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Ein Priester kauft Windeln

Der Szczeciner Pfarrer Tomasz Kancelarczyk hat Hunderte von Leben gerettet.

(…) Mein erster Fall, das war eine Abiturientin aus gutem Hause, sehr in die Gemeindearbeit eingebunden. Über ihre Schwangerschaft hat sie niemandem etwas erzählt. Sie hatte auch schon einen Termin für den Eingriff. Ihre beste Freundin kam damit zu mir, und ich, naiv wie ich war, und meiner seelsorgerischen Überzeugungsfähigkeiten völlig gewiss, wurde eines Besseren belehrt.

Das Mädchen hörte sich an, was ich zu sagen hatte, und erklärte mir dann geradeheraus, dass sie das Kind niemals gebären werde. Sie war sich da hundertprozentig sicher. Meine Beteuerungen, sie werde Hilfe bekommen, das Kind sei doch kein Hindernis beim Studium und im weiteren Leben, trafen auf taube Ohren. Wir hatten einige Gespräche. Nichts half. Ich hab‘s dann aufgegeben. Was kann ein Priester da noch ausrichten? Das Kind wird er ganz bestimmt nicht austragen können.

Einige Tage später, ich stand vor dem Altar, überkam mich mit unglaublicher Wucht der Gedanke, wenn ich nicht alles tue. was in meiner Macht steht, um diese Abtreibung zu verhindern, dann bin ich ein Feigling und werde dem Mädchen das Leben ruinieren.

Dem Mädchen?

Sie müsste mit der Gewissheit leben, ihr Kind umgebracht zu haben. Das war eine kluge, empfindsame junge Frau. Es galt ihr Kind und sie selbst zu retten. Das Trauma nach einer Abtreibung ist keine Erfindung devoter Frömmlerinnen. Das ist ein schrecklicher Zustand der Depression, des Hasses, der Ängste, der Schuldgefühle, die viele Frauen überkommt und oft bis an ihr Lebensende nicht mehr loslässt.

Ich bin noch einmal zu ihr gefahren und habe alles auf eine Karte gesetzt. „Ich werde es nicht zulassen. Ich fahre jetzt zu Deinen Eltern. Du wirst es nicht tun“. Dann passierte etwas schreckliches. Ihr schönes Gesicht entstellte sich zu einer hasserfüllten Fratze. Ich bekam Angst. Wir sind mit Krach auseinandergegangen.

Ich verspürte einen tiefen Schmerz darüber, dass das Kind umgebracht wird. Ich war in einen Kampf auf Leben und Tod verwickelt. Verzweifelt habe ich mich ans Telefon gesetzt und alle Orden, die ich kannte angerufen, mit der Bitte um Gebete für die Rettung des Kindes. Auch ich habe innbrünstig gebetet. Eine Woche verging. Es klingelt an der Tür. Ich mache auf, vor mir steht „meine“ Abiturientin. Sie lacht, strahlt vor Glück. „Ich werde gebären“. Das Kind kam auf die Welt, sie hat sich das Leben eingerichtet. Das Kind bedeutet ihr alles, auch ihre Familie ist verrückt nach ihm.

Was muss man tun, um eine Frau und ihr Kind zu retten?

Nach so vielen Jahren weiβ ich, dass man auf drei Ebenen gleichzeitig handeln muss. Wichtig ist, ein konkretes Hilfsangebot zu machen und es umzusetzen. Genauso wichtig ist das Gebet. Zugleich muss man deutlich machen, was in Wirklichkeit eine Abtreibung ist, und welch unschätzbaren Wert das Leben hat.

Haben die „Märsche für das Leben“ einen Sinn?

Ja. Es wird öffentlich ein Zeugnis abgelegt, auf diese Weise werden die Öffentlichkeit, und vor allem die jungen Menschen, geprägt. Doch die Märsche dürfen kein Ziel an sich sein. Die Vereinigung Civitas Christiana hat mich in Szczecin 2006 zum ersten Mal zur Teilnahme eingeladen. Damals habe ich in einer Berufsschule Religion unterrichtet. Meine Schüler waren bei Leibe keine braven Kinder. Dennoch sind wir zusammen hingegangen und trafen auf ein Häuflein trauriger älterer Damen. Die Jungs fühlten sich dabei unwohl, ich übrigens auch (…)

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Zwanzigtausend Menschen nahmen im Mai 2014 am Szczeciner Marsch für das Leben teil.

Ein Jahr später haben wir die Vorbereitung des Marsches praktisch an uns gerissen, mit viel Phantasie und Energie. Die jungen Leute hatten viele gute Ideen. Es ging fröhlich und bunt zu, es herrschte eine ganz andere Atmosphäre, und es kamen zweitausend Leute! Von Jahr zu Jahr wurden es immer mehr. Im Mai 2014 marschierten schon zwanzigtausend Menschen gemeinsam mit uns. Doch der Marsch, auch wenn die Vorbereitungen wochenlang dauern, ist ein leichtes Unterfangen. Ein Kind zu retten ist viel schwieriger.

Warum?

Man muss starke Nerven haben und oft ein enormes Tempo an den Tag legen. Man wird zu so einer Art Anti-Abtreibungs-Bereitschaftsdienst. Als immer mehr Anrufe kamen, dass wieder einmal eine Frau „ein Problem“ hat und es loswerden will, wurde mir klar, dass ein jeder solcher Alarm irgendwie anders ist, eine andere Vorgehensweise und Hilfestellung verlangt. (…) Manchmal muss man wie ein Priester handeln, manchmal wie ein Psychologe, ein anderes Mal wie die Sozialhilfe, nicht selten wie ein Fuchs.

Fuchs?

Sagen wir: unkonventionell handeln. Ein Problem ist immer: wie komme ich mit dem Mädchen ins Gespräch? Wenn das gelingt, dann haben wir den ersten Anhaltspunkt, und die Chance ein Leben zu retten wächst enorm.

Welche Frauen entscheiden sich für die Abtreibung?

Vor allem fehlt ein positiv eingestellter Mann an ihrer Seite. Entweder war gelegentlicher Sex im Spiel oder ein Mann, mit dem die Frau schon länger zusammenlebt, und der dann plötzlich fragt: bist Du sicher, dass es mein Kind ist? Viele Männer überlassen „groβzügig“ und „modern“ die Entscheidung der Frau: mach was Du willst. In jedem Fall ziehen, das fehlende Sicherheitsgefühl, die Angst, die Wut auf den Mann, die unheilvolle Entscheidung abzutreiben nach sich.

Die Mädchen stammen aus ganz unterschiedlichen Verhältnissen. Manchmal sind sie ungebildet und arm. Manchmal sind es Frauen in gehobener Stellung mit einem guten Einkommen. Vor nicht langer Zeit bekam ich die Nachricht von einem Mannequin das abtreiben wollte. Klar: Angst vor einem Bruch der Karriere, einer entstellten Figur. Es gelang ihr zu helfen. Sie gebar, wurde wieder schlank. Das Kind ist ihr Ein und Alles. Sie ist wieder zurück auf dem Laufsteg.

Oft sind es Teenager. Blanke Verzweiflung! „Die Eltern werden mich umbringen!“ Gewiss, meistens sind die Eltern wütend, aber das geht schnell vorbei, und als Groβeltern schäumen sie nur so über vor Freude. Die Leute wollen oft die Schwangerschaft nicht, aber das Kind, das Ergebnis dieses Zustandes, macht sie glücklich.

Wie weit reicht Ihr Aktionsradius?

Er erstreckt sich auf ganz Polen. Wenn die Mädchen auβerhalb von Szczecin wohnen, dann setzten wir uns ins Auto und fahren los. Wenn es wirklich am anderen Ende des Landes ist, dann suchen wir nach Mitarbeitern der Bruderschaft der Kleinen Füβe (Bractwo Małych Stópek). Es gibt dreitausend von ihnen im ganzen Land. Das Internet ist ein groβer Segen für die Pro-Life-Bewegung. Es eint die Menschen zugunsten einer guten Sache. Ich kann auch immer auf die Leute von der Gemeinschaft Hauskirche (Wspólnota Kościół Domowy) zählen. Wenn zu einer Frau, die ihr ungeborenes Kind töten will, eine einfühlsame, wohlwollende Person kommt, mit einem konkreten Hilfsangebot, dann ist die Chance groβ, dass die Frau ihre Entscheidung ändert. Ausschlaggebend ist die psychologische Unterstützung, dabei muss es nicht unbedingt ein Diplom-Psychologe sein. Ich sage meinen Mitarbeitern: „Wir alle retten diese Kinder. Auf jede mögliche Weise“.

Was sind das für Organisationen, von denen Sie sprechen?

Ich bin kein Roboter. Es kamen immer mehr schwierige Fälle hinzu, aber ich konnte stets auf die Unterstützung der Vereinigung Civitas Cristiana in Szczecin zählen. Ohne ihre Arbeit, ihr Engagement würden sich meine Möglichkeiten schnell erschöpfen. Dabei gibt es immer mehr Bedarf. Deswegen haben wir die Bruderschaft ins Leben gerufen, die eine Stiftung betreibt. Zur Bruderschaft stoβen Menschen aus dem ganzen Land. Wir sammeln Geld, das den Frauen zu Gute kommt. Wir verteilen auch „Hänschen“ („Jaśki“) – Modelle eines zehnwöchigen Menschen, und silberfarbene kleine Füβe. Auβerdem „betreiben“ wir eine „Gebets-Babyklappe“.

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Ach so, Nonnen beten und Frauen treiben nicht ab?

Ja, so kann man das sagen. Es passiert, dass wir auf Frauen in der frühen Schwangerschaft treffen, ihnen Angebote unterbreiten, die ihre Probleme lösen und sie dennoch dabei bleiben abzutreiben. Mir ist dann immer schrecklich zumute. Ich weiβ, diese Frau wird gleich den gröβten Fehler ihres Lebens begehen. Sie wird Pillen schlucken und in häuslicher Abgeschiedenheit ein mehrwöchiges totes Kind gebären und seinen Leichnam „entsorgen“. In meiner ganzen Hilflosigkeit schreibe ich E-Mails an Ordensgemeinschaften. Es sind sage und schreibe 83 die uns unterstützen. Alle beten für diese Frau und für gewöhnlich mit Erfolg.

Kleben Sie Plakate mit toten Kindern, Opfern von Abtreibungen?

Nein, aber ich verurteile solche Plakate nicht, weil sie viele Menschen sehr nachdenklich stimmen. Abtreibung ist wahrlich keine „Auflösung eines Kindes im Nebel“.

Ich jedoch habe eine andere Methode gewählt. Wir haben mit der Bruderschaft eine Ausstellung für Gymnasiasten vorbereitet, die eine positive Botschaft vermittelt. Auf einem Plakat ist ein Junge mit einem Ball zu sehen, darunter die Information wann ein Kind im Mutterleib zu treten beginnt. Auf einem anderen ein Mädchen mit einem Kamm und die Mitteilung, wann im Mutterleib die Haare des Kindes zu wachsen beginnen. Die Plakate erläutern, dass ab dem 21. Tag nach der Empfängnis der Mensch bereits ein schlagendes Herz hat, dass er Schmerz empfindet usw.

Die heutige Jugend ist auf vielen Gebieten sehr bewandert, aber über die Entwicklung des Menschen weiβ sie erschreckend wenig. Man muss es ihr beibringen. Wenn man den jungen Leuten zeigt, wie ein Kind im Mutterleib aussieht, wie es wächst, dann wird ihnen niemand mehr einreden können, es handle sich um einen „nicht identifizierbaren Gewebeklumpen“.

Sie sprachen von den „Hänschen“. (…)

Die haben eine enorme Wirkung. Vor einiger Zeit wurde ich ins Fernsehen eingeladen, um über den Schutz des ungeborenen Lebens zu sprechen. Ich habe auch die „Hänschen“ mitgenommen, sie auf den Tisch im Studio gelegt, und sie dort nach dem Ende des Gespräches liegen gelassen. Nach mir sollten Befürworterinnen der Abtreibung diskutieren. Sie wurden geradezu hysterisch als sie die Modelle eines zehn Wochen alten Menschen sahen, forderten, die „Abtreibungsfigürchen“ sofort zu entfernen. Auch die kleinen Füβe verfehlen nicht ihre Wirkung. (…) Wenn wir sagen: „Töte nicht“, dann müssen wir auch vor Augen führen, wen konkret man nicht töten darf.

Pfarrer Kancelarczyk mit einem „Hänschen".
Pfarrer Kancelarczyk mit einem „Hänschen”.

Ist es nicht seltsam, dass man im 21. Jahrhundert nicht wissen kann, wie ein werdender Mensch aussieht?

Aber so ist es. Ich war einmal mit einem Vortrag in einer Schule. Ich habe die „Hänschen“ verteilt, erzählt. Beiläufig sah ich, wie eines der Mädchen das Modell mit zitternden Händen anfasste. Nach der Stunde kam sie heulend zu mir. Sie war in der zehnten Woche schwanger und hatte sich schon für die Abtreibung entschieden. Das Modell hat ihr die Augen geöffnet.

Abtreibungsbefürworter werden sagen, Sie üben Druck und psychische Gewalt aus.

Dann muss ich Ihnen folgende Geschichte erzählen. Vor einiger Zeit bekam ich eine Nachricht von einer Pro-Life-Aktivistin aus Norwegen, dass eine Frau in Szczecin Hilfe braucht. Wir haben sie gefunden. Diese Frau suchte zunächst einen Sponsor für ihre Abtreibung. Ein Herr erklärte sich bereit den Eingriff zu bezahlen, doch die Frau hat es sich anders überlegt. Sie entschied sich für das Kind. Der Sponsor hat sich von ihr abgewandt. Seine Hilfe beschränkte sich auf das Töten. So sieht das aus. Die Abtreibungsbefürworter beschäftigen sich mit den Ungeborenen auf die Weise, dass sie aus ihnen Tote machen. Wir helfen den Lebenden.

Haben Sie mit diesem Abtreibungssponsor gesprochen?

Er hat mich angerufen und sagte, er arbeite für die (rabiat antikatholische – Anm. RdP) Zeitschrift „Fakty i Mity“ („Fakten und Mythen“). Ich habe ihm geantwortet, dass ich für Jesus Christus tätig bin. So haben wir miteinander geplaudert. Es war ein wertvolles Gespräch, weil ich ihm von Fortgang des Geschehens berichten konnte: das Mädchen gebar ihr Kind, ist glücklich, der Kleine entwickelt sich prächtig.

Mir ist zu Ohren gekommen, dass finanzielle Hilfe für Frauen, die sich noch nicht entschieden haben, gleichzusetzen sei mit dem „Erkaufen“ ihrer Kinder und das sei unmoralisch.

Dann muss ich noch eine Geschichte erzählen. Wir hatten erfahren, dass eine schwangere Frau die Abtreibung vornehmen will. Wir gingen zu ihr. Eine winzige, kalte Einzimmerwohnung mit riesigen Mietrückständen. Ein Bild des Jammers. Die Frau schlief auf dem Fuβboden, ihr älteres Kind auf einem verfallenen Möbelstück. Es war zu spät für irgendwelche Diskussionen, die Suche nach dem Vater, Moralpredigten. Fast zeitgleich, so wollte es der Zufall, bekam ich einen Anruf von jemandem der Möbel loswerden wollte. Blitzschnell haben wir die Wohnung renoviert, die Möbel reingestellt. Wir haben die Frau mit der Gemeinschaft Hauskirche zusammengebracht, damit ihr, wenn nötig, immer geholfen werden konnte.

Sie stammte aus einem geradezu pathologischen Milieu. Es reichte aber aus, ihr nur die Hand hin zu strecken, um sie dort rauszuholen. Als sie Geburtswehen bekam, rief sie mich mitten in der Nacht an. Ich habe sie ins Krankenhaus gebracht. Und jetzt die Frage: haben wir ihr Kind wirklich „gekauft“?

Von Zeit zu Zeit veröffentlichen Sie auf Facebook einen Appell, zehn Zloty für Windeln zu spenden.

Das reicht für zwanzig Windeln. Windeln sind mein Symbol. Wenn ein Mädchen weint, da es nicht weiter weiβ, kein Geld hat, dann sagen wir ihr: „Gut, Dein Kind bekommt von uns Windeln für ein ganzes Jahr im Voraus“. Das wirkt. Die bedürftigen Frauen bekommen von uns auch den Kinderwagen, Kleidung, Pflegeprodukte für das Kleine. Wenn sie nicht selbst stillen kann, auch Babynahrung. Doch das mit den Windeln wirkt am meisten.

Es war schon komisch, als ich das erste Mal Windeln für ein ganzes Jahr im Voraus einkaufen gegangen bin. Eine Familie aus dem Bekanntenkreis hat mir aufgeschrieben wieviel Windeln das sein müssen. Beim Discounter habe ich den gröβten Wagen vollgebackt. Den Priesterkragen habe ich anbehalten. An der Kasse habe ich natürlich ein Ehepaar aus unserer Gemeinde getroffen. „Herr Pfarrer, gibt es in Ihrem Leben etwas wovon wir nichts wissen?“, haben sie höflich gefragt. Anschließend haben sie noch ein Paar Packungen Windeln auf den Wagen gelegt.

Sie haben den Fuchs erwähnt.

Sie meinen die unkonventionellen Hilfsmethoden. Es gibt sie. Manche Frauen sind buchstäblich von der Angst gelähmt, für rationale Argumente völlig unzugänglich. Einmal habe ich ein Komplott mit einem Mädchen geschmiedet, dessen Freundin unbedingt abtreiben wollte. Sie hatte schon die nötigen Pillen dazu.

Wir haben uns angeblich zufällig in einer Ladengalerie getroffen: ich, das Mädchen und ihre schwangere Freundin. Wir unterhielten uns über das Wetter und andere harmlose Dinge. Beim Abschiednehmen „habe ich mich erinnert“, etwas ganz besonderes auf meinem Handy zu haben. „Da sich gerade die Gelegenheit bietet, das ist meine Patentochter“, und ich zeige einen kleinen Film von der Ultraschalluntersuchung. „Anna strampelt, ihr Herz schlägt schon. Ist das nicht wunderbar?“ Drei Tage später ruft meine Mitverschwörerin an: „Die Freundin hat die Pillen weggeworfen“ (…) Ein anderes Mal, als ein weiteres Mädchen schrecklich weinte und klagte, dass das Kind keinen Vater haben wird, und deswegen will sie es weg machen lassen, habe ich, ganz spontan gesagt: „Dann werde ich das Kind als meins eintragen lassen.“

Ganz schön mutig.

Ja, obwohl die Vaterschaft eines Priesters nur eine geistige sein sollte, bin ich aufs Ganze gegangen. Es hat auch geholfen. Das Mädchen kam zur Besinnung, vielleicht bekam sie es auch mit der Angst zu tun, wegen dieser Vaterschaft. Sie hat das Kind auf die Welt gebracht. Es hat keinen Vater, aber es existiert.

Dürfen Sie sich so sehr engagieren?

Es gibt Grenzen, die man nicht überschreiten darf. Die Pro-Life-Arbeit kann kein Ersatz für die biologische Vaterschaft sein. Da muss ein Priester sehr aufpassen und Distanz wahren. Doch ist es so verwunderlich, wenn ein Mann mit Priesterkragen gerührt ist, wenn er vor der Abtreibung gerettete Zwillinge sieht? Winzig, jeder etwa zwei Kilo schwer, rosig, strampelnd. Übrigens musste man für sie zweimal so viel Windeln anschleppen.

Ist es so verwunderlich, wenn ein Mann mit Priesterkragen gerührt ist, wenn er vor der Abtreibung gerettet Zwillinge sieht?
Ist es so verwunderlich, wenn ein Mann mit Priesterkragen gerührt ist, wenn er vor der Abtreibung gerettete Zwillinge sieht?

Haben Sie mit den biologischen Vätern der Kinder zu tun?

Manchmal. Das bedarf meistens einer sehr groβen Beherrschung, um so einem Kerl nicht einfach eine herunterzuhauen, damit er zur Besinnung kommt und Verantwortung übernimmt. Einem von ihnen habe ich sein ungeborenes Kind gezeigt. Er fing an zu schluchzen. Er wollte diese Schwangerschaft nicht. Später konnte er vor lauter Stolz auf den Sohn kaum laufen. (…)

Das Gespräch, das wir, mit freundlicher Genehmigung, leicht gekürzt wiedergeben, erschien in der Tageszeitung „Rzeczpospolita“ („Die Republik“) vom 6. Dezember 2014.

RdP

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