Grenze vorzulegen.

Die Oberste Ärztekammer, die Spitzenorganisation der ärztlichen Selbstverwaltung in Polen (entspricht der deutschen Bundesärztekammer), sieht darin eine Verletzung des in der Verfassung verbrieften Rechts auf Freizügigkeit (freie Wahl des Wohn- und Aufenthaltsortes oder des Geschäftssitzes) und des Verfassungsprinzips der Gleichheit.

Adam Bodnar.

Sie hat sich an den Bürgerbeauftragten des Parlaments, Dr. Adam Bodnar mit der Bitte gewandt, in dieser Angelegenheit tätig zu werden. Heute hat der Bürgerbeauftragte sein Schreiben an den Gesundheitsminister veröffentlicht. Er teilt die Meinung der Obersten Ärztekammer und fordert, dass die umstrittene Regelung aufgehoben wird. Eine Stellungnahme der Behörden liegt bis jetzt noch nicht vor.

Kunden bleiben aus, Verluste steigen. Epidemie-Maßnahmen bringen Einkaufszentren und ihre Mieter in schwere Bedrängnis. Dennoch sind gestern Abend, nach mehrtägigen Verhandlungen, die Gespräche zwischen dem Verband der Betreiber von Einkaufszentren und der Vertretung der Ladenmieter ohne Erfolg abgebrochen worden.

Damit ist vorerst der Versuch gescheitert, eine für die Branche allgemeingültige Lösung zu finden. Sie sah vor, dass nach der Wiederöffnung der Einkaufszentren am 04.05., am Ende einer epidemiebedingten sechswöchigen fast kompletten Schließung, die Ladenbetreiber im Mai keine Miete zahlen werden. Bis Ende des Jahres sollten die Mieten um 40 Prozent reduziert bleiben und neue Mietverträge ausgehandelt werden, mit einer Laufzeit, die um zwei Jahre länger sein sollte, als die der bisher gültigen Verträge. Sollte es bei dem Scheitern der Gespräche bleiben, müssen sich Vermieter und Mieter individuell einigen.

Das Problem ist ernst, denn auf die landesweit 650 Einkaufszentren, die eine Ladenfläche von insgesamt 12,4 Millionen Quadratmetern vermieten, entfallen 30 Prozent des polnischen Einzelhandelsumsatzes. Etwa 400.000 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel. Hinzu kommen 805 Millionen Zloty (aktuell knapp 175 Millionen Euro) an Steuern und Abgaben für die Kommunen sowie ca. 30 Milliarden Zloty (aktuell knapp 6,5 Milliarden Euro) Mehrwertsteuer für den Staat.

In den 6 Wochen bis zum 04.05. durften in den Einkaufszentren nur Apotheken, Lebensmittelgeschäfte und Banken geöffnet haben. Die Betriebskosten, so die Betreiber der Shopping-Center, waren in dieser Zeit enorm. Es galt, die kaum frequentierten Malls zu beheizen, zu bewachen und zu reinigen.

Nach dem 04.05.: bleiben die Kinos, Spielecken sowie offene Verkaufsinseln in den Gängen weiterhin geschlossen. Kunden müssen Schutzmasken und in den Selbstbedienungsläden auch Einmal-Handschuhe tragen, die der Inhaber am Eingang zur Verfügung stellen muss. In jeder Einkaufsgalerie muss man wenigstens an einem Ort Schutzmasken kaufen können. Die Gastronomie vor Ort darf Speisen und Getränke nur zum Mitnehmen anbieten. Viele Bekleidungsgeschäfte haben ihre Umkleidekabinen stillgelegt, weil sie nach jedem Kunden desinfiziert werden müssen. Läden, die von zwei Ebenen aus betreten werden können, müssen Kundenmarken ausgeben, um sicherzustellen, dass die vorgeschriebene Besucherzahl (1 Kunde pro 15 Quadratmeter) nicht überschritten wurde. ● Ein Teil der bekannten Bekleidungs- und Schuhverkaufs-Ketten hat auf die Öffnung ihrer Läden vorerst verzichtet oder ihre Mietverträge gekündigt.

Das alles, so Medienberichte, mache auf die Kunden einen teilweise „gespenstischen Eindruck“. Von „unbeschwertem Flanieren und angenehmem Genießen“ kann keine Rede sein. Den Einkaufszentren stehen sehr schwere Zeiten bevor.

Aufgeschnappt im polnischen Internet.

„Setz dich, wir müssen reden. Hast du überhaupt noch vor arbeiten zu gehen?“

Donnerstag, 7. Mai 2020

Infizierte: 15.047 Gestorben: 755

Am Morgen gab das Gesundheitsministerium bekannt: In Polen werden wegen des Verdachts auf Infektion mit dem Coronavirus 2.711 Personen in Krankenhäusern behandelt. 103.913 Personen befinden sich in häuslicher Quarantäne. Genesene: 4.862. Am Vortag durchgeführte Tests: ca. 15.500.

Zweiundzwanzig Verstorbene sind heute gemeldet worden.

In Racibórz/Ratibor – Oberschlesien: drei Männer – 71, 71, 43 Jahre. In Zgierz bei Łódź/Lodsch: zwei Frauen – 88, 89 Jahre und ein Mann – 78 Jahre. In Wrocław/Breslau: eine Frau – 66 Jahre und ein Mann – 69 Jahre. In Kędzierzyn-Koźle/Kandrzin-Cosel bei Opole/Oppeln: eine Frau – 92 Jahre und ein Mann – 87 Jahre. In Łańcut – Südostpolen: zwei Frauen – 84, 71 Jahre. In Poznań: zwei Frauen – 80, 80 Jahre. In Grudziądz/Graudenz: ein Mann – 30 Jahre. In Kraków: ein Mann – 97 Jahre. In Szczecin/Stettin: eine Frau – 70 Jahre. In Łomża – Nordostpolen: eine Frau – 86 Jahre. In Warschau: ein Mann – 75 Jahre. In Radom – Mittelpolen: ein Mann – 86 Jahre. In Gdynia/Gdingen: ein Mann – 96 Jahre. In Konin – Mittelpolen: eine Frau – 84 Jahre. R.I.P.

Desinfektionsmittel, vor Kurzem noch Verkaufsrenner, sind zu Ladenhütern geworden, klagt der polnische Handel und die Medien berichten in den letzten Tagen darüber .

Noch Anfang April beschwerte sich jeder vierte Pole laut Umfragen, dass es keine bakterientötenden Gels, Sprays oder Flüssigkeiten zu kaufen gibt. Und wenn es welche gab, wurden sie rationiert und nicht selten zu Wucherpreisen abgegeben. Ein 150 Milliliter-Fläschchen konnte leicht umgerechnet bis zu 12 Euro kosten. Ende März ist der Verkauf dieser Mittel, im Vergleich zu März 2019, um 2.000 Prozent gestiegen.

Zwar ist die Nachfrage immer noch rege, aber der Run darauf ist vorbei. Der Handel kann sich der Angebote für diese Produkte kaum erwehren. Die Preise fallen und die Hersteller klagen über volle Lager.

Zu verdanken ist diese Entwicklung dem Amt zur Erfassung von Arzneiprodukten, medizinischen Erzeugnissen und Biozidfabrikaten (URPL). Es hat Mitte März für 180 Tage ein Schnellverfahren zur Registrierung von bakterientötenden Substanzen eingeführt und so die bisher geltenden langwierigen Prozeduren außer Kraft gesetzt. Nur so konnte man die Versorgungsengpässe beseitigen.

Ende März gab es  243 registrierte Biozide. Anfang Mai waren es schon 1.065. Während der Corona-Epidemie, so Schätzungen, haben sich etwa 500 Firmen auf die Herstellung von Bioziden umgestellt. Zumeist waren es Kosmetikhersteller, die so ihre Verluste beim Verkauf von Cremes, Lippenstiften, Wimperntusche usw. ausgleichen wollten.

Zuerst war der wichtigste Rohstoff, vergällter und dadurch alkoholsteuerfreier Spiritus, noch knapp. Sein Preis stieg schnell von umgerechnet nicht ganz 70 Cent auf ca. 4,50 Euro pro Kilogramm. Als jedoch den Brennereien erlaubt wurde, in großem Umfang Spiritus zu vergällen, und China wieder Vergällungsmittel in großem Stil zu liefern begann, stieg die Produktion rasant. Der Kunde ist wieder der König.

Oberbürgermeister aus ganz Polen fordern, die Begrenzung von Passagierzahlen in öffentlichen Verkehrsmitteln dringend zu ändern. Die Union der Polnischen Metropolen hat sich schon zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen in dieser Angelegenheit an Gesundheitsminister Łukasz Szumowski und Ministerpräsident Mateusz Morawiecki gewandt.

Nach den jetzt geltenden Bestimmungen darf in einem Bus, einem Straßenbahnwagen oder einem U-Bahn-Waggon die Passagierzahl maximal die Hälfte der Zahl der Sitzplätze betragen. Einen 18 Meter langen Bus, der normalerweise bis zu 150 Passagiere befördert, können jetzt höchstens 21 Personen benutzen. In einem Bus für 100 Passagiere sind nur 13 Leute zugelassen.

Die Beschränkungen bleiben, während die Zahl der Nutzer von öffentlichen Verkehrsmitteln nach den letzten Lockerungen der Epidemie-Bestimmungen wieder steigt, so die Kommunalpolitiker. Um sie zu befördern, müssen immer mehr Transportmittel bereitgestellt werden, doch ihre Zahl und auch die Zahl der Fahrer ist nicht unbeschränkt verfügbar.

Zudem fahren die ÖVM in allen polnischen Städten riesige Verluste ein. Das belastet zusätzlich die städtischen Haushalte. Und diese sind ohnehin schon  schwer strapaziert: durch umfangreiche Desinfizierungsmaßnahmen, ausgefallene Parkgebühren in den leeren Innenstädten, notwendigerweise stark gesenkte Mieten in den städtischen Geschäftsimmobilien und viele andere Folgen der Corona-Epidemie mehr.

Was wäre wenn, Polen die schwedische Vorgehensweise gegen Corona anwenden würde? Dazu äußerte sich heute in einem Fernsehgespräch Prof. Piotr Czauderna, Gesundheitspolitiker, ehemaliger Chef der Agentur für Medizinforschung (ABM) und einer der führenden polnischen Fachleute für Kinderchirurgie.

Piotr Czauderna,

„Wir bewegen uns heute in der Epidemie-Entwicklung auf einem weit ausgedehnten Plateau. Das heißt, dass wir seit mindestens drei Wochen jeden Tag um die zweihundert Neuerkrankungen und um die zwanzig Sterbefälle registrieren. Das kann noch einen Monat, vielleicht sechs Wochen andauern, bis eine Abschwächung eintreten wird. Unser R0-Faktor beträgt heute etwa eins. Das bedeutet, dass ein Kranker im Durchschnitt eine Person ansteckt. Im Weltdurchschnitt beträgt der R0-Faktor zwei bis zweieinhalb. Wenn er unter eins fällt, dann beginnt die Epidemie abzuebben.“

Diese Bestandsaufnahme, so Prof. Czauderna, sei notwendig, wenn man den Vergleich mit Schweden anstellen will.

Notwendig sei auch ein Vergleich der Ausgangssituation beider Länder.

Schweden hat eine Fläche von 450.000 Quadratkilometern, 10 Millionen Einwohner und eine Bevölkerungsdichte von 23 Einwohnern pro Quadratkilometer.

Polen ist um ein Drittel kleiner (312.000 Quadratkilometer), hat 38 Millionen Einwohner und eine mehr als fünfmal größere Bevölkerungsdichte (123 Einwohner pro Quadratkilometer).

Polen hat also die schlechteren Karten: Viel mehr Menschen drängen sich auf einer deutlich kleineren Fläche. Für die Ausbreitung einer Epidemie bietet Polen somit bessere Voraussetzungen als Schweden.

Jetzt die Corona-Epidemie-Daten.

Schweden bis 07.05.: knapp 25.000 Infizierte, 3.040 Verstorbene.

Polen bis 07.05.: 15.000 Infizierte, 755 Verstorbene.

Das schwedische Modell hätte Polen, zumindest bis heute, viel mehr Opfer gekostet, so das Fazit.

Aufgeschnappt im polnischen Internet.

„Was machst du für 50 Zloty?“ „Alles.“ „Dann steig ein, du schneidest mir die Haare.“

Mittwoch, 6. Mai 2020

Infizierte: 14.740 Gestorben: 733

Am Morgen gab das Gesundheitsministerium bekannt: In Polen werden wegen des Verdachts auf Infektion mit dem Coronavirus 2.760 Personen in Krankenhäusern behandelt. 101.395 Personen befinden sich in häuslicher Quarantäne. Genesene: 4.655. Am Vortag durchgeführte Tests: ca. 16.100.

Achtzehn Menschen sind heute an Corona gestorben.

In Poznań: zwei Frauen – 90, 74 Jahre und zwei Männer – 74, 66 Jahre. In Tychy/Tichau – Oberschlesien: eine Frau – 83 Jahre und ein Mann – 86 Jahre. In Gdańsk/Danzig: zwei Frauen- 89, 78 Jahre. In Racibórz/Ratibor – Oberschlesien: zwei Männer – 63, 61 Jahre. In Radomsko – Mittelpolen: ein Mann – 75 Jahre. In Łańcut – Südostpolen: eine Frau – 79 Jahre. In Szczecin/Stettin: eine Frau – 40 Jahre. In Kędzierzyn-Koźle/Kandrzin-Cosel bei Opole/Oppeln ein Mann – 72 Jahre. In Warschau: ein Mann – 84 Jahre. In Starachowice – Mittelpolen: ein Mann – 74 Jahre. In Zawiercie – Oberschlesien: ein Mann – 82 Jahre. In Radom – Mittelpolen: ein Mann – 48 Jahre. R.I.P.

Die zunehmend besorgniserregende Corona-Situation im Steinkohlebergbau hat heute Gesundheitsminister Łukasz Szumowski auf den Plan gerufen. Während einer dringend einberufenen Telefonkonferenz mit Jarosław Pinkas, dem Chef der Staatlichen Sanitätsinspektion, wurde Pinkas nach Oberschlesien beordert, um die Anti-Corona-Maßnahmen vor Ort zu überwachen und zu koordinieren. Seit gut zwei Wochen mehren sich die Berichte über eine steigende Zahl angesteckter Kumpel.

Łukasz Szumowski.

Die Staatliche Sanitätsinspektion (Państwowa Inspekcja Sanitarna), allgemein Sanepid genannt, ist für die Hygiene- und Epidemieüberwachung zuständig. Staatliche Inspektoren leiten Sanitätsämter auf Woiwodschafts (Provinz)- und Landkreisebene.

Von den 29 polnischen Steinkohlegruben sind 28 staatlich und in 6 Holdings zusammengefasst.

Die grõßte von ihnen ist die Polska Grupa Górnicza (PGG – Polnische Bergbaugruppe). Sie vereinigt 16 Bergwerke, beschäftigt gut 41.000 Bergleute und Angestellte. Mittlerweile ist die Zahl der Infizierten in den Belegschaften der PPG auf knapp 400 angestiegen.

Jarosław Pinkas.

In 3 Bergwerken wurde deswegen die Arbeit vorläufig eingestellt: „Jankowce“ in Rybnik (193 Infizierte), „Murcki-Staszic“ in Katowice (105 Infizierte) und „Sośnica“ in Gliwice (53 Infizierte).

Zu diesen Bergwerken wurden am 05.05. sogenannte Abstrich-Busse geschickt, um bei allen Mitarbeitern und den im Haushalt lebenden Familienangehörigen Corona-Tests vorzunehmen. Bis heute Abend wurden insgesamt gut 1.700 Proben genommen. Die Auswertung erfolgt nicht nur in den oberschlesischen, sondern auch in den Corona-Testlabors in den benachbarten Woiwodschaften. Als eine vorrangige Aufgabe gilt es Isolierhäuser einzurichten, damit Corona-Infizierte, die nicht ins Krankenhaus müssen, dort, und nicht zu Hause, während der Quarantäne untergebracht sein können.

Probleme mit Corona hat ebenfalls die zweitgrößte Holding, die Jastrzębie/Jastrzemb Kohlegesellschaft (JSW), die 7 Bergwerke betreibt, mit knapp 29.000 Bergleuten und Angestellten. Sie ist im südlichsten Teil Oberschlesiens, direkt an der tschechischen Grenze tätig und fördert hochwertige Kokskohle.

Mittlerweile sind knapp 30 Kumpel der Zeche „Pniówek“ in Pawłowice unweit von Jastrzębie durch Corona infiziert. Gut 200 Bergleute befinden sich in Quarantäne. Die Grube, in der 7.000 Leute arbeiten, hat ihren Betrieb nicht eingestellt.

Etwa 60 Infizierte gibt es inzwischen unter den Bergleuten und Angestellten der Zeche „Bobrek“ in Piekary Śląskie/Deutsch Piekar, knapp 20 Kilometer nördlich von Katowice. Sie gehört zu der Misch-Holding Węglokoks (Stahlwerke, Kraftwerke und das besagte Bergwerk „Bobrek“). Auch diese Zeche setzt die Arbeit fort.

Seit Mitte März gelten im gesamten polnischen Steinkohlebergbau besondere Schutzmaßnahmen. An den Toren wird bei allen Ankommenden die Körpertemperatur gemessen. Die Arbeitszeiten wurden verkürzt, damit sich die Schichten nicht begegnen. Die Zahl der ein- und ausfahrenden Kumpel pro Förderkorb wurde stark eingeschränkt. Schutzmasken und Brillen sind über und unter Tage Pflicht. Alle Gemeinschaftsräume (Kaue, Lampenstuben, Waschräume, Hängebänke) werden nach jeder Schicht desinfiziert. Unter Tage sind es die Schienenzüge, mit denen die Kumpel zu den Abbaustellen gefahren werden.

Wie sich mittlerweile herausgestellt hat, war das alles jedoch nicht genug.

Das Blutplasma eines Corona-Genesenen hat offensichtlich ein Leben gerettet. Das wird aus dem Seuchenkrankenhaus von Kędzierzyn-Koźle/Kandrzin-Cosel bei Opole/Oppeln gemeldet.

Dort wurde Ende April eine Corona-infizierte Schwangere mit einem schweren Krankheitsverlauf eingeliefert. Die Ärzte veranlassten umgehend eine Geburt durch Kaiserschnitt. Das Kind, ein Frühchen, war nicht angesteckt und wurde in ein Kinderkrankenhaus in Opole gebracht.

Der Zustand der Mutter verschlechterte sich jedoch zusehends. Sie wurde auf einer Intensivstation notbeatmet. Als die Ärzte ein nahes Sterben diagnostizierten, hat man der Patientin am 29.04. das Blutplasma eines Corona-Genesenen verabreicht.

Zwei Tage später trat eine radikale Verbesserung ein  und die künstliche Beatmung war nicht länger erforderlich. Nach einer Woche galt die junge Mutter als genesen und konnte auf eine normale gynäkologische Station verlegt werden. Wenn weitere Corona-Tests negativ ausfallen, kann sie nach Hause entlassen werden.

♦ Unter den sehr schlechten Corona-Wirtschaftsprognosen, sind die Vorhersagen für Polen noch die besten. Das geht aus den Berechnungen der EU-Kommission die heute in Brüssel vorgestellt wurden, hervor.

Polens BIP soll sich 2020 um 4,3 Prozent verringern und 2021 um 4,1 Prozent ansteigen.

Zum Vergleich. Deutschland: – 6,5 (2020) und + 5,9 Prozent (2021), Frankreich: – 8,2 und + 7,4 Prozent, Italien: – 9,5 und + 6,5 Prozent, Griechenland: – 9,7 und +7,9 Prozent., EU-Durchschnitt: – 7,4 und + 6,1 Prozent.

Die Arbeitslosigkeit soll 2020 in Polen 7,5 Prozent betragen. Deutschland: 9,2 Prozent, Frankreich: 10,1 Prozent, Italien: 11,8 Prozent, Griechenland: 19,9 Prozent.

Das Staatsdefizit Polens soll 2020 auf 58 Prozent des BIP ansteigen. Deutschland: 76 Prozent, Frankreich: 116 Prozent, Italien: 159 Prozent, Griechenland: 196 Prozent.

Nur bei den prognostizierten Inflationsraten für 2020 schneidet Polen schlechter ab: 2,5 Prozent. Deutschland: 0,3 Prozent, Frankreich: 0,4 Prozent. Italien und Griechenland sollen gar eine Deflation von 0,3 bzw. 0,6 Prozent verzeichnen.

Aufgeschnappt im polnischen Internet.

„Achter Tag der Quarantäne. Meine Frau widmet sich offensichtlich der Gartenarbeit, möchte aber nicht verraten, was sie anpflanzen will.“

Dienstag, 5. Mai 2020

Infizierte: 14.431 Gestorben: 716

♦Am Morgen gab das Gesundheitsministerium bekannt: In Polen werden wegen des Verdachts auf Infektion mit dem Coronavirus 2.738 Personen in Krankenhäusern behandelt. 100.765 Personen befinden sich in häuslicher Quarantäne. Genesene: 4.280. Am Vortag durchgeführte Tests: ca. 10.400.

Neunzehn Corona-Kranke haben den heutigen Tag nicht überlebt.

In Wrocław/Breslau: drei Frauen – 89, 69, 53 Jahre und ein Mann – 88 Jahre. In Poznań: eine Frau – 96 Jahre und ein Mann – 84 Jahre. In Kraków: eine Frau – 67 Jahre und ein Mann – 80 Jahre. In Warschau: eine Frau – 39 Jahre und ein Mann – 80 Jahre. In Starachowice – Mittelpolen: ein Mann – 67 Jahre. In Zgierz bei Łódż/Lodsch: eine Frau – 74 Jahre. In Racibórz/Ratibor – Oberschlesien: ein Mann – 69 Jahre. In Gdańsk/Danzig: eine Frau – 83 Jahre. In Wałbrzych/Waldenburg – Niederschlesien: eine Frau – 87 Jahre. In Łomża – Nordostpolen: ein Mann – 63 Jahre. In Częstochowa/Tschenstochau: ein Mann – 81 Jahre. In Radom – Mittelpolen: eine Frau – 83 Jahre. In Grudziądz/Graudenz: eine Frau – 67 Jahre. R.I.P.

Die aktuelle Lage schilderte heute Gesundheitsminister Łukasz Szumowski in einem Gespräch mit dem privaten Fernsehsender TVN24.

Szumowskis Thesen:

Łukasz Szumowski.

Die erste gute Nachricht ist, dass die Zahl der Corona-Patienten in den Seuchenkrankenhäusern seit längerer Zeit bei knapp 3.000 stagniert. Die Kapazitäten von 10.000 Corona-Krankenhausbetten sind also bei weitem nicht ausgeschöpft und es sieht vorerst nicht danach aus, dass es einen rapiden Zuwachs an Patienten geben wird. 

Die zweite gute Nachricht ist, dass die Zahl der Schwerstkranken, die beatmet werden müssen, seit dem 20.04. langsam aber kontinuierlich sinkt: von gut 160 auf augenblicklich knapp 100.

Die tatsächliche Zahl der Corona-Infizierten in Polen kann bis zu 30.000 betragen. Anhand von Labor-Tests sind bis jetzt knapp 15.000 Infizierte festgestellt worden.

Die Dunkelziffer der Angesteckten kann nicht dramatisch groß sein. „Ein Indiz dafür haben wir vom 30.04. auf den 01.05. erhalten, als es zum ersten Mal in Polen gelang, eine Rekordzahl von knapp 16.600 Corona-Tests durchzuführen. Dabei ermittelt wurden 228 Infizierte.“

Die Zahl der Tests ist immer noch nicht ausreichend. „Wir haben 100 Corona-Testlabore, die in der Lage sind, bis zu 20.000 Tests pro Tag auszuwerten. Mit knapp 17.000 am 30.04. waren wir nicht weit entfernt davon. Danach fielen die Tageszahlen auf etwa 9.000, aber so sieht es überall in Europa an Sonn- und Feiertagen aus.“ Szumowski appellierte erneut an die Ärzte, an das Pflege- und das Technische Personal in den Krankenhäusern, an das Personal in den Pflegeheimen, sich so oft es geht dem Test zu unterziehen, denn nur so kann man die gefährlichsten Verbreiter der Epidemie ausfindig machen.

Die schlechte Nachricht ist, dass sich zu viele Menschen nicht an die Schutzmasken-Vorschriften, die ab dem 16.04. gelten, halten. Im öffentlichen Raum müssen Mund und Nase bedeckt sein, sei es mit einer Maske, einem Schal oder einem Tuch. „Leider sieht man immer wieder Passanten, die nur den Mund bedeckt halten. Das kann die Erfolge bei der Eindämmung der Epidemie, die wir durch die jetzt gelockerten, strengen Quarantänemaßnahmen erreicht haben, schnell zunichtemachen.“

Die Lockerungen werden zurückgenommen werden müssen, sollte es einen deutlichen Zuwachs an Erkrankungen geben.

Was hat die polnische medizinische Hilfsmission in Kirgistan gemacht und gesehen, darüber hat heute in einem Gespräch mit dem Polnischen Rundfunk der Koordinator des Unternehmens Dr. med. Michał Madeyski berichtet.

Madeyskis Thesen:

Michał Madeyski.

Das Team bestand aus 8 Ärzten und Rettungssanitätern. Es hat 10 Tage lang in der Hauptstadt Bischkek und in der zweitgrößten Stadt Osch, im Osten des Landes, nahe der Grenze zu Usbekistan gearbeitet.

Das verhältnismäßig arme Land, eine frühere Sowjetrepublik mit gut 6 Millionen Einwohnern, hat sich bisher erstaunlich gut gegen die Corona-Epidemie behauptet, vor allem weil man sehr rasch sehr strenge Vorsorgemaßnahmen ergriffen hat.

Im ganzen Land herrscht zwischen 20:00 und 07:00 Uhr eine Ausgangssperre. Ohne Passierschein darf man sich nicht von Stadt zu Stadt bewegen. An allen Ausfallstraßen wurden Kontrollstellen eingerichtet. Zwischen den Städten sind Polizeistreifen unterwegs, die jeden, der zu Fuß unterwegs ist und womöglich die Sperren umgangen hat, zurückweisen. Das Land bedecken zu 80 Prozent bis zu 5.000 Meter hohe Berge, was das Kontrollieren der Bevölkerung erheblich erleichtert.

Es gibt kaum Ärzte, die Englisch sprechen, aber alle Informationen zur Epidemie und zur Krankheit selbst sind in dieser Sprache verfasst. Die Mediziner in Kirgistan und in den anderen Staaten Mittelasiens, die einst Sowjetrepubliken waren, haben einen erheblichen Nachholbedarf. Wir haben alle unsere Erfahrungen, auch diejenigen, die wir mit unserer medizinischen Mission in der Lombardei gemacht haben, an sie weitergegeben.

Das Gesundheitswesen in Kirgistan ist für unsere Begriffe, sagen wir, schlicht, aber dennoch durchaus effektiv. Die Krankenhäuser haben keine zentralen Sauerstoffanlagen. Beatmet wird aus Sauerstoffflaschen. Die Einrichtungen stammen aus den Sechziger- und Siebzigerjahren des 20 Jahrhunderts. Es sind keine kompakten Gebäude, wie wir sie kennen. Sie bestehen meistens aus einem Haupthaus und Pavillons. Das hat die gute Seite, dass es leichter fällt, gesperrte Zonen einzurichten.

Die kirgisischen Kollegen haben unter den einfachen Bedingungen, unter denen sie arbeiten müssen, sehr effektive Methoden entwickelt, um das medizinische Personal vor Ansteckungen zu schützen.

Die Patientenstruktur ist dieselbe. Es überwiegen ältere Menschen.

Kirgisische Behörden und Mediziner haben Corona von Anfang an sehr ernst genommen und deswegen haben sie die Epidemie unter Kontrolle. Das ist schon eine beachtliche Leistung.

Etliche polnische Ordensbrüder verrichten freiwillige Dienste bei der Epidemie-Bekämpfung, so der Bericht von Pater Janusz Sok, des Vorsitzenden der Konferenz der Obersten Vorgesetzten Männlicher Ordenskongregationen in Polen. Die meisten Brüder sind als Helfer in Pflege- und Altersheimen eingesprungen, als um Hilfe gebeten wurde, weil das Personal wegen Corona-Infektionen ausfiel oder die Bewohner wegen Verseuchung evakuiert werden mussten. Einige Dutzend Piaristen, Kapuziner und Franziskaner sind auf diese Weise in ganz Polen tätig.

Janusz Sok.

Freiwillig in Krankenhäusern gemeldet haben sich jeweils einige Steyler Missionare, Oblaten, Benediktiner und Franziskaner.

Die Oblaten haben zudem zwei Isolierhäuser für 60 bzw. 10 Personen eingerichtet. Sie betreuen dort Menschen, die wegen beengter Verhältnisse ihre Quarantäne nicht zu Hause verbringen können oder nach der Behandlung aus den Krankenhäusern entlassen wurden und auf die endgültigen Test-Ergebnisse warten.

Aufgeschnappt im polnischen Internet.

„2019: Ein fauler Dummkopf. 2020: Ein verantwortungsvoller Mensch.“

Freitag, 1. Mai bis Montag, 4. Mai 2020

Infizierte: 14.006 Gestorben: 698

Am Morgen gab das Gesundheitsministerium bekannt: In Polen werden wegen des Verdachts auf Infektion mit dem Coronavirus 2.653 Personen in Krankenhäusern behandelt. 96.699 Personen befinden sich in häuslicher Quarantäne. Genesene: 4.095. Am Vortag durchgeführte Tests: ca. 7.800.

Am Freitag, dem 01.05. starben sieben Personen.

In Łódź/Lodsch: zwei Männer – 63, 62 Jahre. In Gliwice/Gleiwitz– Oberschlesien: ein Mann – 85 Jahre. In Gdańsk/Danzig: ein Mann – 86 Jahre. In Rybnik – Oberschlesien: ein Mann – 55 Jahre. In Zgierz bei Łódź/Lodsch: ein Mann – 89 Jahre. In Łomża Nordostpolen: eine Frau – 76 Jahre. R.I.P.

Samstag, den 02.05. haben zwölf Menschen wegen Corona nicht überlebt.

In Poznań: eine Frau – 84 Jahre und drei Männer – 74, 73, 69 Jahre. In Gdańsk/Danzig: zwei Frauen – 89, 87 Jahre. In Warschau: eine Frau – 89 Jahre. In Racibórz/Ratibor – Oberschlesien: ein Mann – 61 Jahre. In Kraków: eine Frau – 80 Jahre. In Tychy/Tichau – Oberschlesien: ein Mann – 75 Jahre. In Łomża – Nordostpolen: eine Frau – 86 Jahre. In Bolesławiec/Bunzlau – Niederschlesien: ein Mann – 64 Jahre. R.I.P.

Am Sonntag, dem 03.05. hat Corona fünfzehn Menschenleben ausgelöscht.

In Poznań: zwei Frauen – 88, 77 Jahre und ein Mann – 49 Jahre. In Tychy/Tichau – Oberschlesien: zwei Frauen – 82, 65 Jahre und ein Mann – 72 Jahre. In Bolesławiec/Bunzlau – Niederschlesien: zwei Frauen – 83, 65 Jahre. In Tomaszów Lubelski – Südostpolen: eine Frau – 87 Jahre. In Grudziądz/Graudenz: eine Frau – 79 Jahre. In Wrocław/Breslau: ein Mann – 63 Jahre. In Łańcut – Südostpolen: ein Mann – 86 Jahre. In Racibórz/Ratibor – Oberschlesien: ein Mann – 79 Jahre. In Gdańsk/Danzig: ein Mann – 71 Jahre. In Kędzierzyn-Koźle/Kandrzin-Cosel bei Opole/Oppeln: ein Mann – 62 Jahre. R.I.P.

Am Montag, dem 04.05. wurden zwanzig Corona-Tote gemeldet.

In Warschau: eine Frau – 88 Jahre, zwei Männer – 59, 67 Jahre. In Gdańsk/Danzig: drei Frauen – 93, 91, 87 Jahre. In Koszalin/Köslin: zwei Männer – 86, 44 Jahre. In Szczecin/Stettin: eine Frau – 76 Jahre und ein Mann – 77 Jahre. In Tychy/Tichau – Oberschlesien: zwei Männer – 71, 51 Jahre. In Żyrardów bei Łódź/Lodsch: eine Frau – 85 Jahre. In Białe Błota bei Bydgoszcz/Bromberg: eine Frau – 64 Jahre. In Poznań: ein Mann – 65 Jahre. In Gliwice/Gleiwitz – Oberschlesien: ein Mann – 70 Jahre. In Radom – Mittelpolen: ein Mann – 73 Jahre. In Wrocław/Breslau: ein Mann – 53 Jahre. In Kalisz – Mittelpolen: eine Frau – 87 Jahre. In Kędzierzyn-Koźle/Kandrzin-Cosel bei Opole/Oppeln: ein Mann – 79 Jahre. R.I.P.

Das Anti-Epidemie-Vorgehen der Regierung beurteilen 45 Prozent der Polen mit „eindeutig“- oder „eher positiv“. „Eindeutig“- oder „eher negativ“ sehen es 41 Prozent. 14 Prozent haben keine Meinung.

Die Beurteilungen sind, wie immer, sehr stark parteipolitisch gefärbt. Von denjenigen, die sich als Wähler von Recht und Gerechtigkeit ausgeben, beurteilen 86 Prozent die Epidemie-Maßnahmen der Regierung als positiv, 14 Prozent als negativ. Unter den Wählern der oppositionellen Bürgerplattform betragen die „Negativ“-Urteile 74 Prozent, „Positiv“-Urteile machen 26 Prozent aus. Repräsentativ ausgewählt und befragt wurden für die Untersuchung zwischen dem 28. und dem 30.04. 1.060 Personen.

Polen sei einer der vier EU-Staaten, denen in der Corona-Epidemie noch das Schlimmste bevorstehe, sagte heute Andrea Ammon, die Vorsitzende des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC). Die anderen drei seien Großbritannien, Rumänien und Schweden. In allen 4 Ländern steige die Zahl der Neuinfektionen seit zwei Wochen mit unveränderter Geschwindigkeit. In Bulgarien nehme die Pandemie sogar noch an Fahrt auf.

Andrea Ammon.

In allen anderen europäischen Ländern würden hingegen weniger Neuerkrankungen gemeldet. „Es sieht so aus, als ob am Samstag der Höhepunkt der ersten Welle in Europa überschritten wurde“, sagte Ammon. Das ECDC ist für alle 27 EU-Mitgliedsstaaten plus Großbritannien, Norwegen, Liechtenstein und Island zuständig.

Die Zahl der Sterbefälle bleibt in Polen konstant, so die heutige Mitteilung des Statistischen Hauptamtes (GUS). Die Zahl der Corona-Toten ist in Polen bis heute auf ca. 700 gestiegen. Bis jetzt wirkt sich jedoch die Corona-Epidemie nicht wesentlich auf die statistische Sterblichkeitsrate aus.

Im März 2020 starben in Polen 36.557 Personen. Im März 2019 waren es 36.112. Im März 2018 waren es deutlich mehr, 41.779 Menschen.

Im April 2020 starben 34.302 Personen. Im April 2019 waren es 33.611. Im April 2018 – 34.655 Menschen.

Die EU-Kommission hätte Polen ins Unglück stürzen können, so die These von Thomas Czypionka, Chef der Forschungsgruppe Gesundheitspolitik am renommierten Wiener Institut für Höhere Studien und Wissenschaftliche Forschung (IHS). „Der Widerstand der EU-Kommission gegen die Schließung der Grenzen durch Österreich, Polen, Tschechien und andere ostmitteleuropäische Staaten war völlig fehl am Platze. Das erste was nach dem Ausbruch der Corona-Epidemie Taiwan, Südkorea und Singapur eingeführt haben, waren Kontrollen von Reisenden aus China. Das war der Schlüssel zur Eindämmung der Epidemie.“

Thomas Czypionka.

Polen hat am 15.03. ein Einreiseverbot für Ausländer verhängt und den eigenen Bürgern, die aus dem Ausland kamen, eine 14-tägige Pflichtquarantäne verordnet. Ähnlich und zeitgleich handelten Tschechien, Ungarn, Litauen und Lettland.

Dennoch hat Ursula von der Leyen am 26.03., zum 25. Jahrestag der Unterzeichnung des Schengen-Abkommens, diese Vorgehensweise in ihrer Rede im Europäischen Parlament scharf kritisiert. „Europa kann nur dann wirksam und koordiniert der Corona-Epidemie die Stirn bieten, wenn unser gemeinsamer Markt und die Schengen-Zone so funktionieren wie sie sollen: Eine Krise, die keine Grenzen kennt kann nicht gelöst werden, indem Barrieren zwischen uns eingerichtet werden“, so von der Leyen.

„Hätten die Ostmitteleuropäer nur eine Woche später gehandelt, würden sehr viele infizierte und unkontrolliert eingereiste Ausländer und Einheimische die Situation deutlich verschlechtern. Ein Infizierter steckt pro Tag als Minimum drei weitere Personen an, meistens jedoch viel mehr.“, so Czypionka.

Seiner Meinung nach, sprechen die neusten Todeszahlen pro 1 Million Einwohner eindeutig für die Richtigkeit der frühen Grenzschließung. Slowakei – 4, Polen – 17, Tschechien – 22, Ungarn – 35, Deutschland – 81, Frankreich – 378, Großbritannien – 414, Italien – 475, Spanien – 537.

Klara, das erste polnische Corona-Baby hat am Wochenende das Krankenhaus verlassen. Beide Eltern waren Corona-infiziert, das Kind kam am 28.03. gesund auf die Welt. Wir haben darüber am 31.03., als die Nachricht bekanntgegeben wurde, berichtet. Jetzt, beim Verlassen des Krankenhauses, konnten die inzwischen genesenen Eltern ihre Tochter zum ersten Mal in ihre Arme schließen.

Das Krankenhaus in Zgierz (fonetisch Sgesch) bei Łodź/Lodsch ist ein Seuchenkrankenhaus und war zunächst für eine Entbindung nicht eingerichtet. Zudem, wie in solchen Fällen vorgeschrieben, musste es eine Geburt durch Kaiserschnitt sein, auf die sich das Team wegen der Infektion der Mutter gut vorbereiten musste. Eine solche Entbindung im kompletten Schutzanzug und mit mehrfach Schutzhandschuhen an den Händen vorzunehmen ist eine enorme Herausforderung.  Weil das Kind sich  nicht anstecken durfte, musste es sofort von der Mutter getrennt werden.

Kontakt gehalten wurde zum Schutz des Neugeborenen ausschließlich mittels Handyfotos- und Videos

Aufgeschnappt im polnischen Internet.

„In einem Jahr werdet ihr über dieses Virus lachen. Natürlich nicht alle.“

Donnerstag, 30. April 2020

Infizierte: 12.877 Gestorben: 644

♦Am Morgen gab das Gesundheitsministerium bekannt: In Polen werden wegen des Verdachts auf Infektion mit dem Coronavirus 3.012 Personen in Krankenhäusern behandelt. 88.265 Personen befinden sich in häuslicher Quarantäne. Genesene: 3.236. Am Vortag durchgeführte Tests: ca. 13.500.

Zwanzig Menschen hat Corona heute das Leben genommen.

In Warschau: vier Frauen – 93, 87, 78, 73 Jahre und ein Mann – 64 Jahre. In Racibórz/Ratibor – Oberschlesien: eine Frau – 72 Jahre und ein Mann – 75 Jahre. In Radomsko bei Łódź/Lodsch: eine Frau – 90 Jahre und ein Mann – 81 Jahre. In Tychy/TichauOberschlesien: zwei Männer – 85, 67 Jahre. In Zgierz bei Łodź/Lodsch: zwei Männer – 65, 49 Jahre. In Poznań: eine Frau – 86 Jahre. In Bytom/BeuthenOberschlesien: eine Frau – 80 Jahre. In Gdańsk/Danzig: ein Mann – 78 Jahre. In Wrocław/Breslau: eine Frau – 68 Jahre. In PłockMittelpolen: eine Frau – 85 Jahre. In Wolica bei Kalisz – Mittelpolen: ein Mann – 93 Jahre. In Radom – Mittelpolen: ein Mann – 91 Jahre. R.I.P.

Grenzgänger dürfen ab dem 04.05. wieder pendeln, ohne anschließend für 14 Tage in Quarantäne gehen zu müssen. Das hat heute Nachmittag Ministerpräsident Mateusz Morawiecki auf Twitter bekanntgegeben.

„Wir haben die Epidemie nicht besiegt, aber wir haben sie zunehmend unter Kontrolle und können deswegen entschiedener die Wirtschaft wiederbeleben“, so Morawiecki.

Gleichzeitig bergen Grenzöffnungen die Gefahr, dass sich die Zahl der Infizierten schnell erhöhen kann. „Deshalb gleicht das Austarieren der Interessen der Pendler mit der Notwendigkeit der Epidemie-Eindämmung einem Seiltanz. Wir dürfen auf keinen Fall das Gleichgewicht verlieren“, schrieb Morawiecki. Damit dürfte vorerst ein Konflikt zwischen den polnischen Behörden auf der einen und den polnischen Pendlern sowie deutschen Stellen auf der anderen Seite beigelegt sein.

Seit dem 27.03. muss jeder Pole, der aus dem Ausland kommt für 14 Tage in Quarantäne. Damit waren polnische Pendler von ihren Arbeitsplätzen in Deutschland und Tschechien abgeschnitten, es sei denn, sie suchten sich eine Unterkunft jenseits der Grenze. Nach deutschen Berechnungen pendeln allein nach Berlin und Brandenburg 26.000 Polen zur Arbeit.

Die Pendler-Sperre wurde knapp zwei Wochen nach der Schließung der polnischen Grenzen am 15.03. eingeführt. Der rege Pendlerverkehr nahm an Wochenenden noch erheblich zu. Polen aus entfernteren Gegenden Deutschlands kamen am Freitag nach Hause und fuhren am Sonntag oder Montag zurück. Viele nutzten ihren Status, um am Samstag noch schnell zum Einkaufen nach Deutschland zu fahren.

Der Sperre waren alarmierende Medienberichte vorausgegangen, wonach nur jeder sechste Pole, der z. B. am Montag, dem 23.03. die Grenzen zu Deutschland oder Tschechien heimwärts passiert hatte, in die 14-tägige Quarantäne geschickt werden konnte. Das machte die Grenzschließung weitgehend zu einer Fiktion, so die Behörden.

Sie verwiesen darauf, dass gerade die Grenz-Woiwodschaften (Provinzen) Lubuskie/Leubus mit Jelenia Góra/Hirschberg und Zachodniopomorskie/Westpommern mit Szczecin/Stettin zu den am wenigsten verseuchten Gebieten gehören. Leubus ist zudem die einzige Woiwodschaft, in der es bis zum 30.04. keine Corona-Toten gab (siehe die aktuelle Karte oben).

Am 24.04. protestierten polnische Pendler an einigen gesperrten polnisch-deutschen Grenzübergängen und forderten freien Zugang zu ihren Arbeitsplätzen.

Gleichzeitig erhöhten deutsche Stellen den Druck auf Polen. Am 23.04. forderte der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke in einem Schreiben die polnischen Behörden dazu auf, die Pendler täglich die Grenze in beide Richtungen passieren zu lassen. Am 26.04. verstieg sich der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer in einem DPA-Interview zu der Feststellung: „Polen habe sich vergaloppiert“ und es sei „ein großes Unglück, was da passiert.“

In einer Stellungnahme der zuständigen Regierungsstelle in Warschau hieß es am 25.04., man habe durchaus Verständnis für die Anliegen der Pendler, „nichtsdestoweniger dürfen wir nicht vergessen, dass wir es außerhalb Polens, zum Beispiel in Deutschland, mit einer viel schwierigeren Situation zu tun haben, was die Erkrankungen angeht. Wir müssen zugleich das Risiko, das mit der Übertragung des Virus aus dem Ausland verbunden ist und die Bedürfnisse der Bewohner der grenznahen Gebiete in Betracht ziehen .“

Der Zentrale Krisenstab in Warschau wollte sich dem Problem Mitte der Woche widmen, was offensichtlich geschehen ist und die Sperre wurde aufgehoben.

Auf der deutschen Seite arbeiten die Polen zumeist auf dem Bau, in Gärtnereien, in der Pflege und im Gesundheitswesen. So z. B. machen polnische Ärzte, Krankenschwestern und Reinigungskräfte einen erheblichen Teil der Belegschaft des Krankenhauses in Frankfurt (Oder) aus. In Tschechien arbeiten die Polen überwiegend im Bergbau.

Eine Drohne hat heute in Warschau den ersten unbemannten Flug im Dienste der Corona-Bekämpfung absolviert. Die Drohne „Hermes“ (auf dem Bild oben) brachte Abstriche von Patienten von einem Krankenhaus in ein anderes. Dort sollen sie auf das Vorhandensein des Corona-Virus untersucht werden. Die zurückgelegte Entfernung betrug ca. 3 Kilometer.

Es war der erste Drohnen-Cargo-Flug im Dienste der Corona-Epidemiebekämpfung in der Europäischen Union. Er wurde ferngesteuert, aber schon bald soll die Drohne völlig autonom, ohne menschliches Zutun, zwischen den beiden Krankenhäusern pendeln.

In Polen werden im Augenblick etwa 150 Krankenwagen ausschließlich dazu eingesetzt, um Corona-Abstriche zu den inzwischen knapp 100 Laboren zu bringen. Drohnen sollen sie entlasten und teilweise ersetzen.

Die Firma Spartaqs mit Sitz im oberschlesichen Mikołów/Nikolai, die „Hermes“ konstruiert hat, betont in ihrer Presseverlautbarung, dass der heutige Flug der Einstieg in eine intensive Nutzung von Drohnen im Dienste der Corona-Bekämpfung gewesen sei.

Janusz Janiszewski.

Janusz Janiszewski, Chef der staatlichen polnischen Luftverkehrsverwaltung (PAZP), sprach heute davon, dass die Umstellung auf Drohnen unmittelbar bevorsteht. Es sei eine Frage von Wochen. Die PZAP hat im März dieses Jahres eine Flugsicherheitszentrale für Drohnenflüge (PansaUTM) eingerichtet, die eine schnelle digitale Kontaktaufnahme zwischen zivilen Fluglotsen und den Lenkern der Drohnen ermöglicht. Es ist die erste Einrichtung dieser Art in Europa.

Im oberschlesischen Sosnowiec will Spartaqs in diesen Tagen eine Desinfektions-Drohne in die Luft schicken. Mit 15 Litern Entkeimungsflüssigkeit beladen soll sie nach Betriebsschluss, auf einem Flug, bis zu sechs Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs desinfizieren. Das sei effektiver, schneller und ungefährlicher als wenn man Desinfektions-Trupps zu Fuß losschickt. Zudem verfügt die Drohne über einen UV-Licht-Strahler, mit dem Viren und Bakterien abgetötet werden

Einsatzbereit ist inzwischen auch die Drohne „Esculape“. Mittels einer hochempfindlichen Apparatur kann sie aus 100 Meter Entfernung Menschen mit Fieber ausmachen. Außerdem verfügt sie über Lautsprecher für wichtige Durchsagen. Diese sind aus einer Höhe von 20 bis 100 Metern viel besser vernehmbar, als Bekanntmachungen, die von Lautsprecherwagen aus gemacht werden.

Alle führenden polnischen Drohnen-Hersteller: die besagte Firma Spartaqs, dazu FlyTronic aus Gliwice/Gleiwitz in Oberschlesien, uAvionics aus Warschau, FlyTech aus Kraków und Cervi Robotics aus Rzeszów im Südosten des Landes haben dem Infrastruktur-Ministerium ihre Angebote unterbreitet, sich mit ihren Produkten an der Epidemie-Bekämpfung zu beteiligen.

Mit der Lockerung der Epidemie-Einschränkungen werden ab dem 04.05. die besonderen Einkaufsmöglichkeiten für ältere Menschen abgeschafft, das wurde heute bekanntgegeben. Einige Wochen lang durften zwischen 10 und 12 Uhr nur Kunden über 65 Jahre einkaufen. Da sich nur 4 Kunden pro (auch unbesetzte) Kasse in den Supermärkten und Geschäften aufhalten durften, wollte man so den Älteren das lange Anstehen im Freien ersparen.

Das Rasen in Corona-Zeiten macht Sorgen. Leere Straßen während der Seuche verleiten dazu mal so richtig Gas zu geben. Wie die Verkehrspolizei heute bekannt gab, haben zwischen dem 14.03. und 13.04. Radargeräte in ganz Polen, sage und schreibe, 125.600 Geschwindigkeitsübertretungen registriert.

Gut die Hälfte davon betrug bis zu 20 km/h. Um 21 bis 30 km/h zu schnell unterwegs waren 33,5 Prozent der Fahrer. Immerhin 855 fuhren mehr als 50 km/h zu schnell. In derselben Zeit vor einem Jahr waren es 663.

Wer 50 km/h und mehr zu schnell gefahren ist, verliert automatisch für drei Monate den Führerschein. Der Rekordhalter fuhr innerhalb einer Ortschaft 110 km/h zu schnell, der „Zweitbeste“ 103 km/h. Bei solchen „Leistungen“, so die Verkehrspolizei, sind oft Alkohol und/oder Drogen im Spiel.

Aufgeschnappt im polnischen Internet.

„Er konnte sich nicht die Hände waschen, und schon gibt es ihn nicht mehr!“

Mittwoch, 29. April 2020

Infizierte: 12.640 Gestorben: 624

Am Morgen gab das Gesundheitsministerium bekannt: In Polen werden wegen des Verdachts auf Infektion mit dem Coronavirus 2.973 Personen in Krankenhäusern behandelt. 85.837 Personen befinden sich in häuslicher Quarantäne. Genesene: 3.025. Am Vortag durchgeführte Tests: ca. 13.700.

Heute starben achtundzwanzig Menschen.

In Łańcut Südostpolen: zwei Frauen – 90, 72 Jahre und zwei Männer – 82, 76 Jahre. In Zgierz bei Łódź/Lodsch: drei Frauen – 87, 73, 70 Jahre und ein Mann – 96 Jahre. In Tychy/TichauOberschlesien: eine Frau – 62 Jahre und drei Männer – 93, 90, 81 Jahre. In Warschau: zwei Männer – 83, 68 Jahre. In Kędzierzyn-Koźle/Kandrzin-Cosel bei Opole/Oppeln: eine Frau – 75 Jahre und ein Mann – 66 Jahre. In Gdańsk/Danzig: eine Frau – 84 Jahre und ein Mann – 80 Jahre. In Racibórz/Ratibor – Oberschlesien: zwei Männer – 86, 68 Jahre. In Ruda Śląśka/Ruda – Oberschlesien: ein Mann – 78 Jahre. In Kraków: eine Frau – 84 Jahre. In Grudziądz/Graudenz: eine Frau – 84 Jahre. In Oborniki Śląskie/Obernigk – Niederschlesien: eine Frau – 88 Jahre. In Szczecin/Stettin: eine Frau – 31 Jahre. In Wałbrzych/Waldenburg – Niederschlesien: ein Mann – 65 Jahre. In Radom – Mittelpolen: eine Frau – 83 Jahre. In Wrocław/Breslau: eine Frau – 80 Jahre. R.I.P

Heute Mittag gab Ministerpräsident Mateusz Morawiecki weitere Lockerungen der Epidemie-Bestimmungen bekannt.

Einkaufsgalerien werden am 04.05. wieder geöffnet. ●Dort befindliche Kinos, Spielecken sowie offene Verkaufsinseln in den Gängen bleiben aber weiterhin geschlossen. Kunden müssen Schutzmasken und in den Selbstbedienungsläden auch Einmal-Handschuhe tragen, die der Inhaber am Eingang zur Verfügung stellen muss. In jeder Einkaufsgalerie muss man wenigstens an einem Ort Schutzmasken kaufen können. Die Gastronomie vor Ort darf Speisen und Getränke nur zum Mitnehmen anbieten. In den Toiletten darf sich nur ein Benutzer pro zwei Kabinen aufhalten. Handtrockner mit Luftgebläse müssen stillgelegt werden.

Baumärkte dürfen ab dem 04.05. auch an Samstagen geöffnet haben. Möbelhäuser und Geschäfte werden wieder geöffnet. Erlaubt ist 1 Kunde pro 15 Quadratmeter.

Auch Hotels und Pensionen werden am 04.05. öffnen.An den Eingängen, an der Rezeption, an den Eingängen zu den Fahrstühlen und Toiletten müssen Spender mit Desinfektionsflüssigkeiten angebracht sein. An der Rezeption muss es Schutzmasken zu kaufen geben. Nach jedem Aufenthalt muss das Zimmer nicht nur gereinigt, sondern auch desinfiziert werden. Die Gastronomie darf das Essen nur in den Zimmern servieren. Schwimmbecken und Spa-Einrichtungen bleiben geschlossen.

Bibliotheken sollen ab dem 04.05. wieder geöffnet haben. Vorerst sollen nur die Ausleihen arbeiten. Zurückgegebene Bücher müssen in einem separaten Raum 14 Tage lang liegenbleiben bevor sie wieder in Umlauf kommen.

Reha-Einrichtungen werden ebenfalls am 04.05. aktiviert. Patienten müssen Schutzmasken tragen. Nach jeder Anwendung sollen alle von ihnen benutzten und berührten Gegenstände sorgfältig desinfiziert werden. Fitnessstudios bleiben geschlossen.

Kinderkrippen und Kindergärten werden am 06.05. geöffnet, aber nur für eine begrenzte Zahl von Kindern. Für wie viele, das müssen die Einrichtungen mit den Eltern ausmachen. Spielzeug von zuhause darf nicht mitgebracht werden. Plüschspielzeug muss entfernt werden, weil es nicht desinfiziert werden kann. Zähne werden in der Krippe nicht geputzt. Spielplätze im Freien, die sich auf dem Gelände befinden, dürfen benutzt werden, wenn sie anschließend jedes Mal gründlich desinfiziert werden. 

Sanitätsämter in ganz Polen haben Geldstrafen in Höhe von 9 Millionen Zloty (momentan ca. 2 Millionen Euro) verhängt, seitdem am 23.03. der Epidemie-Zustand proklamiert wurde. Das ist heute bekannt geworden.

Die Staatliche Sanitätsinspektion (Państwowa Inspekcja Sanitarna), allgemein Sanepid genannt, ist für die Hygiene- und Epidemieüberwachung zuständig. Staatliche Inspektoren leiten Sanitätsämter auf Woiwodschafts (Provinz)- und Landkreisebene. Sie haben im Epidemie-Zustand sehr weitreichende Vollmachten bekommen. Sie dürfen u. a. Zuwiderhandlungen bei Epidemiemaßnahmen mit Geldbußen zwischen 5.000 (aktuell gut 1.100 Euro) und 30.000 Zloty (aktuell gut 6.600 Euro) bestrafen.

Bis jetzt sind bei den Sanitätsämtern knapp 11.000 Anträge der Polizei aufgrund von Verstößen eingegangen. Meistens handelt es sich dabei um die Nichteinhaltung der Quarantänevorschriften. Die Gesundheitsämter der Landkreise haben bisher knapp 2.000 von ihnen stattgegeben und Geldbußen in der erwähnten Gesamthöhe von 9 Millionen Zloty verhängt. Der Rest der Anträge wartet auf Bearbeitung.

Die Bestraften haben die Möglichkeit, Einspruch bei den Gesundheitsämtern der zuständigen Woiwodschaft einzulegen. Wird die Geldbuße beibehalten, kann der Betroffene dagegen Klage beim Verwaltungsgericht einreichen. Bezahlen muss er erst, wenn die Entscheidung einer der Instanzen rechtskräftig geworden ist, da die Epidemievorschriften eine sofortige Vollstreckbarkeit nicht vorsehen.

♦ Eine polnische medizinische Hilfsmission arbeitet seit dem 24.04. in Chicago. Neun Militärärzte und Rettungssanitäter sollen bis zum 02.05. in dem von der US-Armee gerade eingerichteten provisorischen Corona-Krankenhaus für 2.250 Patienten im McCormick Place Convention Center, dem größten Ausstellungs- und Kongresszentrum der USA, arbeiten. Im Jahr 2012 hat dort das Nato-Gipfeltreffen stattgefunden.

Corona-Krankenhaus für 2.250 Patienten im McCormick Place Convention Center.

Es geht vor allem darum, die amerikanischen Erfahrungen mit so großen Einrichtungen kennenzulernen. Bei einem drastischen Anstieg der Erkrankungen in Polen, könnten sie von großem Nutzen sein.

Heute hat einer der Teilnehmer, Militärarzt Hauptmann Jacek Siewiera, in den polnischen Medien über die ersten Eindrücke gesprochen.

Jacek Siewiera.

Siewieras Thesen:

Ich bin auch Anfang April in der Lombardei  mit dabei gewesen, zusammen mit unserer polnischen Hilfsmission. Die Ausmaße der Epidemie, sowohl dort als auch in den USA, übersteigen unsere Vorstellungskraft, weil wir in Polen solche Zustände zum Glück nicht kennen.

In Norditalien, obwohl das eine wohlhabende und medizinisch strukturstarke Region ist, ist das Gesundheitswesen irgendwann zusammengebrochen. Die Last der Epidemie, mit ihren Tausenden von Corona-Patienten, war zu groß. In den USA funktioniert es bis jetzt, obwohl die Epidemie dort noch weit größere Dimensionen hat. Die amerikanischen Möglichkeiten sind eben unvergleichbar größer.

Das amerikanische Gesundheitswesen ist sehr flexibel. Krankenhäuser, die noch vor kurzem am Rande des Ruins standen, funktionieren heute sehr gut, weil die Behörden sie für die Corona-Bekämpfung engagiert haben und dafür bezahlen.

Die Reserven, über die das amerikanische Gesundheitswesen verfügt, sind immer noch sehr groß. An manchen Orten werden Pläne des Baus von provisorischen Krankenhäusern wieder verworfen, weil die ansässigen Krankenhäuser nicht genug ausgelastet sind.

Der typisch amerikanische Schwung im Handeln ist wahrlich beeindruckend. Wenn sie eine Isoliereinrichtung bauen, dann gleich für 3.000 Betten. Wenn dahinsiechende Krankenhäuser in Chicago reaktiviert werden, dann sind es gleich 12 auf einen Schlag.

Für uns sind die amerikanischen klinischen Untersuchungen und ihre Erfahrungen mit den Medikamenten, die sie in der Corona-Therapie anwenden, von unschätzbarem Wert. Die Amerikaner können es sich leisten fünf oder sechs große klinische Untersuchungen gleichzeitig durchzuführen, um zu prüfen, welche vorhandenen Medikamente sich zur Corona-Therapie eignen und welche nicht. Welche Dosis man wann anwenden soll. Das kostet immense Summen.

Die absolute Zahl der Corona-Tests, die sie machen, ist natürlich enorm. Die USA kann man da nur mit ganz Europa vergleichen. Doch wenn wir das jeweils auf eine Million Einwohner herunterbrechen, dann sind die Zahlen ernüchternd.

Im Bundesstaat Illinois, wo wir jetzt sind und der 12 Millionen Einwohner zählt, werden etwa 10.000 Tests pro Tag gemacht. In Polen sind es ebenfalls zwischen 10.000 und 13.000 Tests pro Tag, bei einer Bevölkerung von etwa 38 Millionen, aber bei einer unvergleichbar niedrigeren Zahl der Erkrankungen. Ich würde die Behauptung riskieren, es handelt sich letztendlich um einen vergleichbaren Testumfang. 

Aufgeschnappt im polnischen Internet.

„Noch ein Tag… Noch ein Tag ohne Fußball.“

Dienstag, 28. April 2020

Infizierte: 12.218 Gestorben: 596

♦Am Morgen gab das Gesundheitsministerium bekannt: In Polen werden wegen des Verdachts auf Infektion mit dem Coronavirus 2.934 Personen in Krankenhäusern behandelt. 82.643 Personen befinden sich in häuslicher Quarantäne. Genesene: 2.655. Am Vortag durchgeführte Tests: ca. 12.800

♦Noch mehr Tote als gestern: vierunddreißig.

In Warschau: fünf Frauen – 92, 91, 89, 87, 83 Jahre und vier Männer – 89, 83, 80, 53 Jahre. In Racibórz/RatiborOberschlesien: drei Frauen – 94, 67, 42 Jahre und zwei Männer – 69, 68 Jahre. In Gdańsk/Danzig: zwei Frauen – 85, 72 Jahre und ein Mann – 92 Jahre. In Kędzierzyn-Koźle/Kandrzin-Cosel bei Opole/Oppeln: zwei Männer – 73, 46 Jahre. In Poznań: eine Frau – 57 Jahre und ein Mann – 86 Jahre. In KozieniceMittelpolen: zwei Frauen – 83, 81 Jahre. In Radom – Mittelpolen: eine Frau – 71 Jahre und ein Mann: 75 Jahre. In Łańcut – Südostpolen: eine Frau – 77 Jahre. In Bytom/Beuthen – Oberschlesien: ein Mann – 70 Jahre. In Zgierz bei Łódź/Lodsch: eine Frau – 96 Jahre. In Radomsko bei Łodź/Lodsch: ein Mann – 86 Jahre. In Grudziądz/Graudenz: ein Mann – 76 Jahre. In Wrocław/Breslau: eine Frau – 73 Jahre. In Wolica bei Kalisz – Mittelpolen: eine Frau – 95 Jahre. In Oborniki Śląskie/Obernigk – Niederschlesien: eine Frau – 86 Jahre. In Starachowice – Mittelpolen: eine Frau – 98 Jahre.

♦Wie sind die Epidemie-Aussichten? Das war heute früh Gegenstand eines Gespräches mit Gesundheitsminister Łukasz Szumowski im Polnischen Rundfunk.

Łukasz Szumowski.

Szumowskis Thesen:

Wir müssen ernsthaft davon ausgehen, dass uns im Herbst und Winter eine zweite Corona-Welle überrollen wird, wahrscheinlich gepaart mit einer Grippe-Epidemie. Auf solch einen GAU muss das Land vorbereitet sein. Das heißt, ich muss die Möglichkeit haben, jedem, der es braucht, ein Beatmungsgerät zur Verfügung zu stellen. Eine Situation wie in Spanien, wo entschieden werden musste, wer beatmet wird und bei wem sich das nicht mehr „lohnt“, darf es nicht geben.

Wir haben jetzt in den Seuchenkrankenhäusern 10.000 Betten, von denen knapp 3.000 belegt sind. Gut 1.000 von diesen Betten sind Intensivstation-Betten, von denen bis jetzt zur selben Zeit nie mehr als ca. 160 genutzt wurden. Heute gibt es also einen Sicherheitspuffer, aber ob der eventuell für den Herbst-Winter ausreicht? Irgendwann stößt jedes Gesundheitssystem an seine Grenzen, aber wir wollen sie weiterhin ausweiten.

Ja, auch wir stehen unter einem wachsenden Druck, Lockerungen vorzunehmen. Wir machen das sehr vorsichtig. Bei uns herrscht diesbezüglich noch Eiszeit, während von überallher Meldungen kommen, dass Einschränkungen zurückgenommen werden: aus Tschechien, Österreich, Deutschland. Das schürt natürlich auch bei uns Erwartungen. Inzwischen aber hören wir aus Deutschland, dass dort, nach der ersten Lockerung, die Ansteckungsrate wieder zugenommen hat. Das ist unser aller Dilemma.

♦“Lex Corona-Virus“ für Autofahrer, Berufskraftfahrer und andere motorisierte Verkehrsteilnehmer ist in Kraft getreten. Um die Ansteckungsgefahr auf den Verkehrsämtern zu vermeiden, wurde die Gültigkeit aller abgelaufenen Führerscheine, Fahrerlaubnisse für Berufskraftfahrer, Fahrlehrerzulassungen, aber auch Tram-Führerscheine u. ä. automatisch bis zwei Monate nach Beendigung des jetzt in Polen geltenden Epidemiezustandes verlängert.

♦Nepper, Schlepper und Bauernfänger treiben ihr Unwesen, auch in der Corona-Zeit. Einer von ihnen ist Tomasz D., dem die Polizei gerade das Handwerk gelegt hat.

Der umtriebige Lokalfunktionär der Bauernpartei in der Gegend von Gdańsk und Gdynia an der Ostseeküste, verkündete immer wieder in den sozialen Medien, er wolle sich im Fernsehen, vor laufenden Kameras, mit dem Corona-Virus anstecken lassen. Anschließend werde er eine Kapsel einnehmen und danach ein Glas „Wasser mit veränderter Struktur“ trinken. Das Virus werde er so innerhalb von fünf Minuten los sein, was ein Test beweisen wird.

Die Beharrlichkeit, mit der der Mann seinen Werbefeldzug betrieb, lenkte schließlich die Aufmerksamkeit der örtlichen Arzneimittelaufsicht auf ihn. Eine in Begleitung der Polizei durchgeführte Hausdurchsuchung brachte das Pseudomedikament „NanoAstax“ ans Tageslicht, das angeblich der Infizierung mit dem Corona-Virus „mit hundertprozentiger Sicherheit“ vorbeugen sollte. Bevor die Behörden einschritten, waren bereits einige Dutzend Leichtgläubige darauf hereingefallen. 5 Milligramm kosteten 350 Zloty (aktuell knapp 80 Euro).

Zudem kam ein prallgefülltes Lager mit Kapseln, Tropfen und Pillen, selbstklebenden Etiketten sowie Plastikfläschchen zum Vorschein. Es waren „Medikamente“ gegen Krebs, Diabetes, Schlaganfall, die der Mann unter der Hand vertrieben hatte.

Der Haftrichter lehnte den Antrag der Staatsanwaltschaft auf Untersuchungshaft ab. Mit der Auflage, sich regelmäßig bei der Polizei zu melden, wartet der Mann nun auf das Ende der Untersuchung und auf seinen Prozess. Bei Arzneimittelbetrug droht eine Strafe von bis zu 8 Jahren Freiheitsentzug.

♦Aufgeschnappt im polnischen Internet.

„Diese Frau kam in unseren Laden und sagte, dass das die einzige Schutzmaske ist, die sie auftreiben konnte.“

Montag, 27.April 2020

Infizierte: 11.902  Gestorben: 562

♦ Am Morgen gab das Gesundheitsministerium bekannt: In Polen werden wegen des Verdachts auf Infektion mit dem Coronavirus 2.759 Personen in  Krankenhäusern behandelt. 78.878 Personen befinden sich in häuslicher Quarantäne. Genesene: 2.466  Am Vortag durchgeführte Tests: ca. 7.200

♦ Die Todesrate bleibt hoch. Heute sind siebenundzwanzig Menschen gestorben.

In Warschau: eine Frau -75 Jahre und vier Männer – 93, 81,70, 56 Jahre. In Poznań: zwei Frauen – 92, 77 Jahre und ein Mann 77 Jahre. In Radom – Mittelpolen: zwei Frauen – 88, 83 Jahre. In Kraków: zwei Männer – 86, 68 Jahre. In Wolica bei Kalisz – Mittelpolen: zwei Frauen – 84, 81 Jahre. In Kędzierzyn-Koźle/Kandrzin-Cosel bei Opole/Oppeln: eine Frau – 61 Jahre und ein Mann – 70 Jahre. In Gdańsk/Danzig: eine Frau – 95 Jahre und ein Mann – 56 Jahre. In Łańcut – Südostpolen: eine Frau – 80 Jahre und ein Mann – 78 Jahre. In Tychy/Tichau – Oberschlesien: eine Frau – 85 Jahre und ein Mann – 46 Jahre. In Biłgoraj – Südostpolen: ein Mann – 90 Jahre. In Gliwice/Gleiwitz -Oberschlesien: eine Frau – 76 Jahre. In Siedlce – Ostpolen: eine Frau- 90 Jahre. In Bystra/Bistra – Oberschlesien: ein Mann – 89 Jahre. In Racibórz/Ratibor – Oberschlesien: ein Mann – 80 Jahre. R.I.P.

Stanisław Bigos (rechts im. Bild).

♦ Und er hat Corona überlebt. Der 100-jährige Stanisław Bigos wurde heute als geheilt aus dem Krankenhaus in Warschau entlassen. Der Rentner war im Krieg Partisan und danach Feuerwehrmann, so die Mitteilung des Krankenhauses.

♦Alte Menschen vor Corona schützen, das könnte sich in Polen als besonders schwierig erweisen, so das Fazit einer Studie, die heute das renommierte, 1991 gegründete, private Warschauer Forschungsinstitut Centrum Analiz Ekonomicznych veröffentlicht hat. Die Zahl der Mehr-Generationen-Haushalte ist in Polen sehr hoch.

Alles spricht bisher dafür, dass sich Kinder und Jugendliche zwar mit Corona infizieren, aber die Krankheit verläuft bei ihnen meistens symptomlos. Sie können jedoch andere anstecken. Nach der Wiederöffnung von Hochschulen, Schulen und Kindereinrichtungen könnte deswegen eine neue große Welle von Erkrankungen die ältere Generation in Polen erfassen. Mit unabsehbaren Folgen für die Kapazitäten des Gesundheitswesens.

Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie:

Knapp 40 Prozent aller Personen im Alter von 65+ leben in Polen in einem Haushalt mit Menschen, die jünger als 50 sind (Ehepartner oder Partner nicht mitgezählt).

Zum Vergleich: In Dänemark sind es ca. 4 Prozent, in Spanien 27 Prozent.

Etwa 20 Prozent aller 65+ leben in Polen in einem Haushalt mit Kindern und Jugendlichen zwischen 0 und 18 Jahren. Auf dem Land sind es 40 Prozent.

Nur 1,2 Prozent aller 65 + leben in Polen in Alters- und Pflegeheimen. In den Niederlanden, Belgien und Deutschland sind es bis zu 10 Prozent.

Die Wiederbelebung des normalen Lehr- und Erziehungsbetriebs muss die polnischen Lebensumstände berücksichtigen, so die Warnung der Autoren, begleitet von einer sehr breiten Aufklärungskampagne über Risiken und Schutzmethoden für alte Menschen.

♦ Mehr als 3.000 polnische Ordensschwestern sind an der Epidemie-Bekämpfung beteiligt. Das hat heute die Ursulinen-Schwester Jolanta Olech bekanntgegeben, Generalsekretärin der Konferenz der Oberinnen der Weiblichen Ordenskongregationen in Polen.

Schwester Jolanta Olech.

Gemäß den Angaben einzelner Orden, so Schwester Jolanta Olech, haben sich insgesamt 377 Schwestern in ganz Polen freiwillig in Pflege- und Heileinrichtungen gemeldet, um ausgefallenes Personal zu ersetzen.

Außerdem sind 32 Schwestern als Ärztinnen und 1.020 als Krankenschwestern tätig. Sie arbeiten überwiegend in den ordenseigenen Pflege- und medizinischen Einrichtungen, die das Corona-Virus ebenfalls nicht verschont.

Darüber hinaus sind 1.139 Schwestern regelmäßig mit dem Nähen von Schutzmasken und Overalls beschäftigt.

♦ Familien fordern, wenigstens ein Foto des am Corona-Virus verstorbenen Verwandten zu bekommen, das unmittelbar vor der Sargschließung gemacht wurde. Dieses Anliegen hat der  Bürgerbeauftragte des Parlaments, Dr. Adam Bodnar, heute an das Gesundheitsministerium weitergeleitet.

Immer wieder wenden sich Hinterbliebene von Corona-Opfern an ihn, weil sie mit dem Umgang der Krankenhäuser mit ihren verstorbenen Familienmitgliedern nicht zurechtkommen.

Adam Bodnar.

Als Beispiel führt Bodnar die Familie eines älteren Mannes an, der in einem Pflegeheim lebte. Als er Anfang März noch gesund war, durfte die Familie ihn nicht mehr besuchen, weil bereits ein Besuchsverbot für Heime galt. Bald darauf kam die Nachricht, dass es ihm schlecht gehe und eine Verlegung ins Krankenhaus erfolgt sei.

Nach einiger Zeit erfuhren die Angehörigen vom Tod des Patienten. Ihnen wurde mitgeteilt, dass sie den Sarg nicht öffnen dürfen. So seien die Vorschriften in Bezug auf verstorbene Corona-Patienten. Ein Foto des Verstorbenen im Sarg dürfe das Krankenhaus nicht machen. Die Beerdigung fand 6 Wochen  nachdem die Familie den Großvater das letzte Mal gesehen hatte statt.

Ein solches Vorgehen mache die Identifizierung des Verstorbenen durch die Familie unmöglich, so der Bürgerbeauftragte. Viele Familien empfinden die Ungewissheit, ob sie ihren Verwandten oder vielleicht eine fremde Person bestatten, als unerträglich. Bodnar forderte in seinem heute bekanntgewordenen Schreiben das Gesundheitsministerium auf, diesen Zustand im Sinne der Hinterbliebenen dringend zu ändern, weil ihnen durch die bestehende Regelung zusätzlicher Schmerz zugefügt wird.

♦ Die Desinfektion von Straßen und Plätzen ist der Corona-Bekämpfung sehr dienlich, so die Wissenschaftler vom Biotechnologiezentrum der Jagiellonen Universität in Kraków.

Das ist das Fazit einer Untersuchung, die sie zwischen dem 17.03. und 06.04. durchgeführt haben. In der ersten Phase wurden Abstriche an Geld- und Fahrkartenautomaten in den belebtesten Gegenden der Stadt gemacht. Für die Untersuchung auf Corona-Viren wurde der Gentest „Real-Time Fluorescent RT-PCR kit for detecting 2019-nCoV (SARS-CoV-2)“ der Firma BGI Genomics Co. Ltd. verwendet. Er gilt als hochempfindlich und als einer der genauesten, die es auf dem Markt gibt. Er ist in der Lage, sogar einzelne Kopien des Virus ausfindig zu machen.

Die Untersuchungen ergaben, dass 40 Prozent der ersten Abstriche mit dem Corona-Virus infiziert waren. Anfang April, nachdem die Stadt umfangreiche Desinfektionsmaßnahmen durchgeführt hatte, war nur noch ein Abstrich pro Hundert positiv. Das Virus, so die Wissenschaftler, tauche dort auf, wo sich eine infizierte Person aufgehalten hat, ist jedoch nicht mehr ständig im öffentlichen Raum anwesend.

Die Stadt Kraków hat mit der Desinfektion der belebtesten Orte am 20.03. begonnen und dafür 3 Millionen Zloty (aktuell knapp 700.000 Euro) veranschlagt. Pro Tag sind 30 Sprinklerwagen und 60 Personen im Einsatz.

♦ Aufgeschnappt im polnischen Internet.

„Sie sagen, zum Einkaufen reichen Mundschutz und Handschuhe aus, aber das stimmt nicht. Heute wollte die Frau an der Kasse Geld von mir haben.“

 

Samstag, 25./Sonntag, 26.April 2020

Infizierte: 11.617  Gestorben: 535

♦ Am heutigen Morgen gab das Gesundheitsministerium bekannt: In Polen werden wegen des Verdachts auf Infektion mit dem Coronavirus 2.749 Personen in  Krankenhäusern behandelt. 79.600 Personen befinden sich in häuslicher Quarantäne. Genesene: 2.265  Am Vortag durchgeführte Tests: ca. 11.600  

♦ Am Samstag, dem 25. April, starben dreißig Menschen.

In Radom – Mittelpolen: drei Frauen – 95, 89, 85 Jahre und drei Männer – 80, 77, 59 Jahre. In Warschau: vier Frauen – 87, 84, 70, 70 Jahre und ein Mann – 79 Jahre.  In Poznań: zwei Frauen – 82, 77 Jahre und ein Mann – 57 Jahre. In Tychy/Tichau – Oberschlesien: zwei Frauen – 84, 53 Jahre und ein Mann – 90 Jahre. In Kędzierzyn-Koźle/Kandrzin-Cosel bei Opole/Oppeln: eine Frau – 85 Jahre und ein Mann – 84 Jahre. In Kraków: zwei Männer – 76, 74 Jahre. In Grudziądz/Graudenz: zwei Männer – 75, 56 Jahre. In Wrocław/Breslau: eine Frau – 73 Jahre und ein Mann – 78 Jahre. In Zgierz bei Łódź/Lodsch: ein Mann – 84 Jahre. In Racibórz/Ratibor – Oberschlesien: eine Frau – 71 Jahre. In Starachowice – Mittelpolen: eine Frau – 89 Jahre. In Bolesławiec/Bunzlau – Niederschlesien: ein Mann – 85 Jahre. In Szczecin/Stettin: eine Frau – 83 Jahre. R.I.P.

♦ Am Sonntag, dem 26.April, starben elf Personen. 

In Radom – Mittelpolen:In: zwei Männer – 79, 72 Jahre, In Puławy bei Warschau: eine Frau – 59 Jahre und ein Mann – 90 Jahre; In Poznań: eine Frau – 70 Jahre und ein Mann – 86 Jahre. In Kędzierzyn-Koźle/Kandrzin-Cosel bei Opole/Oppeln: eine Frau – 81 Jahre. In Racibórz/Ratibor – Oberschlesien: eine Frau – 84 Jahre. In Koszalin/Köslin: ein Mann – 92 Jahre. In Bolesławiec/Bunzlau – Niederschlesien: ein Mann – 68 Jahre. In Szczecin/Stettin: eine Frau – 82 Jahre. R.I.P.

♦ Ein bisschen Sport darf wieder sein, so das Fazit einer gemeinsamen Pressekonferenz von Ministerpräsident Mateusz Morawiecki und Sportministerin Danuta Dmowska-Andrzejuk am 25.04. Seit dem 20.04. sind die Wälder und Parks in Polen wieder zugänglich, man darf wieder Joggen und Fahrradfahren. In ihrer äußerst vorsichtigen Lockerungspolitik will die Regierung jetzt einen weiteren kleinen Schritt wagen. Ab dem 04.05.:

Danuta Dmowska-Andrzejuk.

Alle Sportanlagen im Freien sind wieder zugänglich: Sportplätze, Schulsportplätze, Tennisplätze, Schießanlagen, Reitanlagen, Sportflugplätze usw.

Man darf ohne Mundschutz trainieren, ansonsten muss die allgemein geltende Schutzmaskenpflicht befolgt werden.

Es gilt der Sicherheitsabstand von 2 Metern.

In einer Anlage dürfen höchstens 6 Personen gleichzeitig Sport treiben.

Ab dem 29.05. wird die Fußball-Ekstraklasa (entspricht der 1. Bundesliga in Deutschland) ihre Spiele wieder aufnehmen. Zwischen dem 30.05. und 06.06. starten die beiden nachfolgenden Fußball-Ligen. Am 12.06. soll die Speedway-Extraliga wieder an den Start gehen. Alle Veranstaltungen werden vorerst ohne Publikum stattfinden.

♦ Grenzpendler bleiben vorerst geerdet, so die Entscheidung der Regierung, die am Nachmittag des 26.04. bekanntgegeben wurde.

Seit dem 27.03. muss jeder Pole, der aus dem Ausland kommt für 14 Tage in Quarantäne. Diese Maßnahme wird weiterhin aufrechterhalten. Damit sind polnische Pendler von ihren Arbeitsplätzen in Deutschland und Tschechien abgeschnitten, es sei denn sie suchen sich eine Unterkunft jenseits der Grenze. Nach deutschen Berechnungen pendeln allein nach Berlin und Brandenburg 26.000 Polen zur Arbeit.

Die Pendler-Sperre wurde knapp zwei Wochen nach der Schließung der polnischen Grenzen am 15.03. eingeführt. Der rege Pendlerverkehr nahm an Wochenenden noch erheblich zu. Polen aus entfernteren Gegenden Deutschlands kamen am Freitag nach Hause und fuhren am Sonntag oder Montag zurück. Viele nutzten ihren Status, um am Samstag noch schnell zum Einkaufen nach Deutschland zu fahren.

Der Pendler-Sperre sind alarmierende Medienberichte vorausgegangen, wonach nur jeder sechste Pole, der z. B. am Montag, dem 23.03. die Grenzen zu Deutschland oder Tschechien heimwärts passierte, in die 14-tägige Quarantäne geschickt werden konnte. Das machte die Grenzschließung weitgehend zu einer Fiktion, so die Behörden.

Sie verweisen darauf, dass gerade die Grenz-Woiwodschaften (Provinzen) Lubuskie/Leubus mit Jelenia Góra/Hirschberg und Zachodniopomorskie/Westpommern mit Szczecin/Stettin zu den am wenigsten verseuchten Gebieten gehören. Leubus ist zudem die einzige Woiwodschaft, in der es bis zum 26.04. keine Corona-Toten gab (siehe die aktuelle Karte oben).

Am 24.04. protestierten polnische Pendler an einigen gesperrten polnisch-deutschen Grenzübergängen und forderten freien Zugang zu ihren Arbeitsplätzen.

Gleichzeitig erhöhten deutsche Stellen den Druck auf Polen. Am 23.04. forderte der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke in einem Schreiben die polnischen Behörden dazu auf, die Pendler täglich die Grenze in beide Richtungen passieren zu lassen. Am 26.04. verstieg sich der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer in einem DPA-Interview zu der Feststellung: „Polen habe sich vergaloppiert“ und es sei „ein großes Unglück, was da passiert.“

In einer Stellungnahme der zuständigen Regierungsstelle in Warschau hieß es am 25.04., man habe durchaus Verständnis für die Anliegen der Pendler, „nichtsdestoweniger dürfen wir nicht vergessen, dass wir es außerhalb Polens, zum Beispiel in Deutschland, mit einer viel schwierigeren Situation zu tun haben, was die Erkrankungen angeht. Wir müssen zugleich das Risiko, das mit der Übertragung des Virus aus dem Ausland verbunden ist und die Bedürfnisse der Bewohner der grenznahen Gebiete in Betracht ziehen .“

Der Zentrale Krisenstab in Warschau will sich dem Problem Mitte der Woche widmen.

Auf der deutschen Seite arbeiten die Polen zumeist auf dem Bau, in Gärtnereien, in der Pflege und im Gesundheitswesen. So z. B. machen polnische Ärzte, Krankenschwestern und Reinigungskräfte einen erheblichen Teil der Belegschaft des Krankenhauses in Frankfurt (Oder) aus. In Tschechien arbeiten die Polen überwiegend im Bergbau.

Bewusstes Anstecken mit dem Coronavirus endete am 25.04. in der Untersuchungshaft. Betroffen ist eine 54-Jährige aus der Gegend von Wyszków.

Corona-infiziert und zu strenger Quarantäne verpflichtet, brach sie gemeinsam mit ihrem Ehemann im Auto zum Einkaufen auf. Die Polizei, durch einen Anruf darauf hingewiesen, nahm die Frau auf der Heimfahrt von ihrer Einkaufstour fest. Sie wurde in einer coronagerechten Arrestzelle des Polizeipräsidiums von Wyszków untergebracht.

Festnahme der Beschuldigten.

Vor dem Haftrichter eröffnete der Staatsanwalt, die Tat der Frau erfülle den Tatbestand des Art. 165 des Strafgesetzbuches: ernsthafte Gefährdung von Gesundheit und Leben vieler Personen. Höchststrafe: 8 Jahre Freiheitsentzug. Die Frau wird die nächsten 2 Monate in Untersuchungshaft verbringen. Ihr droht zudem eine Geldbuße von bis zu 30.000 Zloty (momentan ca. 6.600 Euro).

Die Polizei verwies in ihrem Pressebericht darauf, dass, soweit wie möglich, alle Vorgänge in dieser Angelegenheit, einschließlich der Vorführung vor dem Haftrichter, per Videokonferenz durchgeführt wurden.

♦ Aufgeschnappt im polnischen Internet.

„Zwei Monate lang den Mundschutz getragen.“

Freitag, 24. April 2020

Infizierte: 10.892  Gestorben: 494

♦ Am Morgen gab das Gesundheitsministerium bekannt: In Polen werden wegen des Verdachts auf Infektion mit dem Coronavirus 3.095 Personen in  Krankenhäusern behandelt. 97.905 Personen befinden sich in häuslicher Quarantäne. Genesene: 1.944.  Am Vortag durchgeführte Tests: ca. 14.400. 

♦ Es war der bisher schwärzeste Tag der Epidemie: vierzig Tote, darunter ein 18-Jähriger. 

In Warschau: fünf Frauen – 96, 87, 79, 70, 64 Jahre und elf Männer – 88, 88, 86, 84, 77, 77, 72, 69, 66, 62, 53 Jahre. In Poznań: vier Männer – 86, 82, 78, 70 Jahre. In Kędzierzyn-Koźle/Kandrzin-Cosel bei Opole/Oppeln: drei Männer – 85, 57, 18 Jahre. In Kraków: zwei Männer – 74, 46 Jahre.  In Grudziądz/Graudenz: eine Frau – 69 Jahre und ein Mann – 55 Jahre. In Racibórz/Ratibor – Oberschlesien: eine Frau – 73 Jahre und ein Mann – 67 Jahre. In Koszalin/Köslin: zwei Männer – 81, 72 Jahre. In Kozienice – Mittelpolen: zwei Frauen – 87, 79 Jahre. In Tychy/Tichau– Oberschlesien: ein Mann – 88 Jahre. In Toruń/Thorn: ein Mann – 69 Jahre. In Jelenia Góra/Hirschberg: eine Frau – 93 Jahre. In Głuchołazy/Ziegenhals bei Opole/Oppeln: eine Frau – 69 Jahre. In Bydgoszcz/Bromberg: ein Mann – 85 Jahre. In Łomża – Nordostpolen: ein Mann – 62 Jahre. In Zgierz bei Łódź/Lodsch: ein Mann – 70 Jahre. R.I.P.

♦ Die Schulen bleiben bis zum 24.05. geschlossen, ebenso Kinderkrippen und Kindergärten, das gab heute Bildungsminister Dariusz Piontkowski bekannt. Es ist gut möglich, so Piontkowski ergänzend, dass es vor den Sommerferien, die am 19.06. beginnen, keinen Unterricht mehr  geben wird. Alle erwähnten Einrichtungen wurden am 12.03. geschlossen. Seit dem 26.03. ist das elektronisch unterstütze Lernen zu Hause Pflicht.

♦Die Achtklässler-Zentralprüfungen werden vom 16.06. bis 18.06. stattfinden, so die nächste wichtige Neuigkeit des heutigen Tages. Ursprünglich waren sie vom 21.04. bis 23.04. geplant.

Am 16.06. ist die Polnisch-Prüfung vorgesehen. Am 17.06. – Mathematik. Am 18.06. – Fremdsprache. Es sind schriftliche Prüfungen. Rund 350.000 Achtklässler werden sie in diesem Jahr ablegen. Die Ergebnisse sollen am 31.07. bekannt gegeben werden.

Die Achtklässler-Zentralprüfung ist in Polen die Abschlussprüfung am Ende der Grundschule. Ihr Ergebnis entscheidet wesentlich mit darüber, welchen Weiterbildungsweg der Schüler einschlagen kann. Ob er auf ein renommiertes Lyzeum in seiner Stadt kommt, das den Weg zu einem guten Studium öffnet, oder auf ein weniger gutes. Es kann ihn auf eine gute oder durchschnittliche technische Mittelschule führen, beziehungsweise auf eine Berufsschule mit sehr guten oder mäßigen Berufsaussichten. Ein gutes Achtklässler-Zeugnis ist in jedem Fall wichtig.

♦ Das Zentralabitur wurde auf den 08.06. bis 29.06. gelegt, auch das gab heute Bildungsminister Dariusz Piontkowski bekannt. Ursprünglich sollte es vom 04.05. bis 21.05. stattfinden. Es gibt in diesem Jahr 270.000 Abiturienten. Außerdem wollen 100.000 Abiturienten aus vergangenen Jahren einzelne Prüfungen erneut ablegen, um eine bessere Note zu bekommen. Die Ergebnisse werden am 11.08. veröffentlicht.

Dariusz Piontkowski.

Der polnische Abiturient muss drei schriftliche Grundstufen-Prüfungen ablegen: in Polnisch, Mathematik und einer Fremdsprache. Hinzu kommen zwei mündliche Grundstufen-Pflichtexamen: Polnisch und Fremdsprache. Des Weiteren mindestens eine schriftliche und mündliche Leistungskurs-Prüfung in einem Wahlfach (maximal sind bis zu sechs Wahlfach-Prüfungen möglich). In diesem Jahr wird es ausnahmsweise keine mündlichen Prüfungen geben.

♦ Gab und gibt es während der Ausgangssperre, die am 20.04. teilweise aufgehoben wurde, und unter den Bedingungen häuslicher Quarantäne, der immer noch um die 100.000 Menschen unterstehen, weniger häusliche Gewalt als sonst? Einen solchen Schluss legt die Polizeistatistik nahe, die heute bekannt geworden ist.

Im März 2019 hat die Polizei im ganzen Land 6.373 sogenannte blaue Karten ausgestellt. Im März 2020 waren es 5.307, also gut 1.000 weniger.

Polizisten müssen jeden Fall von häuslicher Gewalt, zu dem sie gerufen wurden, auf einem speziellen Bogen (blaue Karte) in Anwesenheit des Täters dokumentieren. Der ausgefüllte Bogen zieht automatisch die Erstattung einer Anzeige von Amtswegen nach sich. Die blaue Karte kann nicht rückgängig gemacht und ihr Inhalt kann nicht korrigiert werden, auch nicht auf Betreiben des Opfers. Jede blaue Karte wird weitergeleitet und bildet die Grundlage für Maßnahmen, die anschließend von der Sozialbehörde, Staatsanwaltschaft, Gerichten ergriffen werden.

Dass die Polizei weniger blaue Karten ausstellt, bedeutet nicht, dass es plötzlich weniger häusliche Gewalt gibt. Das erzwungene Zuhausesein begünstigt sie, sagen Kenner der Materie, die die neueste Statistik im Verlauf des Tages in den Medien kommentiert haben.

Vertrauenstelefondienste für Frauen gaben zu bedenken, dass sie im März etwa um die Hälfte mehr Anrufe bekamen als sonst. Aus ihrer Sicht gibt es nur eine Erklärung: Die Täter haben in Zeiten von Ausgangssperre und Quarantäne offensichtlich ihre Opfer besser unter Kontrolle als sonst. Umso mehr sind Dritte, vor allem Nachbarn, aufgerufen, nicht wegzuschauen.

♦ Das Desinfizieren kann mit dem Corona-Virus auch Museumssammlungen vernichten, so die Fachleute vom Warschauer Nationalmuseum. Sie haben Richtlinien zu dem Thema ausgearbeitet und heute der Öffentlichkeit vorgestellt.

Noch mehr gefährdet als diese Sammlungen sind Gegenstände, die aus Museen ausgeliehen wurden, um in staatlichen Gebäuden Arbeitszimmer und Empfangsräume zu verschönern. Es handelt sich zumeist um Bilder, Skulpturen oder Möbel.

Desinfektionsmaßnahmen werden manchmal umgehend angeordnet und es wird nicht immer daran gedacht, vorher Fachleute des Denkmalschutzes oder Konservatoren hinzuzuziehen. „Damit hatten wir bereits selbst zu tun, und das macht uns Sorge“, so die Richtlinien-Autoren.

Sie erwähnten zwar keine Einzelheiten, aber sicherlich meinen sie  damit u. a. die Situation, als bekannt wurde, dass sich Umweltminister Rafał Woś infiziert hat, und die gesamte polnische Regierung sich dem Corona-Test unterziehen musste. Alle Test-Ergebnisse waren zum Glück negativ. Wir haben darüber am 06.04. berichtet.

Damals wurde u. a. das große, repräsentative Gebäude der Kanzlei des Ministerpräsidenten (entspricht dem deutschen Bundeskanzleramt) desinfiziert, wo wertvolle Antiquitäten aus staatlichen Sammlungen die Räumlichkeiten zieren. Sie mussten vorher sorgsam entfernt werden.

Die Richtlinien erinnern daran, dass keine Desinfektionsflüssigkeiten an solchen Orten verwendet werden dürfen, die Substanzen enthalten, wie:

Alkohol (z. B. Ethanol oder Isopropanol), der den Firniss auf  Malereien oder die Politur auf Möbeln vernichten kann.

Chlorverbindungen, die mit Kupfer, das sich im Messing befindet, in Reaktion treten.

Peroxide (z. B. Wasserstoff), die mit Metallen und Holz reagieren.

Sind die Kunstgegenstände zu schwer oder zu sperrig, um sie kurzfristig zu entfernen, müssen sie dicht in spezielle Folien eingehüllt werden, die frühestens sechs Stunden nach der Desinfizierung entfernt werden dürfen.

Eine fachliche Aufsicht des Denkmalschutzes ist bei solchen Vorhaben unentbehrlich.

♦ Aufgeschnappt im polnischen Internet.

Sonnenbräune 2020.

Donnerstag, 23. April 2020

Infizierte: 10.511  Gestorben: 454

♦ Am Morgen gab das Gesundheitsministerium bekannt: In Polen werden wegen des Verdachts auf Infektion mit dem Coronavirus 3.099 Personen in  Krankenhäusern behandelt. 103.129 Personen befinden sich in häuslicher Quarantäne. Genesene: 1.740.  Am Vortag durchgeführte Tests: ca. 11.900. 

♦ Heute wurde die zweitgrößte Anzahl von  Verstorbenen seit Beginn der Epidemie gemeldet: achtundzwanzig.  

In Warschau: drei Frauen – 86, 80, 48 Jahre und vier Männer – 81, 63, 62, 35 Jahre. In Zgierz bei Łódź/Lodsch: zwei Frauen – 91, 85 Jahre und ein Mann – 70 Jahre. In Poznań: zwei Frauen – 87, 86 Jahre. In Radom – Mittelpolen: zwei Männer – 88, 83 Jahre. In Kraków: zwei Frauen – 78, 75 Jahre. In Kędzierzyn-Koźle/Kandrzin-Cosel bei Opole/Oppeln: zwei Männer – 68, 62 Jahre. In Starachowice – Mittelpolen: zwei Männer – 73, 72 Jahre. In Kleszczów – Mittelpolen (Pflegeheim):  eine Frau – 90 Jahre und ein  Mann – 94 Jahre. In Racibórz/Ratibor – Oberschlesien: zwei Frauen – 82, 64 Jahre. In Siedlce: ein Mann – 64 Jahre. In Łódż/Lodsch: ein Mann – 55 Jahre.  In Tomaszów Mazowiecki – Mittelpolen: eine Frau – 61 Jahre. In Tychy/Tichau – Oberschlesien: ein Mann – 79 Jahre.  R.I.P.

♦Wie kommt Polen mit der Corona-Epidemie zurecht? Besser als die meisten anderen Staaten: Das sagen 33 Prozent der befragten Polen. So wie die anderen Länder auch: 32 Prozent. Schlechter als andere: 20 Prozent. Weiß nicht: 16 Prozent.

Die Beurteilungen sind sehr stark parteipolitisch gefärbt. Von denjenigen, die sich als Wähler von Recht und Gerechtigkeit ausgeben, sagen 61 Prozent, Polen komme besser zurecht als andere Staaten. Genauso wie andere: 27 Prozent. Schlechter: 5 Prozent.

Von den Wählern der oppositionellen Bürgerplattform sind nur 11 Prozent der Meinung, Polen komme besser zurecht als andere Staaten. Genauso wie andere: 38 Prozent. Schlechter: 42 Prozent.

Repräsentativ ausgewählt und befragt wurden für die Untersuchung zwischen dem 20. und dem 22.04. 1.060 Personen.

♦ Wie ist die Lage? Gesundheitsminister Łukasz Szumowski gewährte heute der Polnischen Presseagentur PAP ein umfangreiches Interview, in dem er ausführlich die Epidemie-Situation schilderte.

Łukasz Szumowski.

Szumowskis Thesen:

UNSERE RESERVEN. In Seuchen-Krankenhäusern haben wir insgesamt ca. 10.500 Betten. Davon sind etwa 3.000 Betten belegt. Knapp 150 Patienten werden künstlich beatmet. Wir verfügen über insgesamt gut 1.400 Beatmungsgeräte und betrachten diese Zahl als ausreichend.

Es gibt 6.500 Plätze in Isolierhäusern für Corona-Patienten ohne oder mit nur sehr schwachen Erkrankungssymptomen. Im Bedarfsfall können wir die Zahl der Plätze auf 15.000 erhöhen.

Wir sind also auf einen rapiden Anstieg der Erkrankungen weitestgehend vorbereitet.

CORONA-TESTS. An Tests herrscht kein Mangel. Die augenblicklichen Vorräte betragen um die 600.000 Stück.

Es gibt 86 Corona-Testlabore, die bis zu 22.000 Proben pro Tag untersuchen können. In den letzten Tagen kommen wir auf etwa 12.000 pro Tag. Das Potenzial wird also noch nicht ausgeschöpft. Das müssen wir ändern und daran arbeiten wir sehr intensiv. Die täglichen Test-Zahlen werden bald deutlich steigen.

In diesen Tagen haben wir die erste Partie von Schnelltests in Südkorea gekauft. Sie werden jetzt eingehend geprüft. Wenn ihre Qualität gut ist, und alles deutet darauf hin, dann werden wir bald 1 Million Stück davon zur Vefügung haben. Wir brauchen sie vor allem für Rettungsdienste, Rettungsstationen, Notaufnahmen, für das medizinische Personal und die Pflegeheime.

SCHUTZAUSRÜSTUNG. Noch vor wenigen Wochen wurde auf dem Weltmarkt um jeden Posten heftig gekämpft. Inzwischen haben wir Verträge mit sehr soliden Herstellern abgeschlossen und die Lieferungen kommen fortlaufend an.

Wir haben seit Beginn der Epidemie 23 Millionen Schutzmasken, 18 Millionen Paar Handschuhe, 2 Millionen Liter Desinfektionsflüssigkeiten, 1,15 Millionen Masken mit Filtern, 750.000 Overalls und knapp 500.000 Schutzbrillen an Krankenhäuser, Rettungsdienste, Pflegeheime und Labore ausgegeben.

GELD. Polen gibt pro Monat etwa 100 Millionen Zloty (momentan gut 22 Millionen Euro) für die Epidemie-Bekämpfung aus. Davon werden die Seuchenkrankenhäuser bezahlt: für das Vorhalten der Betten und für jeden Corona-Patienten, den sie aufnehmen. Des Weiteren die Labortests, die Isolierhäuser.

VERSORGUNG VON NICHT-CORONA-SCHWERKRANKEN. Abgesehen von den dringlichsten Fällen, werden keine Nicht-Corona-Patienten aufgenommen und es wird nicht operiert. Kliniken bzw. einzelne Stationen bekommen vom Nationalen Gesundheitsfonds (NFZ) nur wenig Geld, weil sie kaum oder keine Leistungen erbringen. Jede Einrichtung erhält jedoch die ihr zustehende Pauschale, damit sie ihre laufenden Kosten bezahlen kann. Außerdem halten sich wirklich Schwerkranke mit Arztbesuchen zurück. Wir sehen das Problem. Deswegen müssen und wollen wir die anderen Leistungen sehr schnell wieder hochfahren. Daran arbeiten wir mit Nachdruck.

DIE PROGNOSEN. Am Anfang der Epidemie habe ich vorhergesagt, dass sich 10 bis 20 Prozent der Polen anstecken werden. Heute würde ich das nicht wiederholen. Es gab sehr viele Vorhersagen, die schnell obsolet geworden sind. Im Ministerium verfolgen wir sehr aufmerksam alle zugänglichen Prognosen. Mit reinem Gewissen kann ich jetzt nur Folgendes sagen: Das Erkrankungs-Hoch ist in Polen noch nicht erreicht und es ist uns gelungen, die Erkrankungskurve flach zu halten.

Damit es nicht zu einem unkontrollierten Ausbruch kommt, müssen wir unseren Umgang mit anderen möglichst weitgehend einschränken, und es müssen deutlich mehr Tests gemacht werden. Mit den Schnelltests wird uns das gelingen.

Wir müssen aber darauf vorbereitet sein, dass das nächste Erkrankungs-Hoch im Herbst kommt.

DER IMPFSTOFF. Bis er da ist, kann es noch ein Jahr dauern, und erst wenn er da ist, werden wir sagen können: Der Kampf ist zu Ende, wir haben gewonnen.

DAS MEDIKAMENT. Es wird heute auf der ganzen Welt intensiv nach einem Medikament geforscht. Die Rede ist vom Blutplasma der Corona-Genesenen. Vielversprechend sind Experimente mit dem Wirkstoff Remdesivir. Wirksam scheint die Behandlung der Corona-Patienten mit Chloroquin zu sein. Wir müssen vieles ausprobieren, um die durchschlagende Heilmethode zu finden.

Auch in Polen wird daran gearbeitet. Die Agentur für Medizinische Forschungen (ABM), die dem Gesundheitsministerium untersteht, hat gerade eine Ausschreibung veröffentlicht: 50 Millionen Zloty (aktuell ca. 11 Millionen Euro) gibt es für Forschungsvorhaben mit dem Ziel, ein Mittel gegen Corona zu finden.

DAS GUTE AM SCHLECHTEN. Was nach der Epidemie an Positivem bleiben wird? Mehr Hygiene. Mehr Interesse an freiwilligen Impfungen, vor allem gegen die Grippe. Die Telemedizin.

♦ Die polnische medizinische Hilfsmission ist heute nach Chicago abgeflogen. Neun Militärärzte und Rettungssanitäter sollen zehn Tage lang in dem von der US-Armee gerade eingerichteten provisorischen Corona-Krankenhaus für 2.250 Patienten im McCormick Convention Center, dem größten Ausstellungs- und Kongresszentrum der USA, arbeiten. Im Jahr 2012 hat dort das Nato-Gipfeltreffen stattgefunden.

Es geht auch darum, die amerikanischen Erfahrungen mit so großen Einrichtungen kennenzulernen. Bei einem drastischen Anstieg der Erkrankungen in Polen könnten sie von großem Nutzen sein.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg twitterte (kleines Bild) heute: „Es ist wunderbar, die Militärärzte aus Warschau zu sehen, die den Kollegen in Chicago helfen wollen. Die Nato-Verbündeten reagieren gemeinsam auf Covid-19, indem sie das Wissen und die Ressourcen miteinander auf der ganzen Welt teilen. In der Nato ist ein Verbündeter nie allein.“

♦ Wenigstens die Polen in Weißrussland sollen vor dem Virus geschützt sein, denn offiziell gibt es dort keine Corona-Epidemie und Staatspräsident Lukaschenko empfiehlt als Mittel zur Vorbeugung Wodka trinken und Zwiebeln essen.

Deswegen ist heute aus Warschau ein Lkw-Konvoi aufgebrochen mit 50.000 Litern Desinfektionsmitteln, 35.000 Litern keimtötender Flüssigkeiten, 100.000 Schutzmasken, 50.000 Paar Handschuhen, 20.000 Overalls, 1.000 Packungen des Medikaments Chlotoquin u. e. m.

Die Lieferung ist für die kurz hinter der weißrussischen Grenze liegende Stadt Grodno und Umgebung (bis 1939 in Polen), wo die meisten Weißrussland-Polen leben.

♦ Aufgeschnappt im polnischen Internet.

„Die genialste Methode, sich eine Schutzmaske zu machen, die ich je gesehen habe.“

Mittwoch, 22. April 2020

Infizierte: 10.169  Gestorben: 426

♦ Am Morgen gab das Gesundheitsministerium bekannt: In Polen werden wegen des Verdachts auf Infektion mit dem Coronavirus 3.505 Personen in  Krankenhäusern behandelt. 98.020 Personen befinden sich in häuslicher Quarantäne. Genesene: 1.513. Am Vortag durchgeführte Tests: ca. 14.400. 

♦ Die Todeskurve stieg heute weiter: fünfundzwanzig. 

In Poznań: drei Frauen – 90, 90, 63 Jahre und zwei Männer – 66, 65 Jahre. In Warschau: vier Frauen – 90, 88, 69, 59 Jahre. In Grudziądz/Graudenz: drei Männer – 79, 78, 65 Jahre. In Tychy/Tichau – Oberschlesien: zwei Männer – 87, 57 Jahre. In Radom – Mittelpolen: zwei Männer – 84, 82 Jahre. In Kraków: ein Mann – 70 Jahre. In Gdańsk/Danzig: eine Frau – 95 Jahre. In Bolesławiec/Bunzlau – Niederschlesien: ein Mann – 68 Jahre. In Wałbrzych/Waldenburg – Niederschlesien: eine Frau – 70 Jahre. In Wrocław/Breslau: eine Frau – 79 Jahre. In Racibórz/Ratibor – Oberschlesien: eine Frau – 78 Jahre und ein Mann – 87 Jahre. In Zgierz bei Łodź/Lodsch: eine Frau – 75 Jahre. In Bełchatów – Mittelpolen: eine Frau – 84 Jahre. R.I.P.

Die ersten 10.000 in Polen entwickelten Coronatests soll es in einer Woche geben, das sagte heute, während einer Video-Pressekonferenz in Poznań, Prof. Marek Figlerowicz, Direktor des dortigen Instituts für Bioorganische Chemie der Polnischen Akademie der Wissenschaften.

Prof. Marek Figlerowicz.

Es werden Tests der ersten Generation sein. Sie sind, so Figlerowicz, „die Antwort auf die elementare Bedrohung, das heißt, wenn in Polen die italienische Epidemie-Variante eintreten sollte“. Die Herstellung der ersten 100.000 Tests werde, nach seiner Einschätzung, etwa einen Monat in Anspruch nehmen. So sehen es auch die mit seinem Institut kooperierenden polnischen Herstellerfirmen.

Den Test der zweiten Generation glauben die Wissenschaftler aus Poznań spätestens in der ersten Maiwoche fertigstellen zu können.

Ministerpräsident Mateusz Morawiecki im Gespräch mit Prof. Marek Figlerowicz am 17.04.2020.

Die Entwicklungsarbeiten für den Test der ersten Generation dauerten drei Wochen und wurden am 10.04. abgeschlossen (wir haben darüber an diesem Tag berichtet). Der Staat hat die Arbeiten mit 15 Millionen Zloty (aktuell ca. 3,3 Millionen Euro) finanziert. 8 Millionen Zloty davon (aktuell knapp 1,8 Millionen Euro) werden die ersten100.000 Tests kosten.

Der Stückpreis soll 53 Zloty (aktuell knapp 12 Euro) betragen und liegt deutlich unter den Preisen der Tests, die Polen jetzt massenweise im Ausland kauft.

♦ Die polnischen Corona-Testlabore bekommen ab heute statt 450 nur noch 280 Zloty für jede durchgeführte Untersuchung, so die Verlautbarung des Gesundheitsministeriums. Das ist eine Reduzierung von, umgerechnet, heute etwa 100 auf ca. 62 Euro pro Test.

Die Behörde versichert, dass sich die Zahl der Untersuchungen dadurch nicht verringern werde. Ihre Argumente:

Man kann den Preis senken, weil sich die Marktsituation verändert hat. Die Preise für die Tests sind drastisch gefallen, der Markt ist inzwischen weitgehend gesättigt.

Außerdem wird es in Kürze nochmals erheblich billigere polnische Tests geben.

Es sei also nicht mehr gerechtfertigt, Preise zu zahlen, wie sie zu Beginn der Epidemie üblich waren, als die Labore den Produzenten alles was hergestellt wurde buchstäblich aus den Händen rissen.

● Hinzu kommt der Anzahl der Tests. Die Labore führen heute Hunderte von Tests durch. Am Anfang waren es oft nur ein paar pro Tag, manchmal zwei bis drei Dutzend. Die Laborkosten sind dadurch deutlich gesunken.

Im Augenblick gibt es in Polen 86 Corona-Testlabore.

♦ Weshalb schickt Polen medizinische Corona-Hilfsmissionen in die ganze Welt, anstatt das Personal und das Geld für die Epidemiebekämpfung im eigenen Land zu verwenden? Solche Stimmen aus den Reihen der Opposition sind immer öfter zu vernehmen.

Vor Ostern hielt sich eine polnische medizinische Hilfsmission in der italienischen Lombardei auf, wo die Corona-Epidemie mit am schlimmsten in der Welt wütet. Die 15 Ärzte und Rettungssanitäter haben in Brescia, auf einer ihnen zugeteilten Intensivstation, rund um die Uhr italienische Patienten versorgt. Wir haben darüber ausführlich am 02. und 03.04. berichtet.

Am 21.04. flog eine achtköpfige polnische medizinische Hilfsmission nach Kirgistan. Wir berichteten gestern darüber.

In diesen Tagen soll eine vierköpfige Mission nach Slowenien und eine größere Anzahl von Helfern in die USA, nach Chicago entsandt werden.

Mariusz Błaszczak.

Da sich die Missionen aus militärischem Personal zusammensetzen, nahm heute Verteidigungsminister Mariusz Błaszczak zu dem Thema Stellung.

Błaszczaks Thesen:

Es ist wichtig, sich vor allem mit unseren Verbündeten in der Nato, von denen wir erwarten, dass sie im Notfall für uns einstehen, solidarisch zu zeigen.

Wir leisten Hilfe im Rahmen dessen, was uns möglich ist, ohne unsere Pflichten der eigenen Bevölkerung gegenüber zu vernachlässigen.

Wir entsenden unser medizinisches Personal und mit ihm unsere Erfahrungen und Arbeitsmethoden, die wir gerne weitergeben.

Wir wollen aber gleichzeitig von den anderen lernen. Was unsere Leute an Erfahrungen und Wissen aus Italien mitgebracht haben, ist nicht zu unterschätzen. Die italienischen Mediziner haben Beobachtungen gemacht und Therapiemethoden entwickelt, die bei einem unkontrollierten Ausbruch der Epidemie bei uns von unschätzbarem Wert sein würden. So etwas aber kann man nur vor Ort erfahren.

● In Chicago sollen unsere Leute in einem provisorischen Krankenhaus arbeiten, das die US-Armee in diesen Tagen für knapp 2.500 Corona-Patienten einrichtet. In Chicago und im Bundesstaat Illinois lebt zudem ein hoher Prozentsatz polnischstämmiger Amerikaner. Sie tun seit Generationen sehr viel für das Land ihrer Väter. Polen konnte sich in seinen schwersten Stunden immer auf sie verlassen. Diese Geste der Solidarität sind wir auch ihnen schuldig.

♦ Aufgeschnappt im polnischen Internet.

„Basic Instinct nach der Quarantäne“.

Dienstag, 21. April 2020

Infizierte: 9.856  Gestorben: 401

♦ Am Morgen gab das Gesundheitsministerium bekannt: In Polen werden wegen des Verdachts auf Infektion mit dem Coronavirus 2.914 Personen in  Krankenhäusern behandelt. 105.602 Personen befinden sich in häuslicher Quarantäne. Genesene: 1.287. Am Vortag durchgeführte Tests: ca. 10.100. 

♦ Noch mehr Tote als gestern: einundzwanzig. 

In Radom – Mittelpolen: vier Frauen – 81, 80, 71, 65 Jahre und drei Männer – 83, 74, 64 Jahre. In Poznań: eine Frau – 65 Jahre und drei Männer – 88, 69, 35 Jahre. In Racibórz/Ratibor – Oberschlesien: eine Frau – 79 Jahre und zwei Männer – 79, 65 Jahre. In Warschau: drei Frauen – 87, 85, 75 Jahre. In Tychy/Tichau – Oberschlesien: zwei Männer – 87, 65 Jahre. In Kędzierzyn-Koźle/Kandrzin-Cosel bei Opole/Oppeln: eine Frau – 90 Jahre. In Kraków: eine Frau – 73 Jahre. R.I.P.

♦ Die prekäre Lage in den Pflegeheimen, Hospizen, Seniorenwohnheimen war ein wichtiges Thema auch des heutigen Tages. In diesen Einrichtungen leben in Polen mehr als 80.000 Menschen. Es gibt 824 Pflegeheime, 126 Hospize und um die 100 Seniorenwohnheime. Etwa 5 Prozent von ihnen waren oder sind gerade Ausgangspunkte von Corona-Infizierungen. Wir haben über die mancherorts dramatische Situation in diesen Häusern am 12.04. ausführlich berichtet.

Heute wurde auf der Kabinettsitzung beschlossen, allen diesen Einrichtungen, die sich in kommunaler, kirchlicher, stiftungsrechtlicher, privater oder sonstiger Trägerschaft befinden, während der Epidemie, einen staatlichen Zuschuss in Höhe von jeweils 10 Prozent ihres monatlichen Haushaltes zu gewähren. Außerdem sollen aus staatlichen Beständen „umfangreiche und regelmäßige“ Schutzartikel-Lieferungen in alle diese Einrichtungen gelangen. Regierungspräsidenten und Landräte wurden verpflichtet, dem Gesundheitsministerium täglich über die Situation in ihrem Gebiet Bericht zu erstatten.

Es sind leider, sowohl in Polen wie auch in allen anderen Ländern, vor allem die Mitarbeiter, die die Bewohner mit dem Virus anstecken. Das Grundübel in Polen ist, dass die Pflege- und Putzkräfte, aufgrund der miserablen Bezahlung, zusätzlichen Beschäftigungen nachgehen. Entweder in Krankenhäusern, aber auch in Supermärkten, Reinigungsunternehmen u. a.

Am Ende einer kurzen, aber sehr hitzigen Debatte hieß es heute, dass das Gesundheitsministerium in diesen Tagen eine Verfügung hierzu erlasssen wird. Danach sollen alle Mitarbeiter nur noch in der Pflege arbeiten dürfen. Dafür erhalten sie vom Staat, für die Dauer der Epidemie, 50 Prozent ihres Gehalts zusätzlich.

Das Bildungsministerium hat heute einen umfangreichen Bericht über seine Bemühungen um das elektronisch unterstützte Lernen für Schüler mit körperlichen und geistigen Behinderungen veröffentlicht. In dem Bericht heißt es u. a.:

Es wurde für Lehrer und Eltern der Ratgeber „Bildung auf Entfernung“ ausgearbeitet und auf die Seite des Bildungsministeriums ins Internet gestellt. Er enthält Ratschläge und Anleitungen für Lehrer und Betreuer zu Hilfsmaterialien und Arbeitsmethoden.

Zu den veranschaulichten Arbeitsmethoden gehören u. a. „Die Zeitachse“, die den Schülern ein Zeitgefühl vermitteln soll. Außerdem Simulationen (das Nachahmen der Realität), dank derer die Schüler ihre Kreativität, ihre sozialen und intellektuellen Fähigkeiten ausbauen und ihr Wertesystem formen können. „Die Gedächtniskarte“, mit der das gerade erworbene Wissen systematisiert und dem Schüler veranschaulicht werden kann.

Auf der Integrierten Bildungsplattform (www.epodreczniki.pl), die für das gesamte Schulwesen eingerichtet wurde, gibt es Unterrichtseinheiten in allen Fächern für Sonderschüler in den einzelnen Altersstufen, mit unterschiedlichen Behinderungen .

Alle Sonderschulen in Polen führen inzwischen das elektronisch unterstützte Lernen durch.

Die Sonderschulen stellen auf ihren Internetseiten Arbeitsblätter, Aufgaben, interessante Links zur Verfügung. Einmal in der Woche schicken sie die Unterlagen auch mit der Post an die Schüler. Die Lehrer sind verpflichtet, mindestens alle zwei Tage mit jedem Schüler und seinen Eltern zu telefonieren.

Das Bildungsministerium steht im engen Kontakt mit den Schulämtern, die angewiesen wurden, das elektronisch unterstützte Lernen für Sonderschüler mit besonderer Sorgfalt zu beaufsichtigen.

♦ Heute ist eine polnische medizinische Hilfsmission nach Kirgistan abgeflogen. Sie besteht aus 8 Ärzten und Rettungssanitätern.

Mitglieder der Hilfsmission vor dem Abflug.

Sie soll 10 Tage dauern. Bis Freitag dieser Woche werden sie in der Hauptstadt Bischkek sein und dann in die zweitgrößte Stadt Osch, im Osten des Landes, nahe der Grenze zu Usbekistan wechseln. Zwischen den beiden Städten liegen Gebirgsketten, die bis zu 5.000 Meter hoch sind.

Die Aufgabe der Mission ist vor allem, das medizinische Personal vor Ort zu schulen. Die Corona-Epidemie hat in dem verhältnismäßig armen Land, einer früheren Sowjetrepublik mit gut 6 Millionen Einwohnern, bisher mehr als 100 Todesopfer gefordert.

♦ Aufgeschnappt im polnischen Internet.

Lockdown auf polnisch: „Ich komme nicht runter! Das ist schon der zwanzigste Spaziergang heute…“