Polens Goldschatz auf der Flucht

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In fünf Jahren durch drei Kontinente.

Als im Sommer 2019 die Polnische Nationalbank bekannt gab, sie habe knapp 126 Tonnen Gold gekauft, wurden schnell Erinnerungen wach an die abenteuerliche Rettung der Goldreserven des Landes bei Kriegsausbruch im September 1939.

Die Zukäufe stockten die polnischen Goldvorräte zwischen 2018 und 2019 auf knapp 229 Tonnen auf. Damit stieg Polens Zentralbank von Platz 35 auf Rang 22 unter den gröβten Goldinhabern der Welt auf, vor Schweden (126 Tonnen) und Belgien (227 Tonnen). Gegenüber den deutschen (3.374 Tonnen) und US-amerikanischen (8.134 Tonnen) Vorräten jedoch, fallen die polnischen Reserven immer noch mehr als bescheiden aus.

Die gute Wirtschaftslage und das starke Anwachsen (allein 2018 um knapp zehn Prozent) der Devisenreserven auf gut 94 Milliarden Euro haben die Zentralbank veranlasst, so hieβ es, die finanzielle Sicherheit des Landes „auf ein breiteres Fundament“ zu stellen. Der gesamte polnische Goldbestand lagert in den Kellern der Bank of England. Bald jedoch sollen 100 Tonnen nach Hause geholt werden.

Schon einmal, im Dezember 1943, wurden in den britischen Kellern gut 78 Tonnen polnischen Goldes untergebracht, nachdem sie mehr als vier Jahre lang durch Europa und Afrika geirrt waren. Ein Teil davon gelangte bald darauf in die USA und nach Kanada.

Geldpolitik in Ordnung bringen

Als im November 1918 Polen als Staat, nach 123 Jahren der Dreiteilung, wiedererstanden war, dauerte es noch sechs lange Jahre bis die polnische Geldpolitik in geordnete Bahnen kam.

Zuvor waren noch einige schwierige Hürden zu nehmen: der hart errungene Sieg über die Sowjets, die im August 1920 vor Warschau standen und sich anschickten Polen in eine Sowjetrepublik zu verwandeln. Die im Versailler Friedensvertrag vorgesehenen Volksabstimmungen über die Zugehörigkeit Masurens und Oberschlesiens zu Polen bzw. zu Deutschland. Die polnischen Aufstände gegen die Deutschen im Posener Land (1918-1919) und in Oberschlesien (1919, 1920, 1921). Die Grenzkonflikte mit Litauen und der Tschechoslowakei. Erst danach, seit etwa 1923, hatte das Land endgültig festgelegte Grenzen.

Hyperinflation. Zehn Millionen polnische Mark. Banknote von 1923.

Das bereits im Ersten Weltkrieg aufgrund blutiger Schlachten, die sich deutsche, österreichische und russische Truppen in den polnischen Gebieten geliefert hatten, schwer zerstörte und ausgeplünderte Land, konnte 1924 endlich auch seine Geldpolitik in Ordnung bringen.

Der Hyperinflation und dem Geldchaos hat die Währungsreform vom April 1924 abrupt ein Ende gesetzt. Die marka polska (Polnische Mark), ein Besatzungsgeld, das seit der Eroberung des russischen Teilungsgebietes von Polen mit Warschau durch deutsche Truppen, seit 1916 im Umlauf war, wurde durch den Zloty ersetzt.

Der Name war abgeleitet vom polnischen Adjektiv „złoty“ (der Goldene) und dem Substantiv „złoto“ (Gold) in der Bedeutung „goldene Münze“, „goldenes Geld“. Ähnlich wie im Deutschen, wo das Substantiv Gulden auf Gold zurückgeht. Der neuen Währung lag eine Goldparität zugrunde: 1 Zloty = 0,1687 Gramm Gold.

Bank Polski

Der Goldstandard musste durch entsprechend groβe Vorräte an Gold und Devisen gewährleistet sein. Diese Reserven, so das Gesetz, mussten mindestens vierzig Prozent der im Umlauf befindlichen Geldmenge abdecken.

Gebäude der Bank Polski in der Warschauer Bielanskastrasse.

Mit der Währungsreform vom April 1924 wurde auch die Zentralbank ins Leben gerufen. Es sollte keine staatliche Institution, sondern eine Aktiengesellschaft sein, mit dem Namen Bank Polski. Sie hatte gut zweihunderttausend Aktionäre. Das sollte ihre Unabhängigkeit gewährleisten. Ihr wichtigstes Organ war die Hauptversammlung, die den Aufsichtsrat wählte. Der Präsident und sein Stellvertreter wurden jedoch vom Staatspräsidenten, auf Antrag der Regierung, eingesetzt, die so den notwendigen staatlichen Einfluss auf die laufende Geldpolitik geltend machen konnte.

Die Bücher der Bank Polski in der Warschauer Bielanskastrasse listeten 1939 knapp 80 Tonnen Gold in Barren und Münzen auf. Polens Goldreserven fielen für die damalige Zeit eher gering aus, gemessen etwa an den spanischen (660 Tonnen) oder belgischen (560 Tonnen). Geradezu riesig erschienen sie jedoch, wollte man sie aus dem vom Krieg erfassten Land schaffen.

Am 2. September 1939, dem zweiten Tag des Krieges, trafen sich in dem bereits schwer von der deutschen Luftwaffe bombardierten Warschau die wichtigsten Aktionäre der Bank Polski zu einer Not-Hauptversammlung. Sie weitete das Kreditvolumen für Staatsausgaben kriegsbedingt erheblich aus und gab die Goldreserven zur Evakuierung frei.

Das Gold flieht in Bussen

In Warschau lagerten zu der Zeit 40 Tonnen Gold. Die andere Hälfte der Vorräte hatte der Vorstand der Bank kurz vor Kriegsausbruch vorsorglich nach Brest am Bug (heute in Weiβrussland) sowie nach Lublin, Siedlce und Zamość verlegt.

Es hatte auch Erwägungen gegeben, die Goldreserven gleich nach Frankreich, England oder Kanada zu bringen. Mit der schnellen Einnahme Warschaus durch die Deutschen hatte in den letzten Vorkriegsmonaten jedoch niemand gerechnet. Eine Verlagerung des Goldes in den Westen hätte z. B. Waffeneinkäufe sehr erleichtern können.

Bei diesen Überlegungen berief man sich auf die Lage Russlands während des Ersten Weltkrieges. Russland verfügte damals zwar über riesige Goldvorräte auf eigenem Territorium, doch aufgrund eines Kordons feindlicher Staaten (Deutschland, Österreich-Ungarn, die Türkei) vom Westen abgeschnitten, konnten die Russen, die keine nennenswerten Aktiva im Westen besaßen, dort keine Waffen in groβem Umfang einkaufen. Trotz dieser Überlegungen blieben die Goldreserven am Ende zunächst in Polen.

Stefan Starzyński. Warschauer Stadtpräsident 1939.

Als später, am Montag, dem 4. September 1939 die Evakuierung des Goldes begann, herrschte in Warschau ein ziemliches Durcheinander. Das schnelle Vorrücken deutscher Truppen drängte zur Eile. Behörden packten, Polizei und Feuerwehr schickten sich an, auf Anordnung, die Stadt in Richtung Osten zu verlassen.

Erst zwei Tage später gelang es Oberbürgermeister Stefan Starzyński (fonetisch Staschinski) die Lage gemeinsam mit der Militärkommandantur unter Kontrolle zu bringen. Als am 8. September 1939 die 4. Deutsche Panzerdivision versuchte Warschau aus dem Marsch heraus einzunehmen, war die Stadt zur Verteidigung, die anschließend bis zum 28. September dauern sollte, vorbereitet.

Oberst Adam Koc.

Starzyński organisierte die Verteidigung und rief die Bevölkerung in dramatischen Rundfunkansprachen zum Durchhalten auf. Er bezahlte dafür mit dem Leben. Die Gestapo verhaftete ihn im Oktober 1939. Drei Gestapo-Beamte erschossen ihn im Dezember 1939 in einem Wald bei Warschau.

Oberst Ignacy Matuszewski.

Die Verlagerung des Goldes beaufsichtigten im Auftrag des Ministerpräsidenten Felicjan Slawoj-Skladkowski zwei Obristen. Adam Koc war im zivilen Leben einer der führenden Finanzpolitiker des Landes und seiner Zeit Präsident der Bank Polski. Ignacy Matuszewski stand einst dem Finanzministerium vor, war Diplomat und einflussreicher Wirtschaftspublizist.

Ab dem 2. September verstauten Bankangestellte Tag und Nacht Barren und Münzen in Leinensäckchen verpackt, in kleinen Holzkisten, die mit Stroh gepolstert waren und vernagelten sie. In weiser Voraussicht hatte die Bank Polski-Leitung eine groβe Menge dieser Kisten bereits im Frühjahr 1939 bestellt.

Lkws waren jedoch in ganz Warschau nicht aufzutreiben. Koc beschlagnahmte daraufhin den ganzen Fuhrpark einer Firma mit Überlandbussen. Ihre Fahrer wurden dienstverpflichtet. Auf den Sitzen und in den Gängen stapelten sich schlieβlich 1.208 Kisten. So beladen, wog ein Steyr-Bus leicht zwölf Tonnen, doch die meisten Brücken unterwegs nach Lublin waren höchstens auf fünf bis sechs Tonnen ausgelegt.

Halina Konopacka. Ignacy Matuszewskis Ehefrau und Olympiasiegerin im Diskuswerfen in Amsterdam 1928.

Um sie passieren zu können, wurden die Busse vor jeder Brücke ent- und auf dem anderen Ufer neu beladen. Die Kolonne fuhr nur nachts, am Tag versteckte sie sich unter Bäumen, denn am Himmel herrschte fast uneingeschränkt die deutsche Luftwaffe. Diese beschoss und bombardierte alles, was sich auf den mit Flüchtlingen überfüllten Landstraβen bewegte. Einen der Busse lenkte Matuszewskis Ehefrau Halina Konopacka, die Goldmedaillengewinnerin im Diskuswerfen 1928 bei der Olympiade in Amsterdam.

Das Wunder von Śniatyń

Am 8. September war die 170 Kilometer zählende Strecke nach Lublin endlich zurückgelegt. Doch an Rast war nicht zu denken. Der deutsche Vormarsch vollzog sich so schnell, dass die gut dreiβig Busse und Pkws zählende Kolonne sofort ins zweihundert Kilometer Richtung Osten entfernte Luzk (heute in der Ukraine) weitergeleitet wurde. Kurz darauf fiel die Entscheidung, sämtliche Goldreserven auβer Landes zu bringen.

Am 13. September 1939 gelang Oberst Koc das schier Unmögliche. Im Chaos des Rückzugs führte er Polens gesamte Goldreserven aus Warschau/Luzk, Lublin, Brest, Siedlce und Zamość in der Kleinstadt Śniatyń/Snajtyn (heute in der Ukraine) zusammen. Polen hatte vor dem Zweiten Weltkrieg eine gemeinsame Grenze mit Rumänien (siehe Karte). Śniatyń trennte vom Nachbarland nur die Brücke über den Fluss Prut/Pruth.

Rumänien: freie Fahrt

Polens Botschafter in Bukarest Roger Raczyński war es bei der rumänischen Regierung gelungen Einlass zu erwirken. Acht verplombte Güterwaggons, vollbeladen mit Gold, passierten in der Nacht vom 13. auf den 14. September 1939 die rumänische Grenze, um in den Schwarzmeer-Hafen von Konstanza zu gelangen. Von dort sollte es auf dem Seeweg nach Frankreich gehen, wo sich schon bald die polnische Exilregierung etablieren sollte.

Roger Raczyński. Polnischer Botschafter in Bukarest.

Doch die Deutschen bekamen Wind von alldem. Botschafter Wilhem Fabricius intervenierte in Bukarest bei Auβenminister Grigore Gafencu. Rumänien, so Fabricius, breche seine Neutralität. Das polnische Gold stehe Deutschland als Kriegsbeute zu.

In jenen, für Polen so schweren, Herbstwochen 1939 verhielten sich seine südlichen Nachbarn ausgesprochen loyal. Rumänen und die Ungarn, mit denen Polen seit der „Beseitigung der Resttschechei“ durch Hitler im März 1939 auch eine gemeinsame, 180 Kilometer lange Grenze hatte, nahmen Massen flüchtender polnischer Truppen und Zivilisten auf und versorgten sie.

Wilhelm Fabricius. Deutscher Botschafter in Bukarest.

Die Rumänen drückten monatelang beide Augen zu und lieβen Tausende polnischer Soldaten und Offiziere, notdürftig als Zivilisten getarnt, in Konstanza auf Schiffe gehen, die sie durch den Bosporus in französische Mittelmeerhäfen brachten. Auch die Ungarn schauten weg als internierte Polen sich mit demselben Ziel auf den Weg zu jugoslawischen Häfen aufmachten. Die polnische Armee in Frankreich wurde auf diese Weise schnell erweitert. Mit dem Gold sollte sie von der polnischen Exilregierung mitfinanziert werden.

Gafencu gab sich Fabricius gegenüber ahnungslos. Er wisse nichts von polnischem Gold, werde aber sofort eine Untersuchung veranlassen. Hinter vorgehaltener Hand bekamen die Polen 48 Stunden, um die „heiβe Ware“ aus Rumänien herauszuschaffen.

Deutsche Botschafter und deutsche U-Boote

In Konstanza befahl der britische Konsul dem zu diesem Zeitpunkt weit und breit einzigen britischen Schiff im Hafen, das Gold an Bord zu nehmen. Kapitän Robert Brett befehligte den Mini-Tanker „Eocene“, hundert Meter lang, fünfzehn Meter breit, der eigentlich rumänisches Erdöl abholen wollte. Zwei leitende Mitarbeiter der Bank Polski, die den Konvoi begleiteten, wollten auf keinen Fall das gesamte Gold in einer solchen Nussschale davonfahren lassen. Oberst Koc jedoch blieb eisern. Egal wie, der Schatz musste weg. Ein anderes Schiff war nicht in Sicht.

Am 15. September 1939 nachmittags stach „Eocene“, ohne eine Auslaufgenehmigung abzuwarten, in See. Erleichtert schauten die Rumänen weg.

Brett entfernte sich nur eine halbe Seemeile vom Ufer. Er wollte „Eocene“ bei einem möglichen U-Boot-Angriff auf Grund setzten und so das Gold retten. Diese Vorsichtsmaβnahme war mehr als berechtigt. Zwei deutsche U-Boote lagen bei Konstanza auf der Lauer. Das Gold konnte nach Istanbul entkommen, da die U-Boote ein Fischerboot mit der „Eocine“ verwechselten.

Michał Sokolnicki. Polnischer Botschafter in Ankara.

Auch in Istanbul war höchste Eile geboten. Polens Botschafter in Ankara, Michał Sokolnicki, gab sich im türkischen Auβenministerium beinahe mit dem deutschen Vertreter Franz von Papen die Klinke in die Hand. Wie lange würden die Türken dem deutschen Druck standhalten?

Franz von Papen. Deutscher Botschafter in Ankara.

Wieder hörten die Polen: „Ihr müsst sofort weiter“. Dieses Mal aus zwölf Güterwaggons bestehend, fuhr der polnische Goldzug, ohne anzuhalten, am 20. September 1939 von Istanbul über Ankara in Richtung Syrien, damals ein französisches Protektorat. In Aleppo konnten Koc, Matuszewski und die restlichen polnischen Begleiter endlich aufatmen. Endstation war, am 24. September, Beirut.

Von dort brachte der französische Kreuzer „Ḕmile Bertin“ die Ladung nach Tulon, von wo aus sie im Oktober 1939 in die Tresorräume der Filiale der Banque de France in Nevers, zweihundert Kilometer südlich von Paris, gelangte. Dort, so nahm man an, würde der Goldschatz bis Kriegende bleiben.

Schon wieder Alarm

Der deutsche Überfall auf Belgien, Holland und Frankreich am 10. Mai 1940 begrub diese Hoffnung. Die polnische Exilregierung schlug Alarm, die Franzosen lieβen sich Zeit. Als es endlich soweit war, hängten die Franzosen den jetzt nur noch vier Waggons polnischen Goldes dreiβig weitere Waggons, beladen mit knapp 200 Tonnen belgischer Goldvorräte an.

Erst am 16. Juni 1940 gelangte der Zug auf Umwegen in den bretonischen Hafen von Lorient, von wo aus die Fregatte „Victor Schölcher“ das Gold in die USA bringen sollte. An diesem Tag entschloss sich die französische Regierung zur Kapitulation, die am 22. Juni 1940 in Compiègne unterzeichnet wurde.

Die polnischen und belgischen Begleiter staunten nicht schlecht, als das Schiff am 28. Juni 1940 im Hafen von Dakar, in der französischen Kolonie Senegal anlegte. Die französischen Behörden, der nun mit den Deutschen kollaborierenden Vichy-Regierung des Marschalls Philippe Pétain, befürchteten, die britische Flotte könnte versuchen des Goldes habhaft zu werden.  Um dies zu verhindern,  wurden daraufhin  die Goldreserven Polens achthundert Kilometer weit ins Landesinnere, in das Städtchen Kayes im heutigen Mali gebracht.

Das Pech der Belgier

Die Belgier hatten weniger Glück. Ihr Gold wurde von den Franzosen umgehend an Deutschland übergeben. Über Algerien und Marseille gelangte es nach Berlin. Nachdem es in den Kellergewölben der Reichsbank gelagert worden war begannen die Deutschen die Goldbarren in der Preuβischen Staatsmünze nach und nach einzuschmelzen. Um jeden Verdacht zu zerstreuen, stempelten sie die neuen Barren mit den Jahreszahlen 1936 und 1937. Nach dem Krieg musste die Banque de France die Belgier in vollem Umfang entschädigen.

Gold in Afrika, Klage in Amerika

Das polnische Gold blieb in Kayes. Um es herauszuholen legte Oberst Adam Koc der polnischen Exilregierung, die inzwischen in London amtierte, nahe, die Franzosen in Amerika zu verklagen. Gute Anwälte wurden angeheuert und es gelang eine einstweilige Verfügung zu erwirken. So lange die Franzosen das polnische Gold nicht herausgaben, wurden ihre Goldbestände in amerikanischen Banken blockiert.

Die Pétain-Behörden taten so, als würde sie die Niederlage vor einem amerikanischen Gericht nicht beeindrucken, aber von der Übergabe des polnischen Goldes an die Deutschen lieβen sie ab. Erst als die freien Franzosen unter General de Gaulle die afrikanischen Kolonien unter ihre Kontrolle brachten, bekamen die Polen ihr kostbares Eigentum wieder. Polnische Beamte konnten im Januar 1944 in Kayes die Übernahmeprotokolle unterzeichnen.

Die Exilregierung beschloss, die Bestände jeweils zu einem Drittel in New York, Ottawa und London zu deponieren, wohin diese im März 1944 auch gelangten.

Der bittere Geschmack des Erfolgs

Ein Jahr später, während der Konferenz von Jalta auf der Krim im Februar 1945, akzeptierten die USA und Groβbritannien die sowjetische Herrschaft über Osteuropa, auch über Polen, ihren treuesten Verbündeten. Im Juli 1945 entzogen die beiden Westmächte und mit ihnen andere westliche Staaten der Exilregierung in London die Anerkennung.

Die sowjetische Statthalter-Regierung in Warschau leitete aus diesen Abmachungen ihren Anspruch auf die polnischen Goldreserven im Ausland ab und konnte sich damit durchsetzen. Die Amerikaner gaben das polnische Gold heraus, nachdem sie einige Tonnen als Entschädigung für das in Polen von den Kommunisten enteignete amerikanische Eigentum erhielten. Die Briten behielten sechs Tonnen als Rückzahlung von Krediten ein, die sie während des Krieges an die polnische Exilregierung vergeben hatten. Aus Rumänien kehrten drei Tonnen von den vier Tonnen zurück, die 1939 dort zurückgelassen wurden, um die Versorgung Tausender polnischer Flüchtlinge zu bezahlen.

Im kommunistischen Polen bis Mitte 1947 angekommen, wurde das Gold schnell für laufende Bedürfnisse des völlig ruinierten Landes ausgegeben. Erst 1950 kam das Gold aus Kanada in Polen an.

Die beiden Retter des Goldschatzes, Adam Koc und Ignacy Matuszewski taten gut daran nicht ins kommunistische Polen zurückzukehren, wo ihresgleichen, als Reaktionäre, Feinde des Volkes und Spione, sehr schnell in den Folterkellern der Staatssicherheit endeten.

Adam Koc, einst ein führender Politiker im Vorkriegspolen, verdingte sich als Koch und Rezeptionist im New Yorker Hotel Waldorf-Astoria, war Lebensmittelhändler, bis er als Bibliothekar eine etwas bessere Stelle fand. So erging es damals Tausenden polnischer Emigranten: Piloten, Kommandeuren, Politikern, Intellektuellen. Adam Koc starb, völlig vergessen, 1969 in New York. Sein Kollege Ignacy Matuszewski starb bereits 1946, ebenfalls in New York.

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