Lampira

Exotische Scheine druckfrisch aus Polen

In Warschau gemacht: Guarani, Lari, Quetzal und Lempira.

Sorgsam befüllt und gut bewacht verlieβen dieser Tage Container mit dreiβig Tonnen Banknoten Warschau, an Bord einer vom Abnehmer gecharterten Transportmaschine. Soviel wiegen 28 Millionen Geldscheine im Nennwert von zehn- und zwanzigtausend Guarani. Zielflughafen war Asunción, die Hauptstadt Paraguays.

10.000 Guarani aus Polen.
10.000 Guarani aus Polen.

Die Polnische Staatliche Wertpapierdruckerei AG (Polska Wytwórnia Papierów Wartościowych Spółka Akcyjna – PWPW S.A.) hat damit einen weiteren Druckauftrag für ausländische Geldscheine, dieses Mal im Wert von 8 Mio. Zloty (ca. 2 Mio. Euro), erfolgreich abgewickelt. Bereits 2012 verlieβen die ersten 20 Mio. Zehntausend-Guarani-Banknoten die Warschauer Notenpresse.

20.000 Guarani aus Polen.
20.000 Guarani aus Polen.

Zuvor bestellte im Jahr 2011 die Nationalbank Georgiens bei der Polnischen Wertpapierdruckerei 44 Mio. Zehn-Lari-Scheine. 2014 lieferte die Firma 30 Mio. Zehn-Quetzal-Noten an die Bank von Guatemala aus. Aktuell sind 30 Mio. Zwanzig-Lempira-Banknoten in Arbeit, die die Banco Central de Honduras in Auftrag gegeben hat. Verhandlungen mit Zentralbanken weiterer Mittel- und Südamerikanischer Staaten über ähnliche Bestellungen sind, so heiβt es, bereits weit gediehen.

10 Quetzal aus Polen.
10 Quetzal aus Polen.

Die Einnahmen der PWPW aus Exportaufträgen belaufen sich auf etwa 50 Mio. Zloty (knapp 12,5 Mio. Euro) jährlich. Sie flossen in den letzten Jahren aus Aufträgen, wie dem Druck von Sicherheitspapier mit Wasserzeichen für Österreich, Griechenland, Holland, Lettland, Schweden und die Türkei oder, erst kürzlich, aus der Herstellung von Reisepässen für Armenien, Bangladesch und Litauen.

20 Lempira aus Polen.
20 Lempira aus Polen.

Gemessen an den 460 Mio. Zloty (knapp 115 Mio. Euro) Jahreseinnahmen und 160 Mio. Zloty (knapp 40 Mio. Euro) Jahresgewinn erscheint das nicht viel. Das Gros macht natürlich das Inlandsgeschäft aus: die Herstellung von Banknoten im Auftrag der Polnischen Nationalbank (NBP), von polnischen Reisepässen und biometrischen Personalausweisen, von Briefmarken, Steuerbanderolen, Führerscheinen, Zulassungsbescheinigungen und Blanko-Zahlkarten.

10 Lari aus Polen.
10 Lari aus Polen.

Aufträge aus dem Ausland jedoch sind sehr wichtig für das Renommee des Unternehmens. Und das lässt sich durchaus sehen. Immerhin verfügt PWPW inzwischen über eine Zulassung der Europäischen Zentralbank, es erfüllt die Voraussetzungen im Bereich des Qualitätsmanagementsystems und der Produktionssicherheit, und könnte ab sofort den Druck von Eurobanknoten übernehmen. Das jedoch dürfte ferne Zukunftsmusik sein, da die Polen die Einführung des Euro seit Jahren mehrheitlich ablehnen. Das Unternehmen beschäftigt heute rund 2.100 Mitarbeiter.

Die zu einhundert Prozent im Eigentum des Staatsschatzes befindliche Aktiengesellschaft ist Ende der 90er Jahre nur knapp dem damals grassierenden Privatisierungswahn und Ausverkaufseifer von Staatseigentum entgangen. Sie wurde zu diesem Zweck 1999 zu einer Holding umgebildet, um bestehende Beteiligungen integrieren zu können bzw. neue Beteiligungen zu ermöglichen. Inzwischen befindet sich die PWPW auf der Liste der wichtigen Staatsunternehmen („Lista spółek o istotnym znaczeniu dla porządku lub bezpieczeństwa publicznego“).

Die Polnische Wertpapierdruckerei blickt auf eine interessante und durchaus stolze Geschichte zurück. Die Staatlichen Grafischen Werke (Państwowe Zakłady Graficzne) wurden am 25. Januar 1919 basierend auf einems Beschluss der Regierung Ignacy Jan Paderewskis gegründet. Nach 123 Jahren staatlicher Nichtexistenz und der Wiederherstellung der Unabhängigkeit im November 1918, brauchte Polen eine staatliche Druckerei. Im Jahre 1925 erfolgte die Umwandlung zur Polska Wytwórnia Papierów Wartościowych S.A.

Ein Jahr nach der Firmengründung wurde die erste Banknote hergestellt: einhundert polnische Mark, nach einem Entwurf von Adam Jerzy Półtawski. Im Jahr 1932 entstand die erste Banknote im Rotogravur-Verfahren – ein Einhundert-Zloty-Schein, gestaltet von Józef Mehoffer.

Auf der Internationalen Briefmarkenausstellung in Wien 1933 erhielten in der PWPW entworfene und gedruckte Briefmarken eine Ehrung. In den 1930er Jahren wurden viele von namhaften polnischen Künstlern ihrer Zeit gestaltete Banknoten, Briefmarken, Staatsanleihen hergestellt – die Vorlagen wurden entworfen von Zofia Stryjeńska, Wacław Borowski, Zygmunt Kamiński, Ryszard Kleczewski, Marian Romuald Polak und Włodzimierz Vacek, später auch von Czesław Słania.

Das PWPW-Gebäude vor dem Krieg.
Das PWPW-Gebäude vor dem Krieg.

Der Gebäudekomplex der PWPW mit seinen drei Innenhöfen liegt am nördlichen Ende der Warschauer Neustadt. Er wurde in den Jahren 1926 bis 1929 nach einem Entwurf des Architekten Antoni Dygat errichtet.

Das PWPW-Gebäude nach den schweren Kämpfen während des Warschauer Aufstandes im August 1944.
Das PWPW-Gebäude nach den schweren Kämpfen während des Warschauer Aufstandes im August 1944.

In Deutsche Staatsdruckerei und Münze umbenannt, musste die PWPW während der Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg Besatzungsgeld, Kennkarten, Rationsmarken und diverse deutsche Amtsdokumente drucken. Im Geheimen stellte gleichzeitig eine Gruppe von Mitarbeitern (Podziemna Wytwórnia Banknotów) der PWPW Unterlagen für den polnischen Widerstand her.

Am 2. August 1944 nahmen die Warschauer Aufständischen, nach schweren Kämpfen, das Gebäude ein. Aus Stahlbeton errichtet, weitverzweigt unterkellert, bildete es ein Bollwerk, das den Deutschen den Zugang zur Altstadt versperrte. Nach 27 Tagen der Verteidigung musste es am 29 August 1944, nach schweren Angriffen durch deutsche Kampfflugzeuge und einem Generalsturm durch etwa 1.500 deutsche Soldaten, von den Aufständischen geräumt werden. Dieses Ereignis leitete den Fall der bereits eingekreisten Altstadt und die nachfolgenden schrecklichen Massaker an seiner Zivilbevölkerung ein. In den Kämpfen um die PWPW fielen bis zu 200 Soldaten der polnischen Heimatarmee, auf deutscher Seite gab es mindestens genauso viele Tote.

PWPW heute.
PWPW heute.

Das Gebäude lag in Trümmern und wurde nach dem Krieg, 1950 wiederhergestellt. Eine Gedenktafel erinnert an die Ereignisse. An den Metallstäben des Zauns, der das Gebäude umgibt sind bis heute die Spuren von Geschossen und Granatsplittern sichtbar. © RdP

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