Meczet Kruszyniany foto

Ein Katholik schändet nicht

„Ich verteidige die Moscheen“, schreibt Polens führender katholischer Publizist.

„Die Schändung der Moschee in Kruszyniany muss eindeutig verurteilt werden, und das vor allem durch die rechte Seite der intellektuellen Szene“, unter dieser Überschrift und mit dieser Unterzeile, veröffentlichte Tomasz P. Terlikowski, einer der führenden und streitbarsten katholischen Publizisten Polens, seine wöchentliche Glosse im Wochenblatt „Gazeta Polska“ („Polnische Zeitung“) vom 2. Juli 2014.

Tomasz Terlikowski
Tomasz Terlikowski

Die Glosse bezieht sich darauf, dass in der Nacht vom 28. auf den 29. Juni 2014 unbekannte Täter die Holzmoschee und einige Gräber auf dem Tatarenfriedhof im Dorf Kruszyniany, unweit der polnisch-weiβrussischen Grenze, mit Schmierereien verunstaltet haben.In der Gegend wohnen seit dem 16 Jh. polnische Tataren. Zu ihrer Geschichte, Kultur und ihrem heutigen Leben empfehlen wir Ihnen die folgende Sendung.

Der Zwischenfall hat landesweite Empörung hervorgerufen. Die Schmierereien, die keine Parolen enthalten, deuten eher auf Rowdytum hin. Die Polizei ermittelt.

Tomasz P. Terlikowski schreibt u. a.:

Ich weiβ nicht, wer die Moschee in Kruszyniany geschändet hat. Ich schlieβe eine Provokation nicht aus, auch wenn ich diese Vermutung für sehr unwahrscheinlich halte. Gleichzeitig jedoch hege ich die absolute Gewissheit, dass unabhängig davon, wer es getan hat, jeder polnische Patriot und jeder Gläubige sich in dieser Zeit mit den Moslems und den Tataren solidarisch zeigen, und das, was sich ereignet hat, aufs schärfste verurteilen muss.

Der Grund ist sehr einfach. Unabhängig davon, was wir vom Islam halten (über seinen Wert oder seine Wertlosigkeit aus katholischer und christlicher Sicht wird seit Jahren eine sehr interessante Diskussion geführt, die keine eindeutigen Antworten liefert); unabhängig davon, wie wir zur islamistischen Gefahr stehen, ist die Mosche ein Ort des religiösen Kultes, und solche Orte verlangen einem Christen Respekt ab.

Wenn schon nicht aus dem Grund, weil wir den Wert einer Religion (in diesem Fall des Islam) anerkennen, dann wenigstens deswegen, weil wir den Wert der menschlichen Suche nach Gott, der menschlichen Religiosität, auch wenn sie falsch ausgerichtet ist, zu schätzen wissen. Eine Moschee verdient es, genauso wie eine Pagode, geachtet zu werden und darf nicht geschändet werden. Der Kampf gegen den Islam oder gegen den Islamismus, auch wenn er rein politisch verstanden wird, darf uns unseres rein menschlichen Einfühlungsvermögens und unserer Achtung für menschlichen Gefühle nicht berauben.

Kruszyniany 1

Schmierereien an der Moschee von Kruszyniany
Schmierereien an der Moschee von Kruszyniany

Die Schändung der Moschee in Kruszyniany ist auch aus einem anderen Grund absurd. Dieser Ort nämlich ist ein Beispiel der perfekten Anpassung und Integration der Moslems in einem christlichen Staat. Die Tataren, denen dieses ansprechende Gebäude gehört, zeigten, dass wenn der Staat sie achtet und ihnen alle Möglichkeiten des sozialen Aufstiegs offen hält (und dazu zählte die Bestimmung, dass sie in den polnischen Adel aufgenommen werden können), dann können Moslems zu loyalen Bürgern und eifrigen Verteidigern der Rzeczpospolita werden. Ihr Beitrag zum Aufbau der Rzeczpospolita vieler Kulturen und vieler Völker, an die der hl. Johannes Paul II. so oft erinnert hat, ist nicht zu überschätzen.

Und deswegen schäme ich mich schlicht und einfach für diejenigen, die diesen empörenden Angriff vorgenommen haben. Das verschmieren mit Farbe eines Ortes des Kultes, dazu eines wichtigen Denkmals polnischer Geschichte, seine offensichtliche Schändung, das alles kann nichts zu tun haben mit dem Christentum, mit dem Polnisch-Sein, mit dem politisch Rechts-Stehen. Daran können auch das Symbol des polnischen Widerstandes aus dem Zweiten Weltkrieg nichts ändern, das die Schänder hinterlassen haben. Ein Katholik schändet keine Orte des Kultes anderer Religionen (auch wenn er sie als falsch betrachtet), weil er das menschliche religiöse Engagement respektiert. Das gilt für jeden Glauben, auch für den Islam.

Ein polnischer Patriot weiβ zudem, dass die Moschee in Kruszyniany ein schönes Beispiel nicht nur für die polnische religiöse Toleranz liefert, sondern auch dafür, dass die Anwesenheit der Tataren in diesem Gebiet ein Teil unserer Geschichte ist. Nur ein Dummkopf weiβ das nicht. Das zeigt, dass die Schänder nicht die geringste Ahnung haben von der Geschichte Polens und den religiösen Verhältnissen in unserem Land, was übrigens nicht wundert angesichts des Niveaus, auf das man den Geschichtsunterricht in polnischen Schulen herabgesenkt hat.

Und deswegen muβ man es direkt sagen. Ein Katholik (oder mehr noch: ein Christ) kann diesen empörenden Akt des Wandalismus nur aufs schärfste verurteilen, und er kann an einem solchen Tag nur auf der Seite der Tataren stehen. Ich weiβ nicht wer es getan hat. Ich kann aber mein tiefstes Mitgefühl und meine Scham zum Ausdruck bringen, und versichern, dass wenn Geld für die Renovierung notwendig sein sollte, ich gerne etwas zu einer solchen Sammlung beisteuern werde. Als Pole und als Katholik!

RdP

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