Putin fot.

Von Putin lernen

Deutscher „Gnadenbrief“ in Polen gelesen.

Von einem „Gnadenbrief” der deutschen Medienhäuser Bauer, Burda und Axel Springer berichtete am 26. Februar 2015 die deutsche Zeitung “Handelsblatt”. Empfänger war Russlands Präsident Wladimir Putin. Die Verlage bitten Putin, ein geplantes Mediengesetz aufzuschieben. Sie fürchten um Arbeitsplätze und Einfluss. Um Zeit zu gewinnen, solle das Gesetz um ein Jahr verschoben werden, heißt es. Russland nämlich, will Ausländer von der Führung russischer Medien ausschließen. Ausländischen Teilhabern soll ab 2016 der Besitz von mehr als 20 Prozent an Medienunternehmen untersagt werden.

Der „Gnadenbrief“ veranlasste den Chefredakteur der Tageszeitung „Rzeczpospolita“ („Die Republik“) Bogusław Chrabota dazu am 4. März 2015 in seinem Blatt eine Glosse zu schreiben.

„Sehr geehrter Wladimir Wladimirowitsch, wir müssen uns an Sie wenden bezüglich einer schwierigen Situation, in die wir geraten sind.“ (…) „Mit der  Umsetzung dieses Gesetztes droht der Verlust von 100.000 Arbeitsplätzen“, zitiert Chrabota aus dem Brief und schreibt, dass die Verfasser der Höflichkeit halber nicht die eigenen drohenden finanziellen Verluste erwähnen, die wahrscheinlich in die Milliarden gehen werden. Sie versuchen ihre russischen Geschäfte zu retten, über die ihnen die Kontrolle entgleiten könnte. Das könne man nachvollziehen.

Es gibt aber noch einen anderen Zusammenhang, schreibt Chrabota. Der Brief an Putin erinnere an „eine unterwürfige Huldigung“. Man könne sich vorstellen, dass der „Zar“ die Autoren sogar empfangen und an sie eine Ansprache richten würde: „So, ihr Vorstände. Ich werde euch die Köpfe nicht abschneiden lassen, aber jetzt ist Schluss mit der Kreml-Kritik, Schluss mit euren antiquierten Werten. Hände an die Hosennaht, und ab jetzt kein Wort mehr über Nemzow, Politkowskaja, Kowaliow. Und bitte kümmert euch auch um die Polen. Ihr habt doch fast die ganze polnische Presse in der Hand, dann zeigt mal was ihr könnt. Etwas mehr Loyalität bitte, meine Herren“.

„Ist ein solches Szenario wahrscheinlich?“, fragt Chrabota. Seine Antwort: „Zweifelsohne. Die erwähnten Konzerne kontrollieren zu einem erheblichen Teil die öffentliche Meinung in einigen wichtigen europäischen Ländern. Das Benutzen dieser Konzerne, um Putins Interessen zu verwirklichen, erscheine offensichtlich“, schreibt der Autor, und stellt die Frage, ob es möglich wäre sich dagegen zur Wehr zu setzten. „Bis jetzt haben wir die dazu notwendigen Instrumente nicht. Vielleicht ist es höchste Zeit sie zu schaffen und über dem polnischen Kapital in den Medien einen Schutzschirm aufzuspannen. Lasst uns von Putin lernen. Wenigstens ein bisschen“, lautet das Fazit der Glosse.

RdP

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